Fordert einen hauptamtlichen Koch-Stellvertreter: Dr. Stephan Thiel.
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Fordert einen hauptamtlichen Koch-Stellvertreter: Dr. Stephan Thiel.

Vor der Konstituierenden Sitzung am 13. Mai

Garmisch-Partenkirchner Grüne: Nein zu Teilzeit-Bürgermeister 

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Die Frontlinien sind gezogen, noch bevor sich der neue Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat konstituiert hat. Bündnis 90/Die Grünen fordern einen hauptamtlichen Zweiten Bürgermeister, während die neue Rathaus-Chefin Elisabeth Koch mit Claudia Zolk eine Teilzeitkraft favorisiert. Damit birgt schon die erste Sitzung Zündstoff.

Garmisch-Partenkirchen – Das Gefühl: zwiespältig. Irgendwie fühlt man sich bei Bündnis 90/Die Grünen zwar als Wahlsieger, aber dann doch wieder nicht so richtig. Man stellt im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat mit fünf Sitzen die zweitgrößte Fraktion, von der Macht bekommt man nicht einmal einen kleinen Zipfel zu fassen. Dafür gesorgt hat die CSU, der echte und doppelte Wahlgewinner. Elisabeth Koch eroberte den Bürgermeisterposten, in ihrem Fahrwasser sicherten sich die Christsozialen, zwölf Jahre in der Opposition, fast die absolute Mehrheit. So etwas gibt Selbstvertrauen und mindert die Lust, andere zu beteiligen oder mit Einfluss auszustatten. Schon gar nicht solche Parteien, die irgendwann gefährlich werden könnten. Eine Partei wie die Grünen. Deren Bürgermeisterkandidat Dr. Stephan Thiel leitet aus dem Wahlergebnis den Anspruch auf den Posten des Zweiten Bürgermeisters ab. Koch und die CSU ließen ihn abblitzen und sicherten sich die Dienste von Claudia Zolk – und damit auch die beiden CSB-Stimmen.

Nicht kampflos hinnehmen

Ein Schlag ins Gesicht – für Thiel und die Öko-Partei. Der streitbare Physiker und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexandra Roos-Teitscheid wollen das abgekartete Spiel nicht kampflos hinnehmen. Vor allem sehen beide es als Fehler an, dass Zolk die Aufgaben der Zweiten Bürgermeisterin in Zukunft quasi als Teilzeitkraft bewältigen soll. Wolfgang Bauer, Vize der bisherigen Rathauschefin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), versah seinen Job sechs Jahre als Beamter auf Zeit – hochbesoldet und mit Pensionsansprüchen. „Die Zeichen stehen auf Bewältigung von Krisen und nicht auf Dreiviertelstellen“, heißt es in einem Antrag, den Bündnis 90/Die Grünen für die erste Sitzung unter Kochs Federführung stellen.

Grüne: Mehr Aufgaben zu bewältigen

Thiel und Roos-Teitscheid, die das Papier unterschrieben haben, fordern einen hauptamtlichen Koch-Stellvertreter. Der stelle ein klares Bekenntnis zu derzeitigen Situation dar. Die Begründung: Die Anforderungen der kommenden sechs Jahre dürften im Vergleich zu denen der vergangenen Periode in keinem Bereich geringer ausfallen. Wahrscheinlicher, so Thiel und Roos-Teitscheid, ist ein Mehr an Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Beide nennen die Lösung der Zukunftsfrage des Kongresshauses, die Sanierung der Schulen, die Umsetzung der Klimaziele in Garmisch-Partenkirchen oder die Wiederankurbelung des Tourismus. „Das erfordert eine Verteilung auf zwei volle Schultern und nicht auf eine Ganze und eine dreiviertelte“, meint Thiel. Auch verlangt die auf fünf Sitze angewachsene Grünen-Fraktion eine Stärkung der Position des Zweiten Bürgermeisters. Sein Verantwortungsbereich müsse durch den Vorsitz im Bauausschuss erweitert werden. Kochs Plan sieht vor, dass die zweite Frau oder der zweite Mann im Markt lediglich den Sozial- und Ordnungssausschuss führen soll. „Beides zusammen ergäben ein echtes Profil“, meint Thiel.

Konstituierende Sitzung am 13. Mai

Über den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen entscheidet der Gemeinderat im Rahmen seiner Konstituierenden Sitzung, die am Mittwoch, 13. Mai, um 16 Uhr im Festsaal Werdenfels des Kongresshauses stattfindet, vor der Wahl des Zweiten Bürgermeisters. Sollte sich die Mehrheit der Kommunalpolitiker den Wünschen der Grünen-Fraktion anschließen, dann deutet viel darauf hin, dass Thiel seinen Hut in den Ring wirft und gegen Zolk antritt. Die hat für sich geworben, indem sie den anderen Parteien angeboten hatte, sie zu besuchen und sich vorzustellen. Dankend verzichtet haben die Grünen und die Freien Wähler.

Edenhofers Ambitionen

Eine Absage aus nachvollziehbaren Gründen. Neben Thiel hegt auch Freien-Chefin Lilian Edenhofer Ambitionen. Im Gegensatz zu Thiel hat sie sich eindeutig positioniert. „Ich trete an. Das ist im Sinne der Demokratie“, hatte Edenhofer schon vor drei Wochen erklärt, als durchgesickert war, das Koch und Zolk gemeinsame Sache machen wollen.

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