Garmisch-Partenkirchens Landrats Anton Speer (r.) hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das Foto ist Ende September bei einem Termin mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger entstanden.
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Garmisch-Partenkirchens Landrats Anton Speer (r.) hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das Foto ist Ende September bei einem Termin mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger entstanden.

Am Freitag positiv getestet

Garmisch-Partenkirchens Landrat mit Coronavirus infiziert: Auch sein Vize ist in Quarantäne

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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  • Ludwig Hutter
    Ludwig Hutter
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Eine Nachricht, die für Ernüchterung sorgen dürfte: Garmisch-Partenkirchens Landrat Anton Speer hat sich mit dem Coronavirus angesteckt.

  • Anton Speer, Landrat von Garmisch-Partenkirchen, hat sich mit dem Coronavirus infiziert.
  • Seit Erhalt des Testergebnisses arbeitet er nun im Homeoffice.
  • Es gehe ihm „ganz gut“, die typischen Symptome haben sich nicht eingestellt.

Landkreis – Vor großen Herausforderungen schreckt Anton Speer nicht zurück: Das hat der Garmisch-Partenkirchner Landrat bei Themen wie dem G7-Gipfel in Elmau oder der Asyl-Problematik bewiesen. Jetzt aber haben das Landratsamt und er eine Aufgabe von ganz anderer Dimension vor der Brust: Corona! Täglich gilt es, die Entwicklungen auf dem Schirm zu haben. Seit vergangenen Freitag hat sich die Lage dramatisch verändert: Speer hat sich nun selbst mit dem Virus angesteckt. Gegenüber dem Tagblatt bestätigte der Landrat am Sonntag: „Ja, das stimmt. Wo es passiert ist, kann ich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Vermutlich war es bei einer Besprechung in der vergangenen Woche.“

Die Nachricht über ein positives Testergebnis kam am späten Freitagnachmittag. Das Gesundheitsamt meldete sich beim 62-Jährigen,der sich daraufhin umgehend in häusliche Isolation begab und alle Termine abgesagt hat, die seine persönliche Anwesenheit erfordern.

Landrat von Garmisch-Partenkirchen mit Coronavirus infiziert: bisher keine Symptome

Positiv: Nach eigener Aussage treten bei Speer bislang keine typischen Symptome einer Covid-19-Erkrankung wie Husten oder Fieber auf. „Mir geht es ganz gut. Ich hoffe, dass es so bleibt. Nur ein bisschen schlapp fühle ich mich.“ Der Unterammergauer hat sich in seiner Funktion als Landrat regelmäßig auf das Virus testen lassen. Bisher stets mit einem negativen Ergebnis. Schließlich stehen an einem normalen Tag im Schnitt zwischen fünf und zehn Termine in seinem Kalender und bei Besprechungen, Sitzungen oder Geburtstagen kommt er mit vielen Menschen in Kontakt: „Ich hab’ schon immer auf genügend Abstand geachtet und Mundschutz getragen, aber ganz ausschließen kann man die Gefahr, sich anzustecken, eben nicht.“

Wie bei jedem anderen Positiv-Getesteten ist auch der Landrat vom Gesundheitsamt aufgefordert worden, eine Liste mit Kontaktpersonen zu erstellen. Bei ihm kein leichtes Unterfangen: „Ich bin alle Termine durchgegangen, da kommt einiges zusammen.“ Die Kontaktermittler haben inzwischen diesen Kreis von der Ansteckung Speers informiert. Darunter ist auch der Stellvertretende Landrat Dr. Michael Rapp, der sich mittlerweile ebenfalls in Quarantäne befindet. In diesem Zusammenhang versichert der Unterammergauer, dass bei ihm im Amt – bereits vor seiner Ansteckung – aktuell für alle Mitarbeiter das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen und die Beachtung von Abstandshaltung vorgeschrieben sind, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren und die Arbeitsfähigkeit gewährleisten zu können.

Garmisch-Partenkirchen: Landrat Speer leitet Geschäfte von daheim aus

Speer führt seine Amtsgeschäfte nun so gut es geht von daheim aus weiter. „Solange er gesundheitlich dazu in der Lage ist, ist das kein Problem“, betont Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamtes. Das bedeutet auch, dass Tessy Lödermann als Dritte Landrätin nun nicht sofort Gewehr bei Fuß stehen muss, um ins Geschäft einzugreifen. „Das würde derzeit eh keinen Sinn machen, da unser Stockwerk im Landratsamt ziemlich leer sein dürfte“, merkt Scharf an. Denn aus dem beruflichen Umfeld von Speer sind einige Mitarbeiter der Behörde betroffen: Vorzimmer und Amtsleiter beispielsweise. „Einige Bereiche werden nun einfach ins Homeoffice verlagert, dazu sind wir technisch zum Glück in der Lage“, betont Scharf. Auch er selbst wird das Büro an der Olympiastraße erst einmal diese Woche meiden, von daheim arbeiten.

Wichtig ist für alle Verantwortlichen: Im eh schon knapp besetzten Gesundheitsamt kommt es derzeit zu keinen weiteren Einschränkungen. „Da gab es keine Kontakte, zumindest nicht ohne Masken“, versichert Scharf.

Wegen Maskenpflicht an Schulen: Landrat von Garmisch-Partenkirchen wird von Eltern angegriffen

Vom Homeoffice in Unterammergau aus wird nun auch Speer das Geschehen in seinem Landkreis verfolgen. Für den politischen Kopf der Region gelten die Regeln, die jeder Landkreis-Bürger einhalten muss. Die Quarantäne-Verordnung gilt erst einmal bis zum 7. November.

Besonders beschäftigen Speer derzeit nach eigener Aussage „die massiven Anrufe und Mails“ von Eltern, die sich über die Maskenpflicht an Grundschulen erregen: „Ich verstehe die Verärgerung, aber wir setzen ja auch nur die Vorgaben von Bund und Land um.“ Als „etwas grenzwertig“ empfindet er jedoch die zum Teil die aggressive, teils gehässige Art und Weise, „wie ich die Beschwerden von Eltern erhalte. Wenn dir gedroht wird, ist die rote Linie überschritten. Ein gewisses Maß an normalen Umgangsformen sollte man schon noch einhalten.“ Trotz Corona-Zeiten, die auch für den Landrat nicht gerade einfach sind. Speziell seit vergangenem Freitag.

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen war bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil eine US-Amerikanerin, die in Garmisch-Partenkirchen lebt, trotz Coronavirus-Infektion im Nachtleben unterwegs gewesen sein soll. Nach Wochen stellte sich der Vorfall anders dar, als zunächst vermutet.

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