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Die Taxifahrer in Garmisch-Partenkirchen hoffen, dass keiner der Kollegen die Tat begangen hat.

Ermittlungen sind schwierig

Nach Vergewaltigung einer jungen Frau: Taxifahrer im Ort stehen unter Generalverdacht

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Es ist ein herber Schlag für die ganze Branche: Ein Taxifahrer soll eine junge Frau in Burgrain vergewaltigt haben. Der Täter wurde noch nicht gefasst. Eine schwierige Situation für die Anbieter in Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen – Hass-E-Mails landen in ihren Postfächern. Samt heftiger Vorwürfe. Zum Beispiel, dass die Taxifahrer etwas vertuschen würden, jemanden decken. Und zwar den Täter. Den bislang unbekannten Mann, der in der Nacht auf vergangenen Dienstag eine Frau (24) im Garmisch-Partenkirchner Ortsteil Burgrain vergewaltigt haben soll. In seinem Großraum-Taxi. Seitdem stehen Andreas Aichinger und seine Kollegen unter Generalverdacht. „Das ist grausam“, sagt der Vorsitzende der Taxi-Vereinigung.

Taxifahrer soll Frau vergewaltigt haben - Täter noch nicht gefasst

Die Einzeltat wirft einen Schatten auf die ganze Branche. Das Geschäft leidet. Während der Hochphase, der Partenkirchner Festwoche, seien es in der Nacht sicher nicht mehr Kunden geworden, meint der Kopf der Vereinigung, der selbst eines der Dienstleistungs-Unternehmen im Ort führt. Die Vergewaltigung ist das Thema Nummer eins. Ständig sprechen die Kunden die Fahrer an. „Jeder zweite“, sagt Aichinger, „fragt, ob man was wisse.“

Er selbst wurde von der Kriminalpolizei kontaktiert, die ihn über das Geschehene und die Täterbeschreibung informierte. Anhand dieser seien anfangs zwei Fahrer in Frage gekommen. Aber „es gab Widersprüche“. Die Schilderungen passten nicht mehr zu den Personen. Aichinger hofft, dass niemand aus dem Kollegenkreis vor Ort das Verbrechen begangen hat. Zumal diesem bewusst sein muss, dass man ihn fasst. „So blöd kann man nicht sein.“ Er glaubt aber – ohne jemanden vorzuverurteilen – zu wissen, dass drei externe Taxis in Garmisch-Partenkirchen unterwegs gewesen waren – zwei aus München, eines aus Imst.

Garmisch-Partenkirchen: Junge Frau vergewaltigt - Polizei vor schwieriger Aufgabe

In der Marktgemeinde selbst existieren Aichinger zufolge circa 10 bis 15 Einzelunternehmen. Ausreichend viele Fahrzeuge stünden zur Verfügung, um den Bedarf zu decken. Außer zu Stoßzeiten. „Da kriegt man gern mal kein Taxi, das braucht man nicht beschwichtigen.“ Konkrete Zahlen liefert Stephan Scharf, Sprecher im Landratsamt: Insgesamt sind im Landkreis 101 normale Taxis gemeldet. 71 entfallen allein auf Garmisch-Partenkirchen. Von der größeren Variante gibt’s 49 zwischen Staffelsee und Karwendel, 37 davon in der Marktgemeinde.

Die Polizei steht vor einer schwierigen Aufgabe, den Täter ausfindig zu machen. Das ist auch Aichinger bewusst, der das Problem nicht in einer fehlenden Zentrale sieht. „Die hilft bei so etwas auch nichts“, betont er. Zwar würde der Dienst der einzelnen Fahrer dort registriert werden, derjenige bräuchte sich aber nur gar nicht erst ins System ein- oder einfach ausloggen. In diesen Fällen bekommt der Fahrer einerseits keine Anrufe. Andererseits weiß auch niemand, ob dieser seiner Arbeit nachkommt oder sich schon in den Feierabend verabschiedet hat. Für Aichinger steht deshalb fest: „Wenn man will, kann man jedes System umgehen.“

Vergewaltigung in Garmisch-Partenkirchen: „Das Schlimmste, was es für uns geben kann“

Die Ermittlungen laufen laut Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd derzeit mit Hochdruck, bislang aber ins Leere. Hat ein Taxifahrer von auswärts die Frau am Marienplatz aufgenommen – was für einen Externen nicht erlaubt ist –, erweitert sich das Feld von potenziellen Tätern um ein Vielfaches. 

Den mutmaßlichen Vergewaltiger unter diesen Voraussetzungen zu finden, glaubt Aichinger, werde schwierig. Den Zeitpunkt, an dem der Täter feststeht, erwarten er und seine Kollegen trotzdem sehnsüchtig. Der Vorfall und die aktuelle Situation bringen sie in Verruf. „Das ist das Schlimmste“, sagt er, „was es für uns geben kann.“

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