1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

Polizei-Chef macht nach Anschlag in München klar: Es gibt „keine Garantie“ für friedlichen Gipfel

Erstellt:

Von: Christian Fellner

Kommentare

Manfred Hauser leitet den polizeilichen Einsatz beim G7-Gipfel im Landkreis.
Im Fokus: Manfred Hauser leitet den polizeilichen Einsatz beim G7-Gipfel im Landkreis. © FOTOPRESS THOMAS SEHR

Kurz vor dem G7-Gipfel stört der Brandanschlag auf acht Polizei-Busse in München den Frieden. Im Kreis Garmisch-Partenkirchen muss man sich indes auf mehr Fluglärm und Kontrollen einstellen.

Garmisch-Partenkirchen – Sie alle propagieren einen friedlichen G7-Gipfel 2022 in Elmau. Am liebsten genau so, wie er 2015 gelaufen ist. Mit ein paar Scharmützeln am Rande von Demonstrationen. Sonst keinerlei Ausschreitungen. Gebetsmühlenartig haben die Verantwortlichen der Einsatzkräfte, aber auch Landrat Anton Speer (FW) diese Hoffnung zuletzt wiederholt. Dass es 2022 tatsächlich so kommen wird, „dafür gibt es aber keine Garantie“ – auch dieser Satz gehört zum Repertoire von Manfred Hauser, dem Leiter des polizeilichen Einsatzes.

Gestern Mittag wies er wieder daraufhin. Bei der Auftaktpressekonferenz der Landespolizei im Verwaltungsgebäude der Zugspitzbahn. Der Hintergrund ist ein ernster: Denn mitten in die allgemeine Euphorie mischte sich in der Nacht zuvor der Anschlag auf Mannschaftsbusse der Bundesbereitschaftspolizei in München, die vor einem Hotel über Nacht abgestellt worden waren. Ein Dämpfer – in jedem Fall. Weil die Aktion aufzeigte, dass die Polizei verwundbar ist.

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Trotz aller Vorkehrungen muss man mit Gewaltaktionen rechnen

„Wir verurteilen derlei Taten aufs Schärfste“, betont Hauser. Glücklicherweise seien keine Kollegen zu schaden gekommen. Doch zeige der Vorfall dem Präsidenten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auch, „dass wir trotz aller umfangreichen Vorkehrungen immer mit gewalttätigen Aktionen rechnen müssen“. Dass der Anschlag als Protest gegen den G7-Gipfel zu verstehen und politisch motiviert ist, daran besteht für Hauser kein Zweifel. „Wir wissen, dass in jedem Fall Extremisten zum Gipfel kommen werden.“ Daher seien die Einsatzkräfte von derlei Aktionen „nicht überrascht. Wir sind darauf vorbereitet“.

Landrat Anton Speer aus Garmisch-Partenkirchen vor dem G7-Gipfel
Zuversichtlich und kämpferisch: Landrat Anton Speer erwartet noch zahlreiche kurzfristige Versammlungen. © FOTOPRESS THOMAS SEHR

Verhindern konnte in diesem Fall die Bundespolizei die Zerstörung von acht Mannschaftsbussen, die zu einem Schaden von mehreren Hunderttausend Euro führte, nicht. Hauser betont: „Wir können nicht 100-prozentig ausschließen, dass so etwas passiert, weil wir nicht in der Lage sind, jedes Fahrzeug, das wir im Einsatz haben, durch einen Beamten bewachen zu lassen.“ Ob solche Gewaltaktionen auch rund um Garmisch-Partenkirchen zu erwarten sind, kann der Polizeichef nicht endgültig beantworten.

Nach G7-Anschlag in München: „Natürlich ist die Hoffnung, dass sich so etwas nicht wiederholt“

„Natürlich ist die Hoffnung da, dass sich so etwas nicht wiederholt“, betont Hauser. Doch er ist ehrlich: „Solche Dinge gehen mit Ereignissen wie einem G7-Gipfel einher. Das sind Menschen, die mit Straftaten auf sich aufmerksam machen wollen.“ Wenngleich im städtischen Raum wie München ganz andere Szenen beispielsweise von Linksextremisten zu erwarten seien. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es dort passiert, ist sicherlich höher“, betont Hauser.

Eine Sache ist für ihn klar: Der Vorfall demonstriert, dass es Not tut, ein enormes Polizeiaufgebot für die Absicherung eines Treffens der Regierungschefs auf die Beine zu stellen. „Wir brauchen diese Präsenz. Das hat schon einen Grund.“ Auch wenn die Polizei bei den Menschen damit oftmals auf Unverständnis stößt. „Wir bekommen natürlich dazu Anrufe am Bürgertelefon.“ Doch die oberste Prämisse der Polizei sei schlicht die Gewährleistung von Sicherheit – für die Gipfelteilnehmer, aber im Besonderen auch für die Menschen, die in der Region des Austragungsortes leben.

Maßnahmen der G7-Einsatzkräfte werden intensiviert - mehr Fluglärm und Kontrollen

Die Einheimischen werden sich in diesen Tagen langsam auf eine weitere Intensivierung der Maßnahmen der Einsatzkräfte gefasst machen müssen. Denn mit reiner Präsenz ist die Arbeit nicht getan. Hauser spricht etwa von Fluglärm, aber auch von verstärkten Kontrollen. Je näher das tatsächliche Treffen rückt, somit auch die Anreise der Regierungschefs, die ab Samstagmittag ansteht, desto höher wird der Sicherheitsstandard. „Wir müssen die Konzepte ja auch erproben“, stellt der Einsatzleiter klar.

(Unser GAP-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Darum wird es lauter werden über dem Loisach- und Isartal. Zahlreiche Hubschrauber starten Testflüge, die Fachkräfte machen sich mit der Örtlichkeit vertraut. „Man erwartet von uns als Gastgeberland den höchstmöglichen Standard“, betont Hauser. Vor allem in Zeiten, „in denen wir uns in Europa im Krieg befinden. Da muss man Verständnis für die Sensibilität in unseren Partnerländern aufbringen“. Hauser hat für die Bürger in der Region im Grunde nur eine frohe Kunde: „Wir müssen ganz klar kommunizieren: Das geht auch wieder vorbei!“

Ab sofort gilt im Straßenverkehr von Garmisch-Partenkirchen: Ausweis mitnehmen

Auf den Straßen wird es dieser Tage womöglich ruhiger. Denn an dem heutigen Donnerstag werden die Kontrollmaßnahmen verstärkt, auch wird der überregionale Verkehr abgeleitet. Doch: „Trotz aller Bemühungen werden sich temporäre Behinderungen für Anwohner wohl nicht vermeiden lassen.“

Speziell in den Tagen des Gipfels, an denen die Protokollstrecke (Bundesstraße 2) bei schlechtem Flugwetter ganz besonders in den Fokus für den Transport der Staatsgäste rücken könnte, aber auch bereits davor. Hauser rät allen Einheimischen, ab dem heutigen Donnerstag nicht mehr ohne Ausweis in ein Auto zu steigen. „Das beschleunigt Kontrollen ungemein.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen finden Sie auf Merkur.de/Garmisch-Partenkirchen.

Auch interessant

Kommentare