Sprengmeister: Tanja Dobrindt und Sohn Emmeran lösen die erste Sprengung aus. Anton Speer, Alexander Dobrindt, Uwe Fritsch, Kerstin Schreyer, Harald Kühn, Sprengmeister Kurt Tschofen, Andreas Scheuer und Martin Bachhuber (v.l.) schauen zu. 

Die Partenkirchner werden die Worte gerne gehört haben

Bau des Kramertunnels beginnt - Minister Scheuer verspricht das nächste Großprojekt

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Tunnelpatin Tanja Dobrindt durfte es tun: Sie hat am Freitag symbolisch die erste Sprengung für den Kramertunnel ausgelöst. Die eigentliche Nachricht aber betraf nicht die Garmischer Umfahrung.

Garmisch-Partenkirchen – Hätte der Kramertunnel ein Ego – es wäre verletzt. Eifersüchtig wäre er am Freitag geworden. Schließlich ist es sein großer Tag: die erste Sprengung, der Start der Arbeiten an seinem Hauptstollen nach so vielen Jahren Stillstand. Politiker aus dem Landkreis, aus München und Berlin, Bürger, Geistliche, die Musikkapelle – sie alle sind extra seinetwegen gekommen. Um ihn zu feiern, der ab Ende 2024 die Garmischer von Lärm, Abgasen und Stau befreien wird.

Trotzdem muss er sich seinen Tag teilen. Mit dem Wanktunnel. Kaum ein Redner, der die Umfahrung Partenkirchens nicht erwähnt. Geballte Aufmerksamkeit bekommt er durch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er bringt ein Versprechen mit: Sobald Baurecht besteht, wird der Wanktunnel gebaut. „Das sage ich Ihnen zu.“ Bis dahin werde die Planung weiter vorangetrieben, nichts hinten angestellt.

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Gute Nachrichten für all jene Partenkirchner, die befürchtet hatten, mit der Finanzierungszusage für den Auerbergtunnel vor gut zwei Wochen könnten sie in Vergessenheit geraten. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) nutzt die Gelegenheit, um eindringlich an die Politiker zu appellieren, dieses Projekt niemals in die zweite Reihe zu schieben. Entsprechend erfreut vernahm sie Scheuers Zusage, will diese aber schriftlich – sagt’s mit Goethe: „Nur was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“

Baustart beim Kramertunnel: Symbolische erste Sprengung ist ausgelöst - Die Bilder 

Eine Frau stiehlt den Politikern die Show

Das Megaprojekt Kramertunnel – es ist ein Teil im Verkehrsquartett der Region. Er lässt sich nicht isoliert vom Oberauer, dem Auerberg- und dem Wanktunnel betrachten. Gefeiert aber wird er am Ende doch ganz allein. An diesem „historischen Tag“, wie ihn Landrat Anton Speer nennt, an diesem „großartigen Tag für das Werdenfelser Land“, wie ihn CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betitelt. An diesem Tag, an dem auch die Politiker – sofern ihr Ego überaus ausgeprägt und empfindlich ist – eifersüchtig werden könnten. Eine Frau stiehlt ihnen die Show. Ohne Bau- und Finanzierungsversprechen. Dafür mit Herz und Charme.

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Dank Tanja Dobrindt sieht man nicht mehr nur ein beeindruckendes, technisch schwieriges und sündhaftteures Verkehrsprojekt – 263,6 Millionen Euro sind veranschlagt – und Bayerns längsten Straßenbautunnel – 3,6 Kilometer wird er einmal messen. Vielmehr sieht man die Menschen dahinter. „Meine Jungs“, wie Tanja Dobrindt sie in ihrer Rede nennt. Sie ist die Ehefrau des Politikers, vor allem aber Tunnelpatin.

Überrascht habe sie der Anruf aus dem Straßenbauamt Weilheim. Und erfreut. Sie weiß, welche große Rolle die Tunnelpatin, die irdische Vertreterin der Heiligen Barbara und Schutzpatronin, für die Mineure spielt. Diese Aufgabe „nehme ich mit Ehrfurcht an“, werde die Männer mit aller Kraft unterstützen. Sie hat die Mannschaft kennengelernt und gespürt: „Ihr seid eins mit dem Berg, in dem Ihr arbeitet, Ihr respektiert ihn.“ Und leisten Außergewöhnliches. Man müsse sich das vorstellen, betont Tanja Dobrindt. „Meine Jungs“ haben 1985 Meter Fels über sich, bis zu 3600 Meter Fels vor sich, arbeiten im Dauerdunkel. Und bringen mit ihrem Einsatz dem Ort „endlich die Entlastung, auf die er so lange gewartet hat“. 

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