Gruppenbild mit Dame bei der Hegeschau: (v.l.) Landrat Toni Speer, Thomas Bär, Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer, Karl Hörmann, Markus Hildebrandt und Landratsamts-Regierungsrat Jan Knopp. foto: kaiser

Hegeschau in der Bayernhalle

4684 Tiere erlegt: Abschussquote zu 88 Prozent erfüllt

Hegeschau in Garmisch-Partenkirchen: Die vorgegebenen Abschusszahlen von Rotwild, Reh und Gams wurden zu 88 Prozent erfüllt. Kreisjagdberater Karl Hörmann nannte das ein „passables Ergebnis“. Deutlich wurde auch einmal mehr die Diskrepanz zwischen Wald und Wild: Tierschützer zogen zu einer Mahnwache vor die Bayernhalle.

Garmisch-Partenkirchen – Ungewohntes Bild in der Bayernhalle: Riesige grüne Tafeln füllen fast die halbe Fläche des sonst so rustikal dekorierten Hauses. und an jeder hängen hunderte Geweihe. Kopfschmuck all jener Hirsche, Rehe und Gämsen, die im abgelaufenen Jahr in den 79 Werdenfelser Jagdrevieren erlegt wurden. Alle Trophäen ziert ein kleines Schildchen, die dem Kenner verraten, wer wann und wo der „Erleger“ war. Es ist Hegeschau. Jener Tag, an dem sich, umrahmt von Jagdhornschall, all jene Menschen treffen, die große Teile ihres Lebens draußen im Tann verbringen. Beruflich die Leute vom Staatsforst, privat, die im Kreisjagdverband organisierten Jäger, um zu analysieren, inwieweit in den vier hiesigen Hegegemeinschaften die von den Forstbehörden vorgegebenen Abschusszahlen erfüllt wurden. Um die Ziele der Waldverjüngung zu erreichen, müssen sie zumindest annähernd stimmen. Das Fazit des vergangenen Jagdjahrs 2018/19 zog Kreisjagdberater Karl Hörmann: Von den 5330 Stück Wild, die insgesamt für den Abschuss geplant waren, fanden in diesen zwölf Monaten inklusive Fallwild insgesamt 4684 Tiere den Tod. „Das vorgegebene Soll wurde damit zu 88 Prozent erfüllt, was ein passables Ergebnis darstellt“.

Dass die 100-Prozent nicht erreicht wurden, könne viele Gründe haben. Hörmann natte die Witterung, Störungen, zugewachsene Einstände oder falsche Jagdmethoden. Am Beispiel des Rotwilds zeigte er, dass sich ein frühzeitiger Beginn der Planerfüllung auszahle: „In den Revieren, die schon bis Mitte Oktober 40 Prozent der Vorgaben erfüllt hatten, konnten immerhin durchschnittlich 91 Prozent geschafft werden, Reviere aber, denen dies nicht gelang, kamen nur auf etwa 74 Prozent“. Gerade der schneereiche Winter im Januar habe deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, bereits früh zu beginnen. Das ermögliche es gleichzeitig, übermäßigen Verbiss durch Jagddruck in der Winterruhe zu vermeiden. Im Detail nannte Hörmann dann die Abschuss-Ergebnisse: Beim Rotwild lag das Soll bei 1729 Stück, erlegt wurden mit 1482 Tieren nur 86 Prozent. Bei den Gämsen waren 1147 Stück vorgegeben, mit 964 Stück wurden nur 84 Prozent geschossen. „Aufgrund des strengen Winters war freilich ein deutlicher Anstieg an Fallwild in den Hochlagen zu verzeichnen, das selbstverständlich auf die Abschusspläne angerechnet wurde.“ Beim Rehwild standen 2454 Tiere auf der Liste. Mit 2238 wurden immerhin 91 Prozent erlegt. „Der Drei-Jahres-Abschussplan konnte damit zu 90 Prozent erfüllt werden, was ein respektables Ergebnis ist.“

Erfreulicherweise hat sich Hörmann zufolge die Schwarzwildstrecke im Landkreis wieder etwas reduziert. Es waren nur 99 Wildschweine, die im vergangenen Jahr erlegt wurden, während im Jahr vorher noch 137 verzeichnet wurden. Deren Bejagung könne nur erfolgreich sein, wenn Landwirte, Revierinhaber und Jäger gemeinsam zusammenarbeiten.

Als wichtiges Thema nannte der Experte artgerechte Fütterung, die nicht nur dem Wild, sondern auch dem Wald zugutekomme. Sie vermindere Verbiss- und Schälschäden. „Die Revierverantwortlichen haben Mitte Januar trotz der außergewöhnlichen Schneelage im Landkreis ihrer Hegepflicht verantwortungsvoll erfüllt“.

Kreisgruppenvorsitzender Thomas Bär ging ebenfalls auf den schneereichen Winter ein. „Die Winterfütterung war ein Riesenthema. Wir haben ab Mitte Januar zur Einstellung des Jagdbetriebs aufgerufen, obwohl keine Notwendigkeit bestand.“ Die Abschuss-Erfüllung bewege sich auf dem gleichen Niveau wie in den 1980er Jahren. „Leider werden zu viele junge Gämsen erlegt.“

Forstdirektor Markus Hildebrandt beleuchtete in seinem Vortrag das Ergebnis des Forstlichen Gutachtens 2018. Das kommt zum Schluss, dass der Landkreis Garmisch-Partenkirchen immer noch eine der bayerischen Regionen mit der höchsten Verbissbelastung ist. „Unser Ziel ist es darum, eine nachhaltige Verbesserung dieser Situation in unseren Hegegemeinschaften zu erreichen, wofür nun unter Federführung der Unteren Jagdbehörden Leitlinien zur nachhaltigen Verbesserung der Waldverjüngung erarbeitet werden.“ Die angespannte Lawinensituation in diesem Winter habe die Notwendigkeit intakter jüngerer Schutzwälder wieder deutlich vor Augen geführt.

Landrat Anton Speer (Freie Wähler) hatte die Hegeschau mit dem Hinweis eröffnet, „dass wir nicht nur dem Wald, sondern auch gegenüber dem Wild in der Verantwortung stehen“. Deshalb sei ein kontinuierliches Miteinander zwischen Forst und Jägerschaft, Behörden und Landwirten von zwingender Bedeutung.

Wolfgang Kaiser

Mahnwache der TierschützerLödermann: „Waldbau mit der Kugel ist ein Irrweg“

Eine einstündige Mahnwache inszenierte der Tierschutzverein Garmisch-Partenkirchen anlässlich der diesjährigen Hegeschau: „Immer wieder geht’s bei dieser Veranstaltung um Abschusszahlen“, sagte Vorsitzende Tessy Lödermann, die zusammen mit ihrer Stellvertreterin Gitta Wünsch selbst mit einem großen Plakat vor der Halle stand „Stets heißt es dann, der Wald wird trotzdem auch nicht besser. Also ist es ein Irrweg, wenn Waldbau nur mit der Kugel betrieben wird.“ Es müssen ihres Erachtens andere Faktoren Berücksichtigung finden. Verbiss sei nämlich immer eine Folge von Stress für die Tiere oder im Winter von wenig Äsung. Lödermann fordert mehr Wildruhezonen, ein verbessertes Notzeit-Fütterungskonzept, ein Kirrkonzept und keine ständigen Verlängerungen der Jagdzeiten. 

Mahnwache vor der Bayernhalle: Tierschutz-Chefin Tessy Lödermann (r.) und ihre Vize Gitta Wünsch.

Sie befürchtet durch die extremen Witterungen, strenger, Winter, im Sommer Trockenheit, dann viel Schnee in den Bergen, für die Gams einen „Flaschenhals“, ebenso fürs Rehwild, während das Rotwild gefüttert werde. Lödermann denkt dabei vor allem bei der Gams an große Fallwildzahlen, insbesondere bei den Kitzen. „Jährlinge wird es wohl massenhaft erwischt haben.“Ihre Vereinsmitglieder hätten auch schon starke Böcke tot gefunden, die von der anstrengenden Brunft direkt in den Tiefschnee geraten waren. „Unsere Mahnwache soll zeigen, was uns bewegt. Wald vor Wild ist verfassungswidrig! Wir fordern: Wald und Wild.“

Wolfgang Kaiser

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