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Bald werden wieder Stühle und Tische vor dem Gasthof Fraundorfer aufgestellt. Er wird nicht geschlossen.

Wirtshaus tritt Gerüchten entgegen

Gasthof Fraundorfer: Betrieb bleibt in gewohnter Form erhalten

Der Gasthof Fraundorfer in Garmisch-Partenkirchen bleibt in gewohnter Form erhalten. Dies macht Chefin Barbara Fraundorfer gegenüber dem Tagblatt deutlich.

Garmisch-Partenkirchen – Gerüchte über eine Schließung der Gastronomie hat es seit eineinhalb Jahren gegeben. Doch der Betrieb im Gasthof Fraundorfer geht weiter wie gewohnt. Weil es Ärger mit einem Nachbarn wegen Ruhestörung gab, war die Rede davon, dass beim Traditionsbetrieb im Herzen Partenkirchens zurückgefahren wird. „Ich bin verwundert, wie hartnäckig sich das Gerücht gehalten hat“, sagt Barbara Fraundorfer, die den Gasthof mit 25 Mitarbeitern führt.

Im Juni 2018 beschwerte sich ein Nachbar zunächst bei Fraundorfer über den abendlichen Lärm an der Ludwigstraße, der laut ihm unter anderem von der benachbarten Vinoteca Salute stammte. Eine Woche später erhielt die Gasthausbetreiberin dann ihrerseits ein Schreiben eines Rechtsanwalts, in dem sich der Nachbar über die Lärmbelästigung aus dem an der Straße gelegegen Biergarten des „Fraundorfer“ mokierte. Die Tortur ging weiter: Anschließend bekam die Wirtshaus-Chefin einen Brief von Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer (SPD), die die Schließung der Außengastronomie „androhte“. Daraufhin schlug Fraundorfer vor: „Dann stellen wir um auf Hotel Garni.“ Das hätte zur Folge gehabt, dass der Restaurationsbetrieb eingestellt wird und sich das Unternehmen nur noch auf Übernachtungen mit Frühstück spezialisiert. 

Mittlerweile hat sich die Situation aber wieder beruhigt. Der Nachbar klagt nicht mehr. Auch sonst gibt es keine Beschwerden wegen Lärmbelästigung. „Der Betrieb geht weiter, auch der Restaurationsbetrieb bleibt erhalten“, erklärt die 54-Jährige. Jedoch plagen sie Zweifel. Sollten aus ihrer „legendären Mannschaft“, die aus 25 Mitarbeitern in Küche, Service und Etage besteht, mehrere Kräfte wegfallen, steht das Modell Hotel Garni wieder zur Debatte. 

Auch wenn es erneute Beschwerden von Nachbarn gibt, ist der Wirtshaus- und Biergartenbetrieb in Gefahr. Doch soweit ist es vorerst noch nicht gekommen. „Ich konnte die Vorwürfe nicht nachvollziehen“, sagt Fraundorfer rückblickend. Im Traditionsgasthof wird darauf geachtet, dass die Musik in der Wirtsstube um 22 Uhr ihr Spiel einstellt und auch der Biergartenbetrieb endet um dieselbe Zeit. „Wir schauen immer, dass es ruhig ist.“ Denn: Im Außenbetrieb müsse sich der Gasthof an die gemeindliche Biergartenverordnung halten und schon um 22 Uhr die Gäste bitten, den Heimweg anzutreten. Der Grund auf dem Trottoir und der Straße ist im Besitz von Garmisch-Partenkirchen. Daher zahlt der „Gasthof Fraundorfer“ von April bis Oktober Pacht an die Marktgemeinde. Die Bayerische Biergartenverordnung sieht hingegen erst eine Schließung um 23 Uhr vor. 

Am 1. Mai vergangenen Jahres feierte der Gasthof Fraundorfer sein 90-jähriges Bestehen. Der Betrieb wird in dritter Generation von der Familie geleitet. Der Opa der heutigen Chefin, Josef Fraundorfer, ersteigerte 1929 das Gasthaus. Der Großvater war in jungen Jahren aus familiären Gründen in Frankreich und England unterwegs. An Heiligabend war dort jede Kneipe und jeder Gasthof geschlossen. Fraundorfer senior schwor sich, sein eigenes Wirtshaus an Weihnachten immer aufzusperren. Gesagt, getan: An Heiligabend ist der Gasthof Fraundorfer stets geöffnet. Auch 2019 war es wieder „brechend voll“, berichtet die Wirtshaus-Chefin. Sogar der Nachbar, der sich vor eineinhalb Jahren über die sommerliche Lärmbelästigung beschwert hatte, war an Heiligabend zu Gast.

Alexander Kraus

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