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Frisches Brot: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten beklagt, dass unter anderem in Bäckereien der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten besonders hoch sei. 

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten schlägt Alarm

Niedriglohn: Vielen reicht das Geld am Monatsende nicht

Hotels und Gaststätten, aber auch manche Handwerksbetriebe müssten endlich deutlich höhere Löhne zahlen. Dies fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Der Hotel- und Gaststättenverband und die Kreishandwerkerschaft haben eine ganz andere Sicht der Dinge.

Landkreis – Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Rosenheim-Oberbayern (NGG) fährt schwere Geschütze auf. „Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen arbeiten rund 4400 Vollzeit-Beschäftigte zum Niedriglohn.“ Damit liege jeder vierte Arbeitnehmer (25,3 Prozent) trotz voller Stundenzahl unter der amtlichen Niedriglohnschwelle von aktuell 2203 Euro brutto im Monat. Geschäftsführer Georg Schneider spricht von einem „Alarmsignal“. Tausende Menschen hätten trotz langer Arbeitstage enorme Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. „In Metzgereien, Bäckereien, Fastfood-Betrieben, Restaurants und Hotels ist der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten dabei besonders hoch“, beklagt Schneider. „Hier müssen die Firmen endlich deutlich höhere Löhne zahlen.“

Zahlen der Arbeitsagentur

Schneider beruft sich auf Zahlen der Arbeitsagentur. Demnach liegen bundesweit 53 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Lebensmittel- und Gastgewerbe unter der Niedriglohngrenze. Eine Hauptursache für diesen Zustand ist nach NGG-Einschätzung die schwindende Tarifbindung. „Auch im Kreis Garmisch-Partenkirchen zahlen immer weniger Hoteliers und Gastronomen nach Tarif. Statt mit dem Tariflohn von 13,34 Euro pro Stunde geht ein gelernter Koch dann nur mit dem Mindestlohn von 9,19 Euro nach Hause. Wie soll man damit eine Familie durchbringen?“, kritisiert Schneider. Um diesen Trend zu stoppen, müssten sich Firmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, an die mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge halten und armutsfeste Löhne zahlen.

„Weltfremde Aussage“

Daniel Schimmer, Manager des Hotels Garmischer Hof und stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands, hakt bei dem Mindestlohn von 9,19 Euro ein. Schneiders Aussage, „dass es gelernte Köche gibt, die für einen Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde arbeiten, ist in meinen Augen weltfremd, denn selbst für seinen genannten Tariflohn von 13,34 Euro finden sie heute keinen gelernten Koch mehr, der in Garmisch-Partenkirchen arbeitet“. 

Problem Wohnraum

Aus Schimmers Sicht besteht das eigentliche Problem darin, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Für Garmisch-Partenkirchen bedeute dies, dass es endlich einen Stopp an weiteren Ferienwohnungen und Hotels geben und ein dringend notwendiges Wohnheim für Auszubildende realisiert werden müsse. „Unzählige neue Betten sind in den letzten Jahren in unserem Ort entstanden, die viele neue Arbeitsplätze schufen, jedoch keine Wohnungen für diejenigen, die sich um den Unterhalt dieser Objekte kümmern.“ Dringend benötigten Azubis in allen Branchen müsse laut Schimmer abgesagt werden, weil kein bezahlbares Appartement existiert.

Gelernte oder ungelernte Arbeiter?

Bei den von Schneider genannten 4400 Vollzeit-Beschäftigten, die zum Niedriglohn arbeiten, stellt sich Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl zuerst die Frage, ob es sich um ungelernte oder um Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung handelt und wieviele Jahre Berufserfahrung sie vorweisen können. „Ungelernte mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung haben nach dem derzeit gültigen Tarifvertrag einen Stundenlohn von 12,44 Euro.“ Fachkräfte mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung bekommen ihm zufolge 14,58 Euro. „Beide Stundensätze liegen weit über dem Mindestlohn.“ 

Schwierige Suche nach Lehrlingen oder Fachkräften 

Natürlich könne er nicht dafür die Hand ins Feuer legen, dass alle seine Bäcker- und Metzgermeister die Tariflöhne anwenden. „Aber nachdem es bekannterweise sehr schwierig ist, überhaupt Lehrlinge oder Fachkräfte für unsere Lebensmittelhandwerke zu finden, ist es unwahrscheinlich, dass nicht entsprechend bezahlt wird, denn dann würden meine Handwerksmeister ja keine Mitarbeiter mehr haben.“

Roland Lory

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