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Totalschaden an der Seilbahn Zugspitze: Fünf Millionen Euro zahlt die Versicherung nach dem Unfall.

Ein Jahr voller Höhen und Tiefen

Trotz verheerendem Unfall: Bayerische Zugspitzbahn zieht Jahresbilanz - mit überraschendem Ausgang

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Die Eröffnung der Seilbahn Zugspitze, der Totalschaden an einer ihrer Kabinen - hinter der  Zugspitzbahn liegt ein ungewöhnliches Jahr. Trotzdem verzeichnet sie ein Rekordergebnis.

Garmisch-Partenkirchen – Matthias Stauch ist ein Mann der Zahlen. Einer, der sich zurückhält mit Gefühlsäußerungen. Die Bilanz 2017/18 stimmt aber auch den eher nüchternen Kaufmann euphorisch. „Hinter uns liegt ein außergewöhnliches Geschäftsjahr“, sagt der Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Eines, „das nur durch die großartige Zusammenarbeit all unserer Mitarbeiter möglich war, die an ihr Maximum, teilweise auch an ihre Grenzen gegangen sind“. Und eines, das alle bisherigen Rekorde übertrifft und dem Bergbahn-Unternehmen einen satten Gewinn in die Kasse spülte. „Einmalig“ nennt Stauch das Ergebnis in Höhe von 7,5 Millionen Euro. „Das werden wir nicht so schnell toppen.“

So konnte nicht nur der Verlustvortrag in der Bilanz über 5,8 Millionen Euro ausgeglichen, sondern erstmals auch ein Gewinn an die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen abgeführt werden. 1,7 Millionen Euro flossen an das Kommunalunternehmen, dass 100 Prozent der BZB-Aktien hält. Dass es irgendwann dazu kommt, war Werke-Chef Wotan Lichtmeß immer klar gewesen. „Ich habe von Anfang an an die BZB geglaubt“, unterstreicht er. „Allerdings hat mich der Zeitpunkt überrascht.“

Neuer Rekord bei Garmisch: Zugspitze lockte 667.596 Gäste an 

Da geht’s ihm wie den Vorständen der Zugspitzbahn. Stauch und Peter Huber, der für den technischen Part zuständig ist, hatten ebenfalls nicht mit derart guten Zahlen gerechnet. Und das in einem Jahr, in dem das Unternehmen alle Höhen und Tiefen durchleben musste. „Einmalig“ findet Stauch, was ihm und seinen Kollegen vom 1. November 2017 bis 31. Oktober 2018 widerfahren ist. Von derEröffnung der Seilbahn Zugspitze, die dafür sorgte, dass erstmals mehr Menschen auf Deutschlands höchsten Berg gefahren sind, als zu Zeiten nach der Wiedervereinigung. „Da waren’s über 600.000“, erinnert sich Huber. Die Kombination neue Bahn und „Sommermärchen von April bis Oktober“ sorgte dafür, dass in diesem Geschäftsjahr 667.596 Gäste die Zugspitze besuchten. Und das trotz des verheerenden Unfalls bei einer Notfallübung Mitte September.

Stolz präsentierte Peter Huber (2. v. r.) die Betriebsgenehmigung für die Seilbahn Zugspitze (v. l.) Regierungspräsidentin Brigitta Brunner, den Ministern Joachim Herrmann und Ilse Aigner sowie seinem Vorstandskollegen Matthias Stauch.

Nachdem eine Kette bei einem Bergewagen gerissen war, kollidierte dieser mit einer der Kabinen, was zum Totalschaden führte. Mit der unguten Folge: Die Anlage stand mehrere Monate still. Noch heute sieht man Stauch und Huber die Erleichterung darüber an, dass der Bau der neuen Kabine und alle weiteren Reparaturen in Rekordzeit erfolgt sind. Vor Weihnachten ging die Seilbahn Zugspitze wieder in Betrieb. Zwar liegt das Gutachten, wie es zu diesem Unfall kommen konnte, noch immer nicht vor. Dafür die Zahlen: Auf fünf Millionen Euro beziffert Stauch den Schaden – aufgeteilt in 1,7 für die Betriebsunterbrechung und 3,3 an der Anlage. „Das deckt unsere Versicherung in vollem Umfang ab.“

Seilbahn-Unfall an Zugspitze führte weltweit zu Nachrüstungen

Der Unfall, mit dem niemand in der Branche gerechnet hatte, beschäftigte aber nicht nur die BZB, sondern Seilbahn-Betreiber weltweit. „Das hat zu Nachrüstungen geführt“, sagt Huber. Das Vertrauen in die Technik sei dadurch nicht erschüttert worden, meint er. Weder bei Gästen, noch bei Mitarbeitern.

Zufrieden mit dem damaligen Krisenmanagement und vor allem mit den vorliegenden Zahlen ist auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die zudem Aufsichtsratsvorsitzende ist. Noch gut erinnert sie sich an die schwierigen Zeiten, in denen das Unternehmen rote Zahlen geschrieben hatte. Die Wende setzte 2006/07 ein, als erstmals eine schwarze Null geschrieben wurde. Ab diesem Zeitpunkt ging’s bergauf. Die aktuelle Entwicklung „ist ein Verdienst der Herren Lichtmeß, Stauch und Huber“, unterstreicht Meierhofer. Nur durch den Beherrschungsvertrag, der mit den Gemeindewerken besteht, Hubers hervorragender Planung der neuen Seilbahn und dem kaufmännischen BZB-Vorstand Stauch, der alle Zahlen im Griff habe, sei „dieses außergewöhnliche Geschäftsjahr“ möglich gewesen.

Bilanz der Zugspitzbahn: Die Zahlen 2017/18 im Überblick

Gesamtleistung:

55,8 Millionen Euro (2016/17: 43,0)

Umsatz:

54,7 Millionen Euro (42,3)

Umsatz Bahnen und Lifte:

44,2 Millionen Euro (33,3)

Zugspitze:

27,1 Millionen Euro (18,6)

Garmisch-Classic:

15,2 Millionen Euro (13,0)

Wank:

1,9 Millionen Euro (1,7)

Umsatz Gastronomie:

6,5 Millionen Euro (5,7)

Erstzutritte:

1,4 Millionen Gäste (1,1)

Zugspitze:

667 596 Gäste (475 311)

Garmisch-Classic:

619 875 Gäste (554 287)

Wank:

101 618 Gäste (97 233)

Jahresüberschuss:

7,5 Millionen Euro (511 585)

Investitionen:

18,9 Millionen Euro (17,8)

Verbindlichkeiten:

54,8 Millionen Euro (56,0)

Personal:

354 Mitarbeiter (333)

Auszubildende:

12 Lehrlinge (8)

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