Ein Lokführer mit Tasche steigt aus einem Zug aus, man sieht seinen Kopf nicht.
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Der Albtraum für jeden Lokführer: Ein Mensch liegt auf den Gleisen, er kann nicht mehr bremsen. So erlebte es ein Mann bei Garmisch-Partenkirchen. Die Person aber blieb unverletzt. (Symbolbild)

28-Jähriger legt sich zwischen Gleise

„Eine absolute Dummheit“: Mann lässt sich als Mutprobe von Zug überrollen - wie durch ein Wunder überlebt er

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Die Polizei spricht von einem ausgesprochen dummen Verhalten: Ein Mann aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen legte sich auf die Gleise, der Zug überrollte ihn. Eine Mutprobe.

  • Ein 28-Jähriger hat sich bei Garmisch-Partenkirchen offenbar absichtlich von einem Zug überrollen lassen.
  • Er überlebt mit viel Glück unverletzt - und spricht von „Challenge“.
  • Die Polizei verurteilt die Mutprobe als „absolute Dummheit“.
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Garmisch-Partenkirchen – Ein Mann liegt auf den Gleisen. Der Lokführer sieht ihn, bremst sofort. Es ist zu spät. Der Zug überrollt den Mann. Doch – er lebt. Ist unverletzt. Ein Wunder? Sicher ein kleines. Vor allem aber eine riesige Dummheit. Denn vermutlich steckt dahinter eine Mutprobe, die „gerade mal so“ gut ausgegangen ist, sagt Rainer Scharf von der Bundespolizei Rosenheim. Sie hat die Ermittlungen übernommen und betont: „Das ist ist keine Mutprobe, sondern eine absolute Dummheit.“

Mutprobe in Garmisch-Partenkirchen: 28-Jähriger lässt sich offenbar absichtlich von Zug überrollen

Der Vorfall ereignete sich am Sonntag um 16.30 Uhr auf der Bahnstrecke zwischen Kaltenbrunn und Garmisch-Partenkirchen. Offenbar hatte sich der 28-Jährige, der im Landkreis gemeldet ist, absichtlich vom Regionalzug überrollen lassen. Der Lokführer konnte den Mann überzeugen, mit dem Zug bis zum Garmisch-Partenkirchner Bahnhof zu fahren. Dort nahm ihm die Polizei in Gewahrsam. Gegenüber den Beamten gab er an, es habe sich bei seiner Aktion, sich zwischen die Schienen zu legen, um eine „Challenge“ gehandelt. Die er nur mit viel Glück überlebte.

Dazu trug wohl auch bei, dass sich der Zug in der Anfahrt auf Garmisch-Partenkirchen befand, seine Geschwindigkeit vermutlich schon reduziert hatte. Sonst hätte es etwa aufgrund einer stärkeren Sogwirkung „ ganz anders ausgehen können“, betont Scharf. Die Polizei sucht nun nach einem weiteren Mann, der an der Mutprobe womöglich beteiligt war.

Garmisch-Partenkirchen: Zeugin fotografiert Mann im Unterholz - Stundenlange Suche bleibt erfolglos

Eine Zeugin hatte ihn an der Stelle, an der der Regionalexpress abrupt abgebremst hatte, im Unterholz und in unmittelbarer Gleisnähe fotografiert. Mit mehreren Streifen suchten Landes- und Bundespolizei den Streckenabschnitt ab – stundenlang. Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz. Doch der Unbekannte blieb verschwunden. Zu dessen Identität wollte sich der 28-Jährige nicht äußern. Er wurde in die psychiatrische Abteilung einer Klinik eingeliefert.

Für die Dauer der Suche konnten Züge den betreffenden Bereich nur in Schrittgeschwindigkeit, zum Teil gar nicht passieren. Dies zog einen Teilausfall von drei Zügen sowie rund 200 Minuten Verspätung von neun weiteren Zügen nach sich. Erst gegen 20.30 Uhr wurde die Strecke Mittenwald–Garmisch-Partenkirchen wieder uneingeschränkt freigegeben.

Nach vermeintlicher Mutprobe in Garmisch: Polizei warnt eindringlich vor Betreten der Gleise

Vor einem Betreten der Gleise warnt Scharf im Namen der Polizei eindringlich. Er findet deutliche Worte: „Wer auf Bahnanlagen höchst gefährliche Mutproben bestehen will, ist keineswegs mutig, sondern ausgesprochen dumm und rücksichtslos.“ Dumm, weil man mit dem eigenen Leben spiele. „Und vollkommen rücksichtslos, weil man möglichen Auswirkungen auf den Lokführer oder die Zuginsassen nur mit Gleichgültigkeit begegnet.“

Um Hinweise zu dem Vorfall oder dem unbekannten Mann bittet die Bundespolizei unter Telefon 0 80 31/ 80 26 22 00.

Ein Garmisch-Partenkirchner Neubürger hat kürzlich eine unschöne Begegnung gemacht: Wohl aufgrund seines Münchner Kennzeichens spuckte ihm ein Mann vors Auto. Und der Markt Garmisch-Partenkirchen hat eine Pistensperre für die obere Kandahar verhängt. Die Verordnung gilt bis 10. Januar.

(Von Katharina Bromberger)

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