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G7-Kritiker bauen Protestcamp auf: Organisatoren über Behördenschreiben empört

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G7-Protestcamp in Garmisch
Am Freitag hat der Aufbau des G7-Protestcamps begonnen. © Josef Hornsteiner

Bereits zwei Tage vor dem G7-Gipfel in Elmau bauen Kritiker ihr Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen auf. Ein Schreiben der Behörden sorgt für Irritation.

Garmisch-Partenkirchen – Als eine der ersten Dinge stand das Küchenzelt. Drei junge Menschen, zwei Männer und eine Frau, stehen beisammen und schnippeln Zwiebeln. „Es gibt heute Falafeln“, erklärt die Dame. Kosten tut das Essen quasi nix – dafür darf gespendet werden. „Eine offene Küche für alle“, sagt der Mann.

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Sprecher des Protestcamp hofft auf Engagement der Einheimischen

Das Küchenzelt bildet mit dem großen Aufenthalts- und Gesprächszelt das Herz des Protestcamps „Stop G7 Elmau“, das seit gestern Abend, 18 Uhr, geöffnet hat. Ältere Herren mit von Aufnähern übersäten Westen tragen Stangen durch die Gegend, schlagen Heringe in den Boden, bereiten sich vor. Sieben Polizisten stehen außerhalb am Feldweg und beobachten das Treiben. Bereits an der Brücke kontrollieren die Beamten, verlangen Ausweise.

Nur einer im Camp ist umringt von zahlreichen Filmteams. York Runte, 61, ist der Sprecher des Camps. Geduldig gibt er ein Interview nach dem anderen. „Wir hoffen, dass vor allem viele Einheimische an den Demos teilnehmen“, sagt der Münchner. „Alleine schon deshalb, dass hier kein dritter Gipfel mehr stattfindet.“ Es würden heuer weniger kommen als 2015, davon ist auch der 61-Jährige überzeugt – was unter anderem an den Steinen liegt, die die Behörde den Protestlern angeblich in den Weg legen.

Alle wichtigen Informationen zum G7-Gipfel gibt‘s auch in unserem News-Ticker.

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Organisatoren müssen für Demo Toiletten bereitstellen

Zwar laufe bislang die Zusammenarbeit zwischen Camp-Bewohnern und Polizei gut ab, sagt Runte. Doch ärgert er sich über die Behörde. Denn die Organisatoren müssen nun am Sonntag bei der Demonstration in Garmisch-Partenkirchen acht Toiletten an der Auftaktveranstaltung am Bahnhof aufstellen. „Das hat’s noch nie gegeben.“ Er überlegt, Anwälte einzuschalten.

Doch noch mehr irritiert ihn, dass die Demonstranten erst jetzt einen Bescheid bekommen haben, dass eine kleine Landzunge übers Gelände läuft, die als Biotop ausgewiesen ist. Runte hält das für gezielte Schikane: „Wir werden in unserem Demonstrationsrecht eingeschränkt.“ Doch steckt eine andere Geschichte dahinter.

Protestcamp zum G7-Gipfel: Raubal-Wiese doch kein Biotop mehr

Durch das Bienen-Volksbegehren hat sich 2019 der Status des Wiesenstücks entlang der Loisach geändert. Es galt nun offiziell als Biotop, erklärt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen. Formal hätte sich dadurch an den Nutzungsvorgaben nichts geändert. „Schon vorher hat es sich bei diesem etwa 90 Zentimeter breiten Streifen um naturschutzfachlich wertvolle Flächen gehandelt. Deshalb musste dieser Bereich der Wiese schon beim Gipfel 2015 durch Absperrbänder abgegrenzt werden.“

Große Zelte waren in diesem Bereich nicht erlaubt. Aus Sicht des Sprechers wäre dieser Bereich nahe der Böschung für größere Zelte aber sowieso nicht geeignet gewesen.

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Unwetter könnten Aktivisten das Campen erschweren

Als jedoch gestern Nachmittag die Behörde vor Ort war, um den Campingplatz zu prüfen und abzunehmen, stellte sich heraus, dass durch „das Mähverhalten“ der vergangenen Jahre und Jahrzehnte es sich nicht mehr um ein Biotop handelt. Somit dürfen die Demonstranten auf der Wiese ohne Auflagen campen – sofern sie das Alkoholverbot und die Ruhezeit von 22 bis 8 Uhr einhalten.

Schon vor der Eröffnung hat es heftig in Garmisch-Partenkirchen geschüttet. Müsste das Camp beispielsweise bei Hochwasser evakuiert werden, könnten die Demonstranten in die Notunterkünfte entweder in der Turnhalle des Werdenfels Gymnasiums oder in der Tennishalle am Mittenwalder Riedboden unterkommen. „Doch haben wir nur 200 Betten“, sagt Wolfgang Rotzsche, ebenfalls Behördensprecher. Der Rest braucht Isomatte und Schlafsack. Grund sei ein akuter Materialmangel. „Schon bei der Ankunft der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine hatten wir Probleme, genug Betten her zu bekommen.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten rund um das Gipfeltreffen 2022 finden Sie auf Merkur.de/G7-Gipfel Elmau.

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