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Nicht mehr in Deutschland befindet sich nach seiner Abschiebung Ali L. (Symbolfoto).

Bräustüberl-Wirt ist entsetzt

Ali L.: Zuverlässig, fleißig, abgeschoben

Wenn Geflüchtete abgeschoben werden, sorgt das immer wieder für Debatten. Insbesondere dann, wenn diese Menschen gut integriert waren und Arbeit hatten. Wie der Iraner Ali L., der im Garmisch-Partenkirchner Bräustüberl tätig war.

Garmisch-Partenkirchen – Das Bräustüberl in Alt-Garmisch kann auf eine 350-jährige Geschichte zurückblicken. Seit fast drei Jahren arbeitete der Iraner Ali L. in dem Wirtshaus. „Ali war immer zuverlässig, sehr fleißig und freundlich“, betont Robert Gebhart, Chef des Bräustüberls. In einem Facebook-Post schreibt er, dass der 36-jährige Iraner „seine Arbeit sehr ernst genommen und sich zu einem sehr wichtigen Küchen-Mitarbeiter entwickelt“ hat. „Er hat sich selbst eine Wohnung gesucht und Miete bezahlt, hat Deutschkurse gemacht und sehr gut deutsch gesprochen, hat den Führerschein hier nochmals gemacht.“ Darüber hinaus wurde er laut Gebhart „hier vom heimischen Pfarrer noch getauft, da er zum katholischen Glauben übergewechselt ist, hat vor Kurzem noch eine neue Arbeitsgenehmigung bekommen, aber keine Aufenthaltsgenehmigung mehr“. Ali L., betont Gebhart, habe „sich nie was zu Schulden kommen lassen“.

Um 7 Uhr morgens abgeholt

Ali L. ist seit ein paar Tagen nicht mehr in Garmisch-Partenkirchen. Er wurde abgeschoben. Nach Gebharts Angaben wurde der Iraner in der Früh um 7 Uhr „von vielen Polizisten aus dem Schlaf gerissen und abgeholt, um 16 Uhr war er schon im Flieger auf dem Weg in den von ihm so gefürchteten Iran“.

Laut Florian Hibler, Leiter der Ausländerbehörde im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, war Ali L. 2016 mit gefälschten Papieren illegal eingereist. „Er hat sich als Syrer ausgegeben.“ Im selben Jahr stellte er einen Asylantrag, der abgelehnt wurde. Dagegen klagte der Iraner, allerdings erfolglos. 2018 stellte der 36-Jährige einen so genannten Asylfolgeantrag. Dieser war ebenfalls nicht erfolgreich. Ali L. strengte eine weitere Klage an. Diese ist heuer abgewiesen worden.

Iraner war „ausreisepflichtig“

Nach Hiblers Angaben war der Iraner ausreisepflichtig, war aber geduldet. Ali L. „ist auch strafrechtlich in Erscheinung getreten“. Näheres teilt Hibler aus Gründen des Datenschutzes nicht mit. Nur so viel: Der Iraner „war kein massiver Straftäter“.

Bräustüberl-Wirt Gebhart erzählt, Ali L.’s „Bruder wurde vor seiner Familie erschossen, und er hat immer gesagt ,Chef, wenn ich zurück muss, werde ich umgebracht‘! Er hatte immer panische Angst vor diesem Tag.“ Beim ersten Asylantrag gab der Iraner Hibler zufolge Armutsmigration als Grund an, beim zweiten den Wechsel zum christlichen Glauben.

Keine Möglichkeit, sich zu verabschieden

Gebhart versteht die Welt nicht mehr: „Was muss ein Mensch noch tun, um bleiben zu dürfen? Wir haben ihn hier ausgebildet. Wir verlieren nicht nur einen sehr wichtigen Mitarbeiter, das in der heutigen Zeit, sondern auch einen Freund und Kollegen. Deutschland verliert einen fleißigen und ehrlichen Steuerzahler und die Vermieterin einen zuverlässigen Mieter. Er hatte nicht mal die Möglichkeit, bei den Menschen, die ihm ans Herz gewachsen sind, sich zu verabschieden.“ Der Wirt fragt sich: „Wo bitte sind denn da die Menschenrechte?“ Die ganze Zeit höre er, „wir brauchen Fachkräfte“.

Belegschaft ist betroffen

Gebharts Familie, er selber und die Belegschaft sind sehr betroffen und traurig über diesen Verlust. Ali L. gehörte einfach dazu. „Wir waren so etwas wie eine Ersatzfamilie“, erzählt der Wirt am Telefon. Der Iraner „war ein sauwichtiger Mitarbeiter“, richtete Salate an, Desserts und anderes. „Man spricht davon, dass er den besten Kaiserschmarrn in Garmisch-Partenkirchen macht.“ In einem weiteren Facebook-Post betont Gebhart, „dass ich mit dem Artikel über die Abschiebung auf gar keine Art und Weise unsere Polizei angreifen wollte, die muss den Sch... auch nur ausführen“. Er habe „großen Respekt vor der Arbeit unserer Polizei“. Einige Facebook-Nutzer können angesichts dieser Geschichte nur den Kopf schütteln. „Da ist wieder mal fremdschämen angesagt.“ Eine andere Nutzerin schreibt: „Leider werden oftmals die Verkehrten abgeschoben.“

Geringe Anerkennungsquote bei Menschen aus Iran

Hibler sagt, dass er den Wirt verstehen kann. „Aber bei unsicherer Bleibeperspektive muss ich damit rechnen, dass die Person einmal nicht mehr da ist.“ Bei Menschen, die aus dem Iran kommen, gibt es ihm zufolge „eine geringe Anerkennungsquote“.

Roland Lory

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