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Alte Burg: 47 Jahre steht das Vinzenz-Heim am Hölzlweg in Partenkirchen.

Großprojekt am Bahnhof Garmisch-Partenkirchen

40 Millionen für neues Vinzenz-Heim

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40 Millionen Euro soll das neue Vinzenz-Heim kosten. Entstehen wird der Bau am Bahnhof Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen – 47 Jahre hat das Gebäude auf dem Buckel. Und nicht wenige in Garmisch-Partenkirchen werden sagen: Man sieht’s ihm auch an. Genau deshalb hat die Caritas – der Betreiber – entschieden, dass das Altenpflegeheim St. Vinzenz am Hölzlweg im Ortsteil Partenkirchen eine neue Heimat bekommen soll. Angedacht war einmal das Abrams-Gelände am Garmischer Friedhof, nun aber steht fest: Es wird einen Neubau auf dem sogenannten Campus südlich des Bahnhofs geben, den die Longleif GaPa gGmbH als Bildungs- und Forschungszentrum entwickelt. Ein 40-Millionen-Euro-Projekt, das Caritas-Kreisgeschäftsführer Alexander Huhn als großen Fortschritt preist: „Dort entsteht ein lukratives und differenziertes Angebot im Pflegebereich.“

Unsicherheit unter Anwohnern

Begeisterung, die nicht jeder teilt. Vor allem unter Bewohnern und bei Angehörigen herrscht Unsicherheit. Stimmen werden laut, die ein Altenheim eingepfercht ins Gleisdreieck inmitten des Bahnhofsareals anprangern. Bedenken und Ängste, die die Verantwortlichen teilweise nachvollziehen können – aber auch ausräumen wollen. Das St.-Vinzenz-Heim am bisherigen Ort habe schlicht keine Zukunft mehr, betont Viktor Wohlmannstetter, der Geschäftsführer der Longleif gGmbH, die als hundertprozentige Tochter der Marktgemeinde die 56 Millionen Euro der Leiftheit-Stiftung verwaltet – und für Altenpflege-Projekte auch ausgibt. „Das Gebäude erfüllt die heutigen Anforderungen hinsichtlich Barrierefreiheit nicht mehr, die der Gesetzgeber vorgibt.“ Es gebe zwei Alternativen: Generalsanierung oder Neubau.

Experten: Nur Neubau kommt in Frage

Die Entscheidung für Letzteres fiel nicht willkürlich. „Im jetzigen Bestand zu sanieren, würde gar nicht gehen“, klärt Huhn auf. Abreißen und neu bauen – nur so würde es funktionieren. Doch das zöge einen Rattenschwanz nach sich. „Wir müssten entwohnen und sukzessive verkleinern.“ Dadurch würden viele Pflegeplätze für einen längeren Zeitraum wegfallen. „Danach hätten wir zwei bis drei Jahre Baulärm, die Bewohner müssten zudem ständig umziehen“, gibt Huhn zu bedenken. Aus Sicht der Experten kam somit nur die Variante Neubau an anderer Stelle in Frage. „So bleiben wir vorerst im bestehenden Heim und können dann quasi in einem Aufwasch umziehen.“

Zwei Jahre für Planung

Eile ist nicht geboten. „Die nächsten vier oder fünf Jahre bleibt alles, wie es ist.“ Schließlich lässt sich eine neue Pflegeeinrichtung nicht im Expresstempo aus dem Boden stampfen. Zwei Jahre werden für die Planung draufgehen, kündigt Huhn an. 2025 solle der gesamte Campus in Betrieb gehen, betont Wohlmannstetter. das ist die Wunschvorstellung. „Wobei einzelne Teile durchaus früher starten könnten.“ Zeitdruck gibt es keinen: Denn vorerst ist der Betrieb im Vinzenz-Heim am Hölzlweg nicht akut gefährdet.

Neuer Ortsteil

Den Status quo zu erhalten, ist aber nicht die Denkweise bei der Caritas. „Heutzutage baut man kein klassisches Altenheim mehr“, stellt Huhn klar. „Wir haben viel mehr Möglichkeiten.“ Auf dem Campus sei das Projekt ideal zu verwirklichen. Die Kritik am Standort kann Huhn nicht Nachvollziehen. „Klar ist dort die Bahn, aber die stellt kein Problem dar. Wir sind am Südrand von Garmisch-Partenkirchen, wir werden Fuß- und Radwege haben, die direkt in die Natur führen.“ In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof entstehe in den kommenden Jahren quasi ein neuer Ortsteil.

Gute Anbindung

Auch hinsichtlich der Verkehrsanbindung brauche sich kein Bewohner oder Angehöriger Sorgen zu machen. Das verdeutlicht Professor Dr. Johannes-Peter Haas vom Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie, das hinsichtlich des Pflege-Bildungszentrums involviert ist. „Natürlich muss die Anbindung an den öffentlichen Verkehr für alle geregelt werden.“ Allein durch den Universitäts-Standort der TU München für Robotik und die Schule, die auf dem Campus entstehen, „haben wir an einem Wochentag an die 300 bis 400 Pendler. Von den Schülern ist sicher ein Drittel minderjährig“, sagt der Ärztliche Direktor am Rheumazentrum. Der Autoverkehr solle aus dem Viertel so gut wie verbannt werden.

Austausch stärken 

Im Zusammentreffen der Generationen liegt grundsätzlich ein Reiz dieser Lösung. „Wir wollen diesen Austausch stärken“, betont Huhn. Daher soll das neue Pflegeheim auch eine Kindertagesstätte beinhalten.

Mehr Kapazität

Einen entscheidenden Pluspunkt für den neuen Standort stellt die Kapazität der neuen Einrichtung dar. „Wir haben am Hölzlweg Platz für 70 Patienten“, betont Huhn. Auf dem Campus werde für 90 Pflegebedürftige geplant. „Dazu kommen 40 Apartments für betreutes Wohnen mit Tagespflege.“ Macht in der Summe Platz für 130 Menschen – das ist fast eine Verdoppelung des Angebots. „Und“, ergänzt Huhn, „wir können dort für die nächsten 40 Jahre planen.“

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