Corona Klinik Garmisch-Partenkirchen
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Mindestens 32 Corona-Fälle unter Mitarbeitern und Patienten – Alle planbaren Operationen im Klinikum Garmisch-Partenkirchen abgesagt.

Krankenhaus im Krisenmodus

Notbetrieb: Wie es zu den Infektionen im Klinikum Garmisch-Partenkirchen kam, ist unbekannt

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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  • Andreas Seiler
    Andreas Seiler
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14 Mitarbeiter und 38 Patienten, davon 23 auf Normalstationen, sind im Klinikum aktuell mit dem Corona-Virus infiziert - das sind sie aktuellen Zahlen nach dem Ausbruchsgeschehen der vergangenen Woche. Alle planbaren Operationen müssen abgesagt werden. Das Krankenhaus befindet sich im Krisenmodus.

Update, 15. Januar, 19 Uhr: Für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Viel zu früh. Der massive Ausbruch an Covid-19-Infektionen auf zwei Stationen im Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist noch nicht abgeebbt, er hat sich aber verlangsamt. Der hausinterne Krisenstab, der am Freitagnachmittag zusammenkam, meldet Zahlen, die im einstelligen Bereich liegen. „Es haben sich drei Patienten und drei Mitarbeiter neu mit dem Coronavirus angesteckt“, teilt Klinikum-Geschäftsführer Frank Niederbühl mit. Damit liegen auf den Isolierstationen 2C/2D 15 Patienten, 23 im zweiten und fünften Stock. Infiziert sind 14 Mitarbeiter.

Worauf der Ausbruch zurückzuführen ist, darüber herrscht Unklarheit. Man stochert im Nebel. „Die Ursache zu nennen, ist nicht möglich. Es gibt nicht den einen Grund“, erklärt Niederbühl auf Tagblatt-Anfrage, zumal zwischen den Bereichen im zweiten und fünften Stock keine Berührungspunkte bestehen.

Um die Ausbreitung zu verhindern, greift das Klinikum zu großem Besteck. „Wir tun alles dafür, um den Ausbruch einzudämmen“, sagt Niederbühl. Masken und Schutzkittel sind in den Isolierbereichen Pflicht, zudem wird großflächig getestet. „Nach dem ersten gibt es einen zweiten Kontrollabstrich“, erklärt der Geschäftsführer.

Im Klinikum hat man gestern damit begonnen, den Mitarbeitern eines der derzeit verfügbaren Anti-Corona-Vakzins zu spritzen. Diese Immunisierungsmaßnahmen laufen neben den Impfungen im Impfzentrum auf dem Parkplatz vor dem Alpsitzwellenbad. Gestern haben nach Auskunft von Niederbühl 50 Beschäftigte die erste Dosis erhalten, summasummarum sind es bereits 240. Für den Dienstag kommender Woche sind weitere 80 Impfungen am Klinikum geplant. „Die hohe Impfbereitschaft der Mitarbeiter ist sehr erfreulich“, lobt Niederbühl.  

Erstmeldung am 14. Januar:
Es ist ein Szenario, das sich keine medizinische Einrichtung wünscht: Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist es zu einer Häufung von Covid-19-Infektionen gekommen. Dies berichtet das Krankenhaus des Landkreises in einer Pressemitteilung. Die Folge: Das 415-Betten-Haus im Kreisort befindet sich ab sofort im Krisenmodus – und beschränkt sich auf das Wesentliche. Das oberste Ziel der umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen, die ein hausinterner Krisenstab in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt festgelegt hat: Es sollen Risiken reduziert und damit eine Ausbreitung des Virus verhindert werden.

Das heißt konkret: Es werden ab sofort nur noch Notfälle behandelt und medizinisch unbedingt notwendige Behandlungen erledigt, beispielsweise von Schmerz- oder Tumorpatienten. Alle planbaren Operationen werden hingegen bis auf Weiteres verschoben. Ersatztermine gibt es noch keine. Es sei auch noch nicht klar, heißt es, wann der reguläre OP-Betrieb wieder startet. Ambulante Operationen, Sprechstunden und Familienzimmer-Angebote sind ebenfalls vorerst gestrichen.

Geschäftsführer Frank Niederbühl nennt das Ganze einen „alarmierenden Zustand“. Dennoch sei man auf diese Situation vorbereitet. Dies gehöre zum Verlauf einer Pandemie. Am Dienstagabend hatten seinen Angaben zufolge Routine-Tests ergeben, dass Patienten und Mitarbeiter positiv sind, die außerhalb der Corona-Isolierstationen behandelt werden beziehungsweise arbeiten. Dies betrifft Abteilungen im zweiten und fünften Stock. Wie dies passieren konnte, ist bislang unklar. Das Tückische dabei: Die Tests sind nicht hundertprozentig zuverlässig. Selbst wer negativ ist, könnte trotzdem den gefährlichen Erreger einer Lungenkrankheit in sich tragen – und eingeschleppt haben. Die Zahl der Positiv-Fälle stieg jedenfalls innerhalb kürzester Zeit an: Donnerstagabend (14. Januar 2020) war die Rede von 21 Patienten und 11 Mitarbeitern. Niederbühl möchte aber noch nicht von einem Ausbruch sprechen.

Nun gehe es darum, schnell und gezielt zu reagieren, betont der Klinikchef. „Wir wollen das Infektionsgeschehen vollständig aufklären.“ Dies ist eine aufwändige Detektivarbeit. Denn es müssen Kontakte zurückverfolgt und vor allem sehr viele Menschen – alle Mitarbeiter und Patienten – systematisch getestet werden. Zum Einsatz kommen dabei verschiedene Verfahren. Die Aktion wird wohl mehrere Tage dauern. Das Tempo ist enorm: Allein am Donnerstag wurden rund 380 PCR-Tests und 500 Schnelltests vorgenommen. Unterstützung erhält das Klinikum dabei von Kräften des Gesundheitsamtes. Außerdem arbeitet man mit externen Laboren zusammen, um das eigene zu entlasten.

Derzeit werden laut Niederbühl im Klinikum insgesamt 39 Corona-Fälle (Stand 14. Januar) behandelt. Da die beiden Isolierstationen bereits belegt sind, wurden weitere Bereiche für diesen Zweck geschaffen. Der Umstieg auf den Notbetrieb soll hierfür die notwendigen Kapazitäten bereitstellen – sowohl räumlich als auch personell.

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