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G7-Gipfel in Elmau: Bayerisches Schloss im Zentrum der Weltpolitik - „Wird wieder ein historischer Moment“

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Von: Dominik Göttler

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Schloss Elmau mit Bergkulisse
Der G7-Gipfel 2022 findet auf Schloss Elmau in Bayern statt. © Peter Kneffel/dpa

Das Foto von Obama und Merkel auf der Holzbank ging um die Welt: Nun treffen sich die G7-Staatschefs erneut im selben Schloss-Hotel im Elmauer Tal. Ein Besuch bei Gastgeber Dietmar Müller-Elmau.

Elmau – Ein sonniger Freitagvormittag, Dietmar Müller-Elmau sitzt auf der Terrasse seines Schlosshotels und trinkt eine Tasse Tee. Eigentlich wirkt alles wie immer. Einige Hotelgäste brechen gerade zu einer Wanderung auf. Zu König Ludwigs Schachenhaus sind es knapp drei Stunden. Andere Besucher sparen sich den schweißtreibenden Anstieg und genießen den Blick aufs Wettersteingebirge lieber im Bademantel von der Liege im Garten.

Doch plötzlich wird es laut in der Idylle. Ein Helikopter rattert über das Schlosshotel, die Teetasse klimpert auf dem Tisch. „Die Polizei übt den Landeanflug“, sagt Müller-Elmau und lächelt. Es sind die Vorboten des Ausnahmezustands, der schon bald auf Schloss Elmau herrschen wird. Denn dann ist mal wieder die Weltpolitik zu Gast im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Motto vom G7-Gipfel 2022 auf Schloss Elmau: „Fortschritt für eine gerechte Welt“

Von 26. bis 28. Juni findet auf Schloss Elmau zum zweiten Mal der G7-Gipfel statt. Erwartet werden die Präsidenten von sieben bedeutenden Industrienationen der westlichen Welt. Das Treffen steht unter dem Motto der deutschen G7-Präsidentschaft: „Fortschritt für eine gerechte Welt.“ Die Klimapolitik steht ebenso auf der Tagesordnung wie die Bekämpfung der Corona-Pandemie. Doch angesichts der politischen Weltlage wird es vor allem darum gehen, wie man in der Ukraine zurück zum Frieden finden kann. Die von Bundeskanzler Scholz ausgerufene Zeitenwende dominiert auch das Treffen der Staatschefs im Elmauer Tal.

Für Gastgeber Dietmar Müller-Elmau, Jahrgang 1954, im Schloss zur Welt gekommen, geht mit dem G7-Gipfel im eigenen Haus schon zum zweiten Mal ein Traum in Erfüllung. „Ich musste nicht eine Sekunde nachdenken, als der Anruf kam“, sagt er, als sich der Hubschrauberlärm wieder gelegt hat. Er sehe es sogar als Bürgerpflicht, die Weltpolitik zu empfangen. „Ich wollte das immer haben, dass Schloss Elmau als Ort der Hochkultur und des transatlantischen Bündnisses auch ein Ort des politischen Austausches wird.“

G7-Gipfel 2022 auf Schloss Elmau: „Die Grundidee ist kosmopolitisch“

Wenn man so will, hat er sein Hotel schon mit diesem Gedanken eingerichtet. „Die Grundidee ist kosmopolitisch“, sagt er. Solnhofer Natursteinbäder, Schränke aus amerikanischer Kirsche oder Kushkali-Teppiche aus dem Iran – in den Zimmern hat Müller-Elmau wertvollste Materialien aus der ganzen Welt zusammengetragen. „Unser Haus soll so vielfältig sein wie unsere Gäste.“ Zumindest für die, die es sich leisten können. Eine Nacht im Schloss kostet je nach Saison und Paket schnell 700 Euro und mehr.

Die Staatschefs werden in den 47 Suiten im sogenannten „Retreat“ untergebracht, einem Neubau neben dem Schloss, der kurz vor dem letzten Gipfel 2015 fertig wurde. Die Delegationen wiederum verweilen im „Hideaway“, dem ursprünglichen Schloss, das Müller-Elmau nach einem von einer Heizdecke ausgelösten Großbrand 2005 mit 115 Zimmern wiederaufgebaut und zu einem der führenden Fünf-Sterne-Superior-Häuser Europas geformt hat. Die Gäste erwachen mit Blick aufs Wettersteingebirge. „Ein schöner Platz ist eine gute Voraussetzung für gute Gespräche. Das ist unsere Aufgabe“, sagt der Gastgeber. Sein Credo: Wer sich wohlfühlt, findet hoffentlich leichter Lösungen für die Krisen dieser Welt.

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Am Sonntag hat Dietmar Müller-Elmau die Schlüssel an die Bundesregierung übergeben. Sie hat nun bis zum 30. Juni das Hausrecht. Für Müller-Elmau und seine rund 330 Mitarbeiter (nur wer geimpft ist, darf am Gipfel-Wochenende auch arbeiten) heißt es dann vor allem: Wünsche erfüllen. Zum Ablauf des Gipfels selbst darf der Hausherr nichts verraten. Wer in welcher Suite schläft, ist Geheimsache.

G7-Gipfel 2022: Bundesregierung hat Hausrecht über Schloss Elmau

Nur so viel: Die Dolmetscher sind in einem der Spa-Bereiche untergebracht. Simultanübersetzung mit Blick auf den Pool. Aber für Freizeit ist während des Gipfels ohnehin so gut wie keine Luft. Müller-Elmau lässt den Blick über seine Terrasse schweifen: „Wo jetzt Kaffee getrunken wird, wird dann permanent in kleinen Gruppen diskutiert und beraten.“ Weltpolitik mit hausgemachter Ingwer-Limonade oder japanischem Edel-Tee.

Dietmar Mueller-Elmau
Dietmar Mueller-Elmau, Hotel-Chef von Schloss Elmau. © Peter Kneffel/dpa

Damit niemand dazwischenfunkt, wird das ohnehin abgelegene Elmauer Tal gerade Stück für Stück hermetisch abgeriegelt. Während Müller-Elmau auf der Terrasse sitzt, fahren auf der Mautstraße – dem einzigen Weg, der von Klais aus ins Elmauer Tal führt – die Lastwagen des THW auf und ab.

Zum G7-Gipfel 2022: Das ohnehin abgelegene Elmauer Tal Stück für Stück hermetisch abgeriegelt

Zehntausende Gullydeckel wurden von der Polizei versiegelt, um Sabotage zu verhindern. Um den Tagungsort wird eine Sicherheitszone von vier Quadratkilometern gezogen, teilweise abgeschirmt mit Maschendrahtzaun oder Lawinenschutzverbauungen. Der Wanderparkplatz hinter dem Schlosshotel wurde asphaltiert und dient am Gipfelwochenende als Helikopter-Landeplatz – für alle, die wichtig genug sind, um nicht mit dem Auto anreisen zu müssen.

Natürlich gibt es auch diesmal wieder Kritik aus der Region – wenn auch lange nicht so laut wie vor sieben Jahren, als so mancher befürchtete, dass die G7-Gegner randalierend durch Garmisch-Partenkirchen ziehen könnten. Größere Krawalle blieben jedoch aus. Doch auch heuer schimpft der ein oder andere aus der Region. Über die Einschränkungen für den lokalen Handel zum Beispiel. Oder den teuren Aufwand im Allgemeinen, der für das dreitätige Treffen betrieben wird. Allein mit 166 Millionen Euro sind die Kosten für den Einsatz der Polizei- und Sicherheitskräfte angesetzt.

Die bedeutenden Industrienationen des Westens – wer sind die G7-Staaten?

Offiziell nennen sie sich die Gruppe der Sieben – in Kurzform G7. Der Zusammenschluss entstand im Rahmen eines Weltwirtschaftsgipfels 1975 in Frankreich und war ursprünglich als Forum geplant, um im kleinen Kreis über Finanz- und Währungsfragen zu diskutieren. Zu Beginn waren sechs westliche Industrienationen Teil des informellen Zusammenschlusses: Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, das Vereinigte Königreich und die USA. Ein Jahr später wurde Kanada mit aufgenommen. Bei der Gründung der Gruppe handelte es sich um die damals führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Im Jahr 1998 vergrößerte dann Russland den Kreis, der von da an als G8 firmierte. Doch nach der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 schlossen die anderen Mitglieder Russland wieder aus und kehrten zum ursprünglichen G7-Format zurück. Die Europäische Union hat einen Beobachterstatus in der Gruppe.

Dietmar Müller-Elmau ist überzeugt davon, dass nicht nur sein Hotel vom Gipfel-Effekt profitiert. „Wenn die Staatschefs gleich zweimal zu uns kommen, macht das den Werbeeffekt für die Region nur noch größer.“ Der Gastgeber ist sich sicher, dass der Landkreis Garmisch-Partenkirchen wieder so ein gutes Bild abgeben wird, dass nicht nur die ausländischen Gipfelgäste, sondern auch der ein oder andere Polizist später vielleicht zum Urlaub wiederkommt. Zudem sei schon beim letzten Gipfel viel Geld für Infrastruktur in den Landkreis geflossen – von der Bahnhofssanierung bis zum neuen Feuerwehr-Fuhrpark.

G7-Gipfel in Elmau: Schlossherr überzeugt davon, dass nicht nur sein Hotel vom Gipfel-Effekt profitiert

Vom vergangenen Gipfel ist auf Schloss Elmau unterdessen nicht mehr viel zu sehen. Aber die Bank ist natürlich noch da. Die Fotos des auf der Holzbank hinter dem Schloss lümmelnden US-Präsidenten Barack Obama und der gestikulierenden Kanzlerin Angela Merkel vor ihm gingen um die Welt – für Müller-Elmau der schönste Moment des G7-Gipfels.

„Das Bild symbolisiert die deutsch-amerikanische Verbundenheit.“ Dass so etwas nun mit Elmau assoziiert werde, sei das Allergrößte. Die Bank wurde so berühmt, dass der Schlossherr eine kleinere Kopie davon anfertigen ließ und sie vor dem Schlosshotel aufstellte, damit die Gäste auf der Terrasse Ruhe vor den neugierigen Besuchern haben.

Mit der Ruhe ist es jetzt aber erst mal wieder vorbei. „Die Anspannung steigt langsam“, sagt Müller-Elmau. Seinen Tee hat er mittlerweile ausgetrunken. „Die Erwartungen sind gigantisch.“ Und damit meint er nicht nur die Erwartungen an ihn als Gastgeber. Sondern auch an die Staatschefs, Wege aus der Krise zu finden. „Das wird wieder ein historischer Moment. Wenn die Zeitenwende in Deutschland stattfindet.“ Ausgerechnet im Elmauer Tal.

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