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Besetzen die Straße: Rund 450 Menschen beteiligen sich an der Aktion der Initiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“.
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Für eine Stunde ging nichts mehr vorwärts auf der Straße

B2-Blockade für den Wanktunnel: 450 Menschen nehmen an Radl-Demo teil

Noch befindet sich das Projekt Wanktunnel im absoluten Anfangsstadium. Damit das Projekt, das Garmisch-Partenkirchen vom Verkehr entlasten soll, an Fahrt aufnimmt, satteln am Samstag rund 450 Menschen auf – und setzen bei der Radl-Demo ein starkes Zeichen.

Garmisch-Partenkirchen – Samstagvormittag, 10 Uhr, nichts geht mehr auf der B2 zwischen dem Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen und dem Farchanter Kreisel. Über eine Stunde lang. Autos stehen oder kommen nur sehr zäh vorwärts. Es ist nicht der Ferien-Verkehr, der die massiven Behinderungen verursacht. Radfahrer demonstrieren mit einem provozierten Stau gegen den Stau.

Dem Ruf der Initiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“ folgen rund 450 Menschen. Wie bereits Ende Juli des vergangenen Jahres wollen sie alle mit der Aktion die Notwendigkeit des Wanktunnels zum Ausdruck bringen. In Wort und Tat. Und laut Polizei absolut friedlich. Selbst die Autofahrer zeigen größtenteils Verständnis.

An vorderster Front tuckert ein landwirtschaftliches Gerät mit dem Banner der Initiative und der Aufschrift: „Wanktunnel jetzt, für unsere Kinder.“ Ihm folgen die Räder, an denen gelbe Luftballons baumeln, ein Dreier-Tandem Marke Eigenbau mit einem Schild „Wir ersticken in der Blechlawine“ und Kinder mit Rollerblades. Alle Generationen sind am Samstag unterwegs. Auch Politiker verschiedener Couleur nehmen an der Demonstration teil. Darunter Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber (CSU), Landrat Anton Speer (Freie Wähler) sowie Garmisch-Partenkirchens Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) und Elisabeth Koch, Fraktionsvorsitzende der „Schwarzen“ im Gemeinderat. Flankiert wird die Demo von zahlreichen Einsatzkräften der Feuerwehr, des Rettungsdiensts und der Polizei, die die Sicherheit der Teilnehmer gewährleisten.

Politik nicht verantwortlich für Verzögerung

Bei der abschließenden Kundgebung auf dem Rathausplatz sind sich alle Redner einig. „Die Menschen hier haben es verdient, der Tunnel muss schnell gebaut werden“, betont Bachhuber und fordert ein „Infrastrukturbeschleunigungsgesetz“. Der Landespolitiker zieht einen Vergleich mit der Wiedervereinigung. „Beim ,Aufbau Ost‘ hat man doch gesehen, dass es geht“. Für ihn steht fest, dass man den Menschen nicht mehr vermitteln könne, dass sich Planungen über Jahrzehnte hinziehen.

Worte des Lobes bringt Landrat Speer der Initiative entgegen. Er spricht seinen Dank aus, dass sie mit den Demos das Thema Wanktunnel immer wieder in den Fokus der Politik rücke. Denn dieser „ist genauso wichtig wie der Kramertunnel“. Ähnliche Töne schlägt Vize-Rathauschef Bauer an. Er meint, „man muss so lange lästig werden, bis gesagt wird, ,jetzt bekommt ihr den Tunnel, damit wir Euch endlich los sind‘“.

Nächste Demo schon in Planung

Die Politik aus der Schusslinie nimmt Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim. Die Verzögerungen würden nicht auf ihre Kappe gehen. Das Problem ist ein anderes: Es fehlt an Personal. „Wir haben schlicht und ergreifend zu wenig Leute“, verdeutlicht der Behörden-Leiter die Situation. Das Bauamt bleibt vom Fachkräftemangel nicht verschont. „Wir haben keine Ingenieure.“ Das greift Stefan Kitzmüller, der die Veranstaltung moderiert, sofort auf und appelliert an die Zuhörer, doch nach geeigneten Ingenieuren Ausschau zu halten. „Wenn Sie jemanden wissen, der soll sich beim Staatlichen Bauamt Weilheim bewerben.“

Mehr zum Thema: Bau der Garmischer Umfahrung geht in die finale Phase - auch beim Wanktunnel tut sich etwas

Fritsch klärt bei der Kundgebung auch über den aktuellen Stand der Dinge auf. Ihm zufolge müssen die bisherigen Planungen für den Wanktunnel neu auf den Prüfstand kommen und vorhandene Unterlagen überarbeitet sowie Verkehrsgutachten aktualisiert werden. „Auch der Naturschutz und die Straßenplanungsrichtlinien haben sich geändert“, erklärt der Leiter des Staatlichen Bauamts.

Das hören Ursel Kössel und Josef Ostler von der Initiative zwar nicht gern, dafür sind sie sehr zufrieden mit der Aktion. Die letzte wird es nicht gewesen sein. Um Herbst soll es erneut eine Radldemo geben. Denn die beiden vertreten eine klare Haltung: „Nur steter Tropfen höhlt den Stein, das hat man beim Kramertunnel gesehen.“



Lilian Edenhofer

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