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Mini-Demo auf der B2 in der Partenkirchner : (v.l.) Ursel Kössel, Andre Scheerer, Hans Sedlmaier und Clivia Reindl. 

Kater nach dem Freudenrausch 

Bürgerinitiative „2 Tunnel“ fürchtet um Partenkirchner Ortsumfahrung

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Stillstand beklagt die 2-Tunnel-Initiative vor allem, was die Umfahrung von Partenkirchen angeht. Beim Wanktunnel tut sich derzeit nichts. Zudem moniert sie Desinteresse bei Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer und dem Gemeinderat. Die Rathaus-Chefin widerspricht den Vorwürfenvehement.

Garmisch-Partenkirchen – Es war eine seiner letzten Amtshandlungen als Bundesverkehrsminister. Am 19. September vergangenen Jahres gab Alexander Dobrindt (CSU) die Gelder für den Weiterbau des Kramertunnels frei und löste damit bei der 2-Tunnel-Initiative Feierstimmung aus. Hans Sedlmaier, damals gemeinsam mit Ursel Kössel einer der beiden Vorsitzenden, köpfte gar zur Feier des Tages ein Flasche Sekt. Der Freudenrausch ist mittlerweile verflogen und hat Katerstimmung Platz gemacht. Die Bürgerinitiative, die mittlerweile der Rechtsanwalt Andre Scheerer führt, fühlt sich im Stich gelassen. „Wir sind frustriert“, sagt Scheerer.

Stillstand beklagt die Initiative mit den Köpfen Kössel, Scheerer, Sedlmaier und Clivia Reindl vor allem, was den Wanktunnel angeht, den Dobrindt bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans ebenfalls in den vordringlichen Bedarf gehievt hat. „Wir müssen den Ort aufrütteln, aber die Kommunalpolitik tut zu wenig“, meint Scheerer. Als Beispiel, wie es funktionieren muss, nennt Kössel Oberau und Farchant. Deren Basisarbeit war von Erfolg gekrönt. Durch den Tunnel Farchant fließt der Verkehr seit Jahren, Oberau befindet sich im Bau. „Bei Demonstrationen sind die Dorfbürgermeister immer vorneweg marschiert. Das vermisse ich hier.“ Ihr Vorwurf: „Frau Dr. Meierhofer unterstützt uns nicht genug.“ Und auch innerhalb des Gemeinderats, dem Kössel als Vertreterin des Christlich Sozialen Bündnisses (CSB) angehört, beschreibt sie das Stimmungsbild als „müde. Es fehlt die Power für die Tunnel“. Einzig beim CSB und den Freien Wählern (FW) spürt sie Rückhalt. FW-Chef Florian Möckl hat bei Meierhofer beantragt, einen führenden Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim in die April-Sitzung des Kommunalparlaments zu bitten, um den Stand der Dinge zu erfahren.

Wieso sich die Rathaus-Chefin nach Meinung der Bürgerinitiative in vornehmer Zurückhaltung übt, dazu vertritt Scheerer seine eigene Theorie, die bisschen nach Verschwörung klingt. Er vermutet „Parteiräson“, weil im August 2016 die SPD-Parlamentarier im Bayerischen Landtag die Garmischer Ortsumgehung infrage stellten. Damals widersprach Meierhofer ihren Parteigenossen genauso vehement, wie sie heute die Vorwürfe der Pro-Tunnel-Kämpfer kontert. „Eine Verwaltung kann keine Demo organisieren. Das muss die Initiative schon selbst tun.“ Kössels Replik: „Wir sind zu klein und können nicht alles machen.“

Klein stimmt. Mittlerweile hat die 2-Tunnel-Initiative nur noch 15 aktive Mitglieder und etliche Sympathisanten. Ganz besonders in Partenkirchen, großer Profiteur eines zukünftigen Wanktunnels, ist die Unterstützung eher mau und der Glaube, dass die Umfahrung irgendwann kommt, wenig ausgeprägt. Ein Indiz: Während in Garmisch an der Burg- und Zugspitzstraße (B23) zwischen 50 und 60 Hausbesitzer an ihren Zäunen und Gebäuden die gelben Banner mit dem Schriftzug „Kramertunnel JETZT“ platziert haben, hängen an der B2 – lediglich 15 bis 20 Plakate, auf denen „Wanktunnel Jetzt“ gefordert wird. Deshalb appelliert Scheerer an die Partenkirchner: „Leute, wenn Ihr jetzt nicht mitzieht, verliert ihr den Wanktunnel.“ Um sie aufzurütteln, sind in naher Zukunft ein Infoabend und eine Radl-Demo geplant.

Nach Scheerers Meinung sind die Verkehrbelastung und die Luftverschmutzung an der Haupt- und Münchner Straße, die er „eine vierspurige Autobahn“ nennt, enorm und kaum mehr erträglich. Vor allem der Schwerlastverkehr habe durch die Mautflüchtlinge über Gebühr zugenommen, ebenso der Reiseverkehr Richtung Tirol. Die Luftqualität entspreche deshalb nicht mehr den Ansprüchen, die der Urlauber an einen Ort stellt, der mit dem Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ wirbt. Er glaubt, dass die Zahlen geschönt oder die echten Werte zurückgehalten werden.

Dass man für die Realisierung des Wanktunnels, für den nach derzeitigem Stand Kosten von 150 Millionen Euro veranschlagt sind, einen langen Atem brauchen wird, macht Dr. Hermann Streicher deutlich. Der stellvertretende Leiter des Bereichs Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Weilheim bestätigt, was auch die Vertreter der Bürgerinitiative wissen. Derzeit beschäftigt sich in seiner Behörde kein einziger Mitarbeiter mit dem Wanktunnel. „Alle Kräfte sind auf den Kramertunnel konzentriert“, sagt Streicher. Diese Auskunft hat auch Meierhofer erhalten, die in ständigem Austausch mit den Weilheimern steht. Frühestens im Herbst des kommenden Jahres, wenn die Bauarbeiten an der Garmischer Ortsumfahrung fortgeführt werden sollen (siehe Kasten), nehmen sich Streicher und Kollegen des Wanktunnels an.

Als Arbeitsgrundlage dient der Plan, der 2011 im Zuge der Olympia-Bewerbung entworfen worden war. „Der muss natürlich den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden“, erklärt Streicher. Mindestens fünf Jahre könnte es bis zur Planfeststellung dauern, danach beginnt die Ausschreibung. Bis zum Spatenstich dürften erneut Jahre vergehen. Was passiert, wenn bis dahin der Bundesverkehrswegeplan, der eine Halbwertszeit von rund 15 Jahren besitzt, durch einen neuen ersetzt wird? „Der Wanktunnel kommt trotzdem“, sagt Streicher. Er werde die Fertigstellung noch im Staatlichen Bauamt erleben, glaubt Streicher. Gut möglich. Er ist ja erst 42.

Kramertunnel: Weiterbau ab Sommer 2019

Im Sommer, spätestens im Herbst, des kommenden Jahres sollen der Bau der Röhren und die Fertigstellung des Erkundungsstollens am Kramertunnel anlaufen – und das gleichzeitig von Norden und von Süden her. Heuer im Sommer wird laut Dr. Hermann Streicher vom Staatlichen Bauamt Weilheim mit den Arbeiten an den zwei Brücken über die Loisach bei Grainau begonnen sowie das Wasser im Berg abgelassen und eine Bewässerung gelegt. Mit der Eröffnung des 190-Millionen-Euro-Projekts – 40 Millionen Euro sind bereits verbaut –, das den Ortsteil Garmisch vom Durchgangsverkehr entlasten soll, rechnet Streicher Ende 2024. Eher unwahrscheinlich, dass es bei dieser Summe bleiben wird. Selbst Streicher rechnet mit einer Baupreissteigerung. „Da kann was kommen“, zeigt er sich realistisch. Derzeit sind in der Behörde, die auch den Starnberger Tunnel plant, alle Mitarbeiter mit dem Kramertunnel ausgelastet. „Die Qualität muss passen“, sagt Streicher. Die Ausschreibung ist zwischen 1000 und 1500 Seiten dick. Im Frühjahr 2019 will die Behörde entscheiden, welchen Firmen zum Zuge kommen. prei

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