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Gratis mit dem Bus: Die Vergünstigung erhalten Urlauber, deren Vermieter am Online-Meldeverfahren teilnehmen.

Urlauber zweiter Klasse

Kein Rütteln am Online-Meldeverfahren

Die einen müssen zahlen, die anderen nicht? Vermieter, die ihre Gäste wie früher per Papier melden, werden benachteiligt. Zu leiden haben die Touristen. So manchem Urlauber stößt das sauer auf. An der Regelung lässt sich nicht rütteln, sagt Peter Ries. Seitens GaPa-Tourismus habe man alles getan, um Vermietern beim Wechsel auf das Online-Meldeverfahren zu helfen.

Garmisch-Partenkirchen – 48 Euro für zwei Wochen Busfahren ist für zwei Personen eigentlich gar nicht so teuer. Eigentlich. Die Wahrnehmung verschiebt sich, wenn andere für das Benutzen der Busse nichts zahlen müssen, man selbst aber zur Kasse gebeten wird. Frank Simons (53) und seiner Lebensgefährtin Kornelia Dreisewerd (60) aus Düsseldorf geht das gehörig gegen den Strich. Die Urlauber, die im Februar in der Marktgemeinde übernachtet haben, fühlen sich ungerecht behandelt – für etwas, wofür sie nichts können, weil ihre fast 80-jährige Vermieterin ihre Gäste nicht online bei der Gemeinde meldet, sondern immer noch auf dem Papier – so wie es früher üblich war. Mit Nachteilen für die, die bei ihr abgestiegen sind. Sie bekommen keinen freien Eintritt ins Alpspitz-Wellenbad oder eben Gratis-Fahrten mit den Ortsbussen. Es gibt sie also, die Urlauber zweiter Klasse.

Mehr als 95 Prozent der Vermieter in Garmisch-Partenkirchen sind mittlerweile auf die Online-Meldung umgestiegen. An der Regelung könne man nichts ändern, sagt Tourismusdirektor Peter Ries. Hätte man diese schon von Anfang an locker gehandhabt, wären heute vermutlich bei Weitem nicht so viele Einheimische auf die Internet-Registrierung umgestiegen. Man habe den Vermietern alle erdenkliche Hilfe für den Wechsel von Gästekarte auf Online-Formular angeboten. „Wir standen ihnen bei allen Fragen zur Seite.“ Außerdem sei der Beschluss des Gemeinderats im November 2015 einstimmig gefallen. Kurz darauf ist die Regelung in Kraft getreten. „Ausnahmen wären wiederum ungerecht denjenigen gegenüber, die bereits auf die Online-Meldung umgestiegen sind“, sagt Ries.

Doch was ist mit Vermietern, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters keinen Zugang zum Internet haben, vielleicht noch nicht mal einen Computer besitzen? Bei Anna Wittmann, die Vermieterin von Simons und Dreisewerd ist das der Fall. „Hier können sicherlich auch Enkel oder Bekannte helfen“, glaubt Ries. Außerdem sei dies die Ausnahme. Überhaupt: „Wir bieten ja auch Sonderkonditionen für Vermieter mit Papier-Meldung an. Die haben wir mit den Gemeindewerken ausgehandelt.“ Mehr könne man wirklich nicht tun. Doch auch das findet Simons nicht in Ordnung. Die vergünstigten Karten seien auch nicht viel preiswerter als die normalen. Außerdem sei die Organisation umständlich. „Für ältere Leute ist das durchaus eine Zumutung“, sagt der Düsseldorfer. Auch seine Vermieterin habe sich schon beschwert, dass sie mit dem Fahrrad immer nach Partenkirchen zu den Gemeindewerken fahren müsse.

Auf Tagblatt-Nachfrage sieht es Anna Wittmann selbst nicht ganz so eng. Die Garmisch-Partenkirchnerin vermietet einige Zimmer. Meistens jedoch an „Freunde und Bekannte“, wie sie sagt. Die Sache mit der Gästekarte regt sie nicht so auf, wie Simons. „Mei, da kann man ohnehin nichts machen“, sagt sie. Freilich sei es früher schön gewesen, dass alle die gleichen Vergünstigungen erhalten haben. „Aber es ist halt jetzt so, wie es ist.“ Simons empfindet diesen Umstand dennoch als ungerecht. Ihm geht es nicht ums Geld, sondern ums Prinzip, betont er.

Ärgerlich sei es vor allem, weil er bereits seit 20 Jahren in Garmisch-Partenkirchen zum Urlaub macht. Sogar einen Brief an die Bürgermeisterin hat er geschrieben. Sein Gesuch wurde allerdings zuständigkeitshalber von Alexandra Ertner-Albrecht von der Tourist-Information beantwortet. Darin heißt es, dass „unterschiedliche Gästekarten in einem Ort durchaus keine Seltenheit sind“. Außerdem seien die darin enthaltenen Leistungen „freiwillig“. Die Entscheidung, welche Variante genutzt werde, treffe ausschließlich der Vermieter. Dem schließt sich auch Ries an. In den meisten Regionen existiere nur die Online-Meldung. „Wir haben nachgezogen.“

Magdalena Kratzer

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