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Verkehrschaos in Garmisch-Partenkirchen: Kommt jetzt ein Umdenken? Winter-Kampagne soll Probleme lindern

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Von: Manuela Schauer

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Stau zum Skigebiet: So sieht das fast tägliche Drama an der Alpspitzstraße aus.
Stau zum Skigebiet: So sieht das fast tägliche Drama an der Alpspitzstraße aus. © Sehr

Gebührenpflichtige Parkplätze, Schneebus, Hotel-Shuttles: All das sieht die geplante Wintersaison-Kampagne für Garmisch-Partenkirchen vor. Noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen.

Garmisch-Partenkirchen – Immer dieser Stau in der Wintersaison. Er zieht sich von der Autobahn über die Bundesstraße und die Ortsdurchfahrt bis zu den Parkplätzen. Immer dieser Frust, wenn die Stellflächen bei der Ankunft dann schon voll sind. Teilweise bereits um 8.15 Uhr. Zustände, die Klaus Schanda, Marketingleiter der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), nur zu gut kennt. Vom Verkehr am Eibseeberg ganz abgesehen. Die Situation –„nicht haltbar ohne eine Lösung“, sagt er klar. Sie schadet dem Image der Destination, weil der Tages- und Übernachtungsgast seinen Aufenthalt mit negativen Eindrücken verbindet. Und sich im schlimmsten Fall sagt: einmal Garmisch-Partenkirchen – und nie wieder.

Gelitten hat der Tourismus im Ort bislang nicht. Im Gegenteil. Immer wieder gab es neue Rekorde zu verkünden. „Unsere Entwicklung aber“, sagt Michael Gerber, „kann nicht grenzenlos nach oben wachsen.“ Neue Impulse braucht’s, um die Wertschöpfung zu steigern. „Sonst“, macht der Geschäftsführer der GaPa-Tourismus GmbH im Gemeinderat deutlich, „geht’s rückwärts.“

Verkehrschaos in Garmisch-Partenkirchen: Kommt jetzt ein Umdenken? Winter-Kampagne soll Probleme lindern

Alle jammern und klagen, reden vom Overtourism. Gäste, Politiker, Einheimische. Sie gieren nach einer Besucherlenkung und mehr ÖPNV-Angeboten. Bislang vergeblich. Gerber und sein Team, die BZB sowie das Organisationskomitee Ski-Weltcup um Peter Fischer wollen das Problem anpacken. Der Plan: Hand in Hand mit der Marktgemeinde und den touristischen Leistungsträgern soll das Konzept „Mobilität – GaPa neu entdeckt“ für den Winter starten. Noch in diesem Jahr. Wohl wissend, dass zum einen der politische Diskurs in Fragen der Verkehrslenkung intensiv ausfallen dürfte. Zum anderen, dass manche Entscheidungen bei den Bürgern Kritik hervorrufen könnten.

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Garmisch-Partenkirchen: Winter-Kampagne soll gegen Verkehrschaos helfen - Drei Monate als Test-Phase

Drei Monate lang soll die Testphase dauern. Von Dezember bis Februar. Um die heißen Phasen Weihnachten, Ski-Weltcup und Fasching abzudecken. „Danach“, sagt Tourismus-Chef Gerber, „schauen wir, was funktioniert hat und was nicht.“

Bewirtschaften des Parkraums:
Für alle Parkplätze im Bereich Olympia-Eissportzentrum, Hausberg, Kreuzeck und Eibsee werden Gebühren verlangt. „Je weiter weg, desto günstiger wird’s“, sagt Gerber. Laufen soll die Überwachung ohne Automaten, sondern mit Kontrolleuren.

Parkverbote:
Die Zufahrt zum Parkplatz der Hausbergbahn erfolgt über die St.-Martin- und Alpspitzstraße. In letztere sowie in allen einmündenden Seitenstraßen sollen die Abstellflächen ausschließlich mit einer Anwohnerberechtigung genutzt werden können. Ein wichtiger Schritt. Denn, so viel steht für Gerber fest: „Die Besucher werden versuchen, den gebührenpflichtigen Parkplätzen auszuweichen.“

Garmisch-Partenkirchen: Konzept gegen Verkehrschaos funktioniert nur mit Gebühren und Ordnungsgeldern

Gebühren:
Ohne angemessene Gebühren und Ordnungsgelder funktioniert das Konzept nicht. Davon sind die Initiatoren überzeugt. Sie schlagen vor, am Hausberg und Kreuzeck als Tagestarif 25 Euro zu verlangen. Der klassische Übernachtungs- und Tagesgast bekommt dafür eine Rückvergütung von 10 bis 15 Euro auf das Skiticket gewährt. Tourengeher zum Beispiel wählen eher den Parkplatz am Eisstadion. Um dort stehen zu können, müssten sie zehn Euro zahlen, können dafür aber mit dem Skishuttle zur Hausbergbahn fahren. Auch an die Saisonpass-Inhaber aus der Region ist gedacht. Ihnen steht ein begrenztes Kontingent an Stellplätzen zur Verfügung – zu einem Saisonpreis von 125 Euro. Weder GaPa-Tourismus noch die BZB wollen in die eigene Tasche wirtschaften. Mit dem Geld sollen zum Beispiel die Parkplatzeinweiser refinanziert werden. „Wir zocken nicht ab“, stellt Gerber klar. „Wir bieten einen Mehrwert, mit dem ÖPNV schnell ins Skigebiet zu kommen.“ Nur so gehe die Rechnung auf. Über die Höhe der Gebühren ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen.

Hotel-Shuttle & ÖPNV:
Eng miteinander kooperieren – so lautet die Devise der Zukunft. Vor allem mit den Gastgebern. Sie sollen „Packages“ anbieten. Wer von ihnen mitmacht, dem gewährt die BZB einen Preisnachlass auf die Kombitickets, das Organisationskomitee für den Ski-Weltcup bietet vergünstigte Eintrittskarten. Geknüpft ist das Ganze an eine Voraussetzung: Hotels und andere Vermieter müssen ihre Gäste mit einem Shuttle – samt privilegierter Zufahrt – zur Hausberg- und Kreuzeckbahn bringen. Gleichzeitig wollen die Initiatoren mit den Gemeindewerken prüfen, ob eine temporäre „Pop-up“-Spur, die vorübergehend eingerichtet wird, für den Schneebus möglich wäre. Diese könnte eventuell auch von den Hotel-Shuttles genutzt werden. Sinn und Zweck ist, den Verkehr zu entzerren, betont Gerber. „Auch mit Blick auf den Ski-Weltcup“, ergänzt Schanda. „Es kann nicht sein, dass die Tribünen nur zur Hälfte mit Publikum gefüllt sind, nur weil man nicht hinkommt.“

Verkehrschaos in Garmisch-Partenkirchen: Die Zeit für eine solche Kampagne sei reif

Die Zeit ist reif für die Kampagne – dieses Urteil teilen alle Initiatoren. Auch wegen der Corona-Pandemie, die die Branche umstrukturiert. Das belegen die Zahlen: Weniger Ankünfte, aber eine längere Aufenthaltsdauer sind zu verzeichnen. Derzeit liege der Schnitt „deutlich“ bei vier Tagen, sagt Gerber. „Wir haben momentan eine andere Art von Gästen.“ Eine, die womöglich nicht einfach wieder verschwindet. Denn, so wie Experten bundesweit die Lage einschätzen, steht auch für ihn fest: „Der Tourismus, wie wir ihn kennen, wird nicht eins zu eins zurückkehren.“ Die Erwartungen und Ansprüche der Besucher an ihren Urlaubsort und die Leistungsträger ändern sich. Das gilt auch für die Einheimischen. Sie wünschen einen Tourismus, der ihre Lebensqualität erhält. Deshalb sind sich die drei Partner Bergbahn, Tourismus und Weltcup-OK einig: Sie beabsichtigen, Covid-19 als Chance zu begreifen, indem die Gäste die Mobilität in der Kommune neu und besser entdecken und erleben sollen. Deshalb sei es wichtig, betont Gerber in der Sitzung, „dass der Gemeinderat in Sachen Verkehr ein Signal setzt“.

Wir sollten dem Ganzen eine Chance geben.

Bürgermeisterin Elisabeth Koch

Zumindest befürwortet das Gremium, dass GaPa-Tourismus, BZB und OK die Inhalte der Kampagne konkretisieren. Trotz so mancher Skepsis und vor allem unter der Bedingung, ein besonderes Augenmerk auf die Einheimischen zu setzen. Damit sie nicht benachteiligt werden. Spätestens im September sollen die Verantwortlichen das finale Konzept vorstellen.

Garmisch-Partenkirchen: Konzept gegen Verkehrschaos geplant - Gemeinderäte äußern Bedenken

Mit Bedenken sparen die Gemeinderäte nicht. Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Grüne), der den Ansatz prinzipiell für gut befindet, hegt Zweifel ob des Zeitdrucks. „Ich befürchte, dass der Test in die Hose geht.“ Letztlich die Aufregung größer sei als der Erfolg. Der Fraktions-Chef plädiert dafür, die Kampagne um ein Jahr zu verlegen. Sieht Gerber anders – angesichts der bereits vorhandenen positiven Dynamik, wenngleich er den Einwand nachvollziehen könne. „Wenn wir verschieben, fallen wir in ein Loch.“ Dann wieder neu anzuschieben, könne schwierig werden, sagt der Tourismus-Experte. Selbst Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) sieht noch Schwächen im Konzept. Vor allem juristische. Trotzdem sagt sie: „Wir sollten dem Ganzen eine Chance geben.“ Denn soviel ist für sie wie für Gerber klar: Auf die Einsicht der Menschen zu hoffen, reicht nicht.

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