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Der Dirigent Alexander Liebreich ist Künstlerischer Leiter des Richard-Strauss-Festivals. 

Fass ohne Boden

Abgesagtes Strauss-Festival: Minus von 220 000 Euro

  • Peter Reinbold
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Keine Einnahmen, aber große Ausgaben: Der Markt Garmisch-Partenkirchen bleibt für das Richard-Strauss-Festival, das wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, auf Kosten von 222 000 Euro sitzen. Auch, weil man keine Ausfall-Versicherung abgeschlossen hatte.

Garmisch-Partenkirchen – Das Richard-Strauss-Festival entwickelt sich für Garmisch-Partenkichen mehr und mehr zu einem finanziellen Fass ohne Boden. Schlossen die Festspiele zu Ehren des weltbekannten Komponisten 2019 mit einem Minus von etwas mehr als 100 000 Euro ab, so bleibt der Markt für das Festival 2020, das das Landratsamt wegen der Corona-Pandemie sechs Wochen vor dem Start absagte, nun sogar auf Kosten von 222 000 Euro sitzen.

Keine Einnahmen, aber große Ausgaben. Bis zu diesem Zeitpunkt war Garmisch-Partenkirchen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 847 000 Euro eingegangen. Dominik Sedivy, der Leiter des Richard-Strauss-Instituts, nannte in der Donnerstag-Sitzung des Gemeinderats die roten Zahlen. „Auf eine schlechte Nachricht folgt die nächste“, sagte Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander). Den Fehlbetrag muss ganz allein die Gemeinde schultern, da der Freistaat Bayern den zugesagten Zuschuss in Höhe von 225 000 Euro nicht auszahlt. Der Grund? „Durch die Absage ist der Zuwendungszweck nicht erreicht“, sagt Sedivy. Hätte der Markt das Festival selbst gecancelt, wäre der Gemeindeetat mit 587 000 Euro noch schlimmer belastet worden.

Hofer vermutet, dass der Rückhalt in der Bevölkerung angesichts des neuerlichen Defizits „nicht gerade wächst“. Alexandra Roos-Teitscheid (Grüne) forderte die Staatsregierung auf zu helfen. Es mache sie „stinknarrisch, dass wir alleine dastehen“. Ihr Appell richtete sich auch an Florian Streibl, Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag und ebenso wie Ex-Staatsminister Dr. Thomas Goppel bekennender Straussianer, sowie an den Künstlerischen Leiter Alexander Liebreich. Sie sollten ihre Beziehungen spielen lassen und ihren guten Draht ins Maximilianeum nutzen, um eine finanzielle Entlastung für Garmisch-Partenkirchen zu erreichen, das mit 330 000 Euro das meiste Geld zum Fast-Millionen-Euro-Etat zuschießt. Roos-Teitscheid: „Ich erwarte ein Bekenntnis zu Garmisch-Partenkirchen.“ Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) machte Hoffnung, dass das gelingen könnte. „Der Wille von dieser Seite ist da.“ In dieser Woche soll ein Gespräch stattfinden.

Über alle Parteigrenzen hinweg fragten sich die Gemeinderäte, wieso man es versäumt habe, eine Ausfallversicherung abzuschließen, die jetzt einspringen könnte. Man nannte das Beispiel Oberammergau. Die Veranstalter der Passion hatten sich bei der Munich Re gegen alle Eventualitäten abgesichert. Abgedeckt waren nicht nur finanzielle Ausfälle durch Terror und weitere Schadensereignisse, sondern auch durch Pan- und Epidemie. „Daran hat niemand gedacht“, sagt Sedivy. Koch zeigte sich „überrascht, als ich davon erfahren habe“. Sie sprach Sedivy, der mit seinem Team das Festival in großen Teilen organisiert, von jeder Schuld frei. „Er kann nichts dafür.“

Eine Person, in dessen Zuständigkeitsbereich der Abschluss einer Versicherung gefallen wäre, konnte die Verwaltung auf Tagblatt-Anfrage nicht benennen. Man verweist auf andere. „Uns ist kein Festival bekannt, das einen derartigen Vertrag abgeschlossen hat“, teilte Rathaussprecherin Ute Leitner mit.

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