Der Ort des Geschehens: Im ersten Stock des Hauses am Bahnhofsplatz befinden sich die beiden Lokalitäten.
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Der Ort des Geschehens: Im ersten Stock des Hauses am Bahnhofsplatz befinden sich die beiden Lokalitäten.

Betreiber ohne Hygienekonzepte

Corona-Razzia in zwei Clubs: Ein Dutzend Polizisten vor Ort - Für Betreiber drohen Konsequenzen

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Mit einem Dutzend Beamten haben Polizei und Gesundheitsamt in Garmisch-Partenkirchen zwei Nachtlokale kontrolliert. Beide Läden hatten keine Corona-Hygienekonzept.

  • Die Polizei von Garmisch-Partenkirchen rückte für eine Razzia mit zahlreichen Beamten aus.
  • Ziel der Kontrolle waren zwei Nachtlokale am Bahnhof.
  • Beide Betreiber konnten kein Hygienekonzept vorlegen - jetzt drohen Konsequenzen.

Garmisch-Partenkirchen – Das Szenario hat etwas von einem Actionfilm: Samstagnacht, es ist 1.45 Uhr. Mehrere Polizeistreifen halten vor dem Gebäude, rund einem Dutzend Beamte strömen aus, ein Mitarbeiter des Gesundheitsamts mittendrin – so geht es rein in das Gelbe Haus am Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen, rauf in den ersten Stock: Kontrolle! Der Volksmund würde wohl eher Razzia dazu sagen. Auf den „Club Evergreen 76“ haben es die Fahnder abgesehen. Im Vorfeld hatte es anonyme Hinweise gegeben, dort schere sich keiner um Corona-Regeln. Die Tabledance-Bar „Amaris Oriental Club“ direkt nebenan gerät gleich mit ins Visier. Das Ergebnis: In beiden Lokalitäten liegt kein Hygienekonzept vor, beide werden noch in derselben Nacht geschlossen.

Razzia in Garmisch-Partenkirchen: Zustände in den Lokalen ließen nur eine sofortige Schließung zu

Stephan Scharf, Pressesprecher im Landratsamt, bestätigt diesen Verlauf. Das Gesundheitsamt hatte in den Wochen zuvor mehrmals Beschwerden erhalten, in denen unter anderem von „Corona-Partys“ im Evergreen am Bahnhof die Rede war. Nach Rücksprache mit der Polizei war klar: Das müssen sich die Behörden vor Ort anschauen. Im Fachchinesisch spricht man von einer „anlassbedingten Kontrolle“, klärt Scharf auf.

Die Zustände, die die Ermittler beim Betreten der Lokalitäten vorfanden, machten es notwendig, sofort einzuschreiten. „Im Evergreen waren rund 25 bis 30 Personen, das Lokal wurde innerhalb einer Viertelstunde geräumt.“ Die Behördenvertreter hatten keine andere Wahl. Die Verantwortlichen konnten weder ein Hygienekonzept vorlegen, noch hatten sie entsprechende Vorkehrungen getroffen, um die Vorgaben der Sechsten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zu erfüllen. „Der Betreiber dachte, ein Desinfektionsspender am Eingang reiche aus.“ Daher die Schließung. „Die Situation war durchaus schwierig in Hinblick auf eine drohende Ausbreitung des Corona-Virus“, betont Scharf.

Razzia in Garmisch-Partenkirchen: Mehrere Verstöße gegen die Corona-Regeln festgestellt

Markus Stückl, Sprecher der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen, konkretisiert sogar: „Es gab in beiden Lokalitäten je zwei Verstöße wegen fehlender Masken beim Personal.“ Er betont aber auch, dass sich die Gäste in den Räumlichkeiten nicht gesetzeswidrig verhalten hätten. Ein Lichtblick. „Natürlich gab es ein paar Gruppen, die beisammensaßen, aber das waren sieben oder acht Personen, und es dürfen sich ja bis zu zehn Personen an einem Tisch aufhalten.“ Ärger droht somit in erster Linie den Betreibern der Nachtlokale.

Abdurahim Tekdas, Geschäftsführer des Club Evergreen 76, bestreitet gar nicht, dass er den Beamten kein Konzept vorlegen konnte. „Ich habe es schlichtweg nicht gewusst, wir haben immer auf neue Informationen gewartet“, betont er. „Nachdem wir vor einigen Wochen wieder öffnen durften, waren die Herren vom Gesundheitsamt da, haben alles geprüft und freigegeben. Da dachten wir, dass so alles passt.“ Ein Irrtum, wie Tekdas nun auch klar ist. Er betont, dass er selbst der Letzte sei, der mit Corona zu tun haben wolle. „Ich betreibe in München noch einen VIP-Shuttle und Taxis, ich bin selbst froh, wenn alles wieder normal ist. Ich habe auch alle Fahrzeuge umrüsten lassen. Wir hatten bei uns nie Corona-Partys oder Ähnliches.“

Nach der Razzia in Garmisch-Partenkirchen rüstet der Betreiber seinen Club um

Deshalb reagierte der Geschäftsführer auch umgehend auf die Anordnung, dass er schnellstmöglich eine Hygienerichtlinie zu erstellen und auch zu verwirklichen habe. „Das ist wichtig. Das Konzept muss nicht nur vorliegen, sondern auch vor Ort erkennbar umgesetzt sein“, merkt Scharf an. Tekdas tat alles, um seinen Club umzugestalten. „Ich habe die Bar komplett mit Plexiglas verbaut, ich habe Tische gesperrt, an der Bar durfte sowieso schon keiner sitzen.“ Seine Regularien legte er dem Amt vor – und bekam grünes Licht. Bereits am nächsten Abend konnte er sein Lokal wieder öffnen.

Die Musik-Cocktailbar „Evergreen 76“ am Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen war Ziel einer Polizei-Razzia.

Da wollten ihm auch die Behörden nicht im Weg stehen. „Wir haben ihm die Chance gegeben, dass er ein Konzept vorlegt, er hat nachgebessert, jetzt muss er sich nur dran halten“, kommentiert Scharf. Eben das werden die Ermittler in den kommenden Wochen sicher im Auge behalten. Daraus macht Scharf keinen Hehl: „Es wird Überprüfungen geben.“ Das gilt für die gesamte Szene der Nacht-Lokalitäten. Die Vertreter des Gesundheitsamtes sehen im Vorgehen in Sachen Evergreen und Oriental Club auch einen gewissen Präventiv-Charakter. „Es geht nicht darum, einzelne Betreiber bloßzustellen, sondern darum, dass wir keinen Hotspot bekommen“, sagt Scharf.

Nach Razzia in Garmisch-Partenkirchen: Behörden prüfen, ob Tabledance-Bar überhaupt geöffnet sein darf

Während das Evergreen seit einer Woche wieder offen ist, steht es um die Tabledance-Bar schlechter. „Es muss jetzt erst einmal geprüft werden, ob sie überhaupt geöffnet sein darf“, betont der Behördensprecher – und hegt arge Zweifel. Der Betreiber habe eine Konzession für ein Speiselokal vorweisen können. „Ob das in diesem Fall aber rechtmäßig ist, muss nun geklärt werden.“ Solange bleibt der Betrieb geschlossen. Im Fall des Nachbarn im Gelben Haus gibt es dazu keine Bedenken: Tekdas hat bereits seit der Eröffnung im Mai 2018 die Zulassung als Speiselokal. Und die wird von den Behörden nicht angezweifelt. Um eine Strafe wird aber wohl auch er nicht herum kommen – wegen des fehlenden Hygienekonzeptes. „Ich weiß es nicht“, sagt Tekdas. Scharf hält sich bedeckt. „Das läuft noch.“

Seit zehn Jahren läuft das Restaurant von Andreas Hillejan in Mittenwald hervorragend - der Sternekoch zieht Bilanz. Corona hat auch Auswirkungen auf ausbildende Betriebe. Das stellte die IHK zum Ausbildungsstart Anfang September fest. Bei einer Razzia in Saulgrub konnten die Beamten der Polizeiinspektion Murnau den größten Drogenfund dieses Jahres sicherstellen. 33 neue Corona-Fälle: Das ist eindeutig zu viel. Deshalb schränkt das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen das Nachtleben im Ort deutlich ein. Gastronomen müssen um 22 Uhr schließen. Es gibt weitere Maßnahmen.

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