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Von den 258 Wohnungen befinden sich 56 Einheiten an der Törlenstraße 12 bis 26 im Südwesten von Garmisch-Partenkirchen.

Großer Immobiliendeal in Garmisch-Partenkirchen

Nach Verkauf: Zukunft von 258 Wohnungen in Ort ungewiss - Mieter: „Haben alle Angst“

258 Wohnungen haben in Garmisch-Partenkirchen den Eigentümer gewechselt. Unter den Mietern löst der Wechsel Ängste aus - nicht nur, weil die Mieten steigen könnten.

  • Ein großer Immobilien-Deal in Garmisch-Partenkirchen verunsichert die Mieter.
  • 258 Wohnungen wechselten den Eigentümer.
  • Betroffene befürchten, dass die Mieten steigen - doch das ist noch nicht alles.

Garmisch-Partenkirchen – Andrea Fenzl behagt die Sache gar nicht. Sie hat ein „unsicheres Gefühl“. Der Grund: Die Dawonia hat im großen Stil Wohnungen in Garmisch-Partenkirchen verkauft. Genauer gesagt 258 Stück. Käufer ist die Accentro Bayern GmbH. Der Besitz ging also von einer Wohnungsgesellschaft an eine andere über. Fenzl, die zur Miete an der Burgfeldstraße im Ortsteil Burgrain lebt, ist besorgt. „Das kann in einer Katastrophe ausarten. Wir haben alle Angst.“ Und zwar davor, dass die Wohnungen weiterverkauft werden und die Mieter irgendwann auf der Straße stehen. Zudem befürchten manche, dass die Mieten steigen könnten.

Nach Verkauf von 258 Wohnung in Garmisch-Partenkirchen: Sozialcharta gilt

Die Accentro erklärt, dass sie sich beim Kauf zum Abschluss einer Sozialcharta im notariellen Kaufvertrag verpflichtet habe. „Hiernach besteht Kündigungsschutz bis zum 28. Mai 2023 für alle diejenigen Mietverhältnisse, die zum 27. Mai 2013 ungekündigten Bestand hatten“, lässt die Accentro über ihre Kommunikationsagentur PB3C verlauten. „Weiteren Kündigungsschutz genießen alle diejenigen Mieter, die am 27. Mai 2013 das 60. Lebensjahr vollendet hatten oder schwerbehindert waren, bis zum Tod dieser Mieter oder bis zum Tod seines Ehegatten oder Lebenspartners, sofern dieser das Mietverhältnis nach dem Tod des Mieters übernommen hat.“

258 Wohnungen in Garmisch-Partenkirchen verkauft: Kauf bricht nicht Miete

Der neue Eigentümer übernimmt die bestehenden Mietverträge, teilt Maren Holtermann mit, Abteilungsleiterin Mieterdialog/Kommunikation bei der Dawonia. Somit breche der Kauf nicht die Miete. Zudem seien die Mieter im Rahmen der Dawonia- ehemals GBW-Sozialcharta weiterhin besonders geschützt.

Video: Volksbegehren in Berlin will kommunale Wohnungsgesellschaften 

Das Thema beschäftigt längst die Ortspolitik. Der mittlerweile parteifreie ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende Robert Allmann, Peppi Braun, Alexandra Roos-Teitscheid und Dr. Stephan Thiel (alle Grün-Unabhängige Fraktion) haben eine Anfrage eingereicht. Ziel: Die Wohnungsverkäufe sollen in der nächsten Gemeinderatssitzung behandelt werden. Allmann sagt, dass sich die Marktgemeinde Gedanken über einen Erwerb der Wohnungen hätte machen können, auch wenn kein Vorkaufsrecht besteht. Ihm missfällt, dass die Kommune „den Kopf einzieht“, wenn auf dem Wohnungsmarkt so viel passiert. „So kann man das nicht abhandeln.“

Garmisch-Partenkirchen: Marktgemeinde habe von Verkäufen nichts gewusst

Von „Kopf einziehen“ könne nicht die Rede sein, betont Rathaus-Sprecherin Ute Leitner. Die Marktgemeinde habe von den Wohnungsverkäufen nichts gewusst. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD): „Wie bei jedem Grundstücksverkauf hat der Markt Garmisch-Partenkirchen nur grundsätzlich hiervon durch das Notariat Kenntnis erlangt, um etwaige Vorkaufsrechte prüfen zu können.“ Diese habe es aber nicht gegeben. Nicht unerwähnt möchte die Rathauschefin jedoch lassen, dass der Kommune „für diese Wohnungen – im Gegensatz zum aktuellen Verkauf – im Jahr 2013 ein einmaliges, vertragliches Vorkaufsrecht eingeräumt wurde“. Damals handelte es sich ihr zufolge um 144 Wohnungen, 26 Garagen und 73 Kfz-Stellplätze in den Ortsteilen Garmisch und Burgrain. Der Marktgemeinderat entschied in nichtöffentlicher Sitzung am 27. Dezember 2013, das Vorkaufsrecht für die Wohnanlagen nicht geltend zu machen. „Leider ist es mir in der damaligen Sitzung nicht gelungen, die beschließende Mehrheit vom Gegenteil dieser einmaligen Chance zu überzeugen“, erklärt Meierhofer.

Mieter wissen nicht, wie es weitergeht - Verunsicherung ist groß

Wie dem auch sei: Die Verunsicherung ist groß. „Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wie es weitergeht“, betont Mieterin Fenzl. Sie erzählt von „kaputten Heizungsanlagen“, von überteuerten Abrechnungen – und der Befürchtung, „dass der Kundenservice noch schlechter wird, als er eh schon ist“. Fenzl hatte gehofft, dass jemand die Wohnungen übernimmt, der vermietet. Die Accentro ist jedoch nach eigenen Angaben „ein Immobiliendienstleister, der sich auf die Privatisierung großer Wohnungsportfolios spezialisiert hat“.

Der Käufer schließt nicht aus, weitere Wohnungen in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung zu erwerben. Die GmbH überprüft laut ihrer Kommunikationsagentur PB3C „zurzeit Ausbaureserven in den Bestandsgebäuden und Neubaupotentiale auf den Grundstücken“.

Zukunft von 258 Wohnungen in Ort ungewiss - Weiterverkauf noch offen

Ob die Wohnungen im Bestand der Accentro bleiben oder weiterveräußert werden, steht der Agentur PB3C zufolge noch nicht fest. „Sollte sich Accentro für den Weiterverkauf entscheiden, werden diese Wohnungen als erstes exklusiv den Mietern angeboten.“

Nach Eigentümer-Wechsel von 258 Wohnungen: Mieterin ist ungehalten 

Wie auch immer: Mieterin Ulrike Egger aus Burgrain ist nicht glücklich über die Entwicklung. „Für Roboter im Alter (die keiner will) ist Geld da, aber nicht, um die Wohnungen von der Dawonia zurückzukaufen“, schreibt sie in einer E-Mail an Bürgermeisterin Meierhofer. „Es ist traurig, dass man die Personen, die lange Jahre in Garmisch-Partenkirchen für wenig Lohn gearbeitet haben und jetzt wenig Rente bekommen, so im Stich lässt.“

Roland Lory

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