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Steht leer: der Altbau des St.-Vinzenzheimes am Hölzlweg. Die Caritas würde dort gern Flüchtlinge unterbringen – begrenzt auf zwei Jahre.

Tumulte im Bauausschuss

Asylbewerber in Altenheim? Proteste von Anwohnern

Garmisch-Partenkirchen - Eine Flüchtlings-Unterkunft mitten in einem Wohngebiet? Der Plan der Caritas sorgt in Garmisch-Partenkirchen für massive Proteste der Anwohner. Sie wurden vorab nicht informiert. Die Folgen: tumultartige Szenen im Bauausschuss. Offene Fremdenfeindlichkeit inklusive.

Am Ende einer hitzigen, völlig chaotischen Diskussion sah sich Gemeinderat Josef Angelbauer (Freie Wähler) gezwungen, an die Moral zu erinnern. Das, was zuvor im Bauausschuss passiert sei, das „beschämt mich als Mensch und als Katholik“. Ein Appell an die Nächstenliebe, der in der aufgeladenen Atmosphäre aber verpuffte. Dass sich die Situation derart zugespitzt hat, ist jedoch nicht verwunderlich. Denn schon im Vorfeld ist vieles falsch gelaufen.

Über ihre Pläne, im derzeit leerstehenden Altbau des St.-Vinzenz-Seniorenheimes am Hölzlweg Asylbewerber unterzubringen, hat die Caritas die Anwohner vorab nicht informiert. Damit Flüchtlinge dort leben können, ist eine Nutzungsänderung für das Gebäude notwendig, das formell noch als Krankenhaus aufgeführt ist. Eine Umwandlung in eine „Gemeinschaftsunterkunft“ stand auf der Tagesordnung des Bauausschusses. Mehr nicht.

Worum es wirklich ging, erfuhr die Öffentlichkeit erst aus der Ankündigung im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt. Als Florian Hilleprandt (CSB) dies deutlich kritisierte, gab es erste Bravo-Rufe von den rund 40 Besuchern in dem stickigen Sitzungssaal.

40 bis 45 Flüchtlinge aus Ländern wie dem Irak und Syrien sollen in dem Gebäude eine Heimat finden. „Für zwei Jahre befristet“, wie Caritas-Kreisgeschäftsführer Alexander Huhn unterstrich.

Kein Blatt vor dem Mund nahmen auch viele der Sitzungsbesucher. Es interessierte sie wenig, ob sie in dem Gremium Rederecht haben oder nicht. Gemeinderäte wurden unterbrochen. Es gab lautstarke Zwischenrufe. Die „Stopp! Stopp!“-Appelle der Bürgermeisterin gingen vielfach unter.

Tenor der aufgebrachten Menge: Die Asylbewerber können ja irgendwo untergebracht werden, aber nicht in ihrer Nachbarschaft. Huhn wies darauf hin, dass sich die betroffenen Menschen nicht aus Spaß auf die Flucht begeben. Und dass diejenigen, die es überhaupt nach Deutschland schaffen, in ihrer Heimat eher wohlhabend und gebildet seien. Doch für diese Argumentation erntete er Gelächter. „Da kommen doch nur Primitive“, sagte ein alte Frau zu ihrer Sitznachbarin.

Letztlich waren sich die Gemeinderäte einig, dass der jetzt diskutierte Standort – mitten in einem Wohngebiet und zudem auf dem Gelände eines Seniorenwohnheims – nicht ideal sei. Die Rathaus-Verwaltung wurde also beauftragt, Alternativen auf gemeindeeigenen Grundstücken zu prüfen. Mehrfach wurde dabei die ehemalige Rot-Kreuz-Zentrale an der Fürstenstraße genannt.

Meierhofer war bereit, eine zusätzliche Bauausschuss-Sitzung in zwei Wochen anzusetzen. Sie betonte aber auch, dass sich das Problem nicht mit einem neuen Standorts löst. Auch dort sei mit Anwohner-Protesten zu rechnen.

Nadja Hoffmann

Den ausführlichen Bericht sowie einen Kommentar zum Thema lesen Sie in der Mittwochsausgabe des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts / Murnauer Tagblatts.

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