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Die rote Linie kennzeichnet grob den Weg, den die Lkw zur Lagerfläche „Auwald“ nehmen würden – ohne Beeinträchtigung des normalen Straßenverkehrs und ohne Verschmutzung der Fahrbahn.

Wohin mit dem Kramertunnel-Aushub?

Abraum erhitzt die Gemüter: Punkt heute Thema im Bau- und Umweltausschuss

Wohin mit dem Abraum, der beim Bau des Kramertunnels entsteht? Ein Bürger hat der Gemeinde jetzt eine Fläche an der Loisach als Zwischenlager angeboten.

Garmisch-Partenkirchen – Die Diskussionen gehen in eine neue Runde. Wohin mit dem Abraum aus dem Kramertunnel? Ins Unterfeld an die grüne Pforte der Marktgemeinde? Auf keinen Fall, sagen unter anderem Hannes Biehler (CSU) und Andreas Grasegger (Bayernpartei) und können sich dafür der Unterstützung zahlreicher Garmisch-Partenkirchner Bürger sicher sein. Nun steht eine Alternativfläche auf der Tagesordnung des Bau- und Umweltausschusses: die Grundstücke mit den Flurnummern 1191 und 1195/1, die sich nördlich des Ortsbereichs Am Brünnl befinden.

Peter Schliederer ist aufgebracht. „Die Bürger müssen bei einer solchen Entscheidung doch mitgenommen werden“, beklagt der ehemalige CSB-Gemeinderat und verweist auf die „enorme Belastung“, die auf die Bewohner Am Brünnl ab nächstem Jahr zukommen würde, sollte sich das Gremium dafür entscheiden. „Auch wenn dort eine zehn Meter hohe Lärmschutzwand zur Wohnbebauung hin errichtet werden soll, den Staub und den permanenten Lkw-Verkehr wird man damit nicht fernhalten können“, ist er überzeugt.

Grundstück südlich des Golfplatzes als „Königslösung“

Dabei gibt es aus seiner Sicht eine „Königslösung“: Südlich des Golfplatzes besitzt Hubert Wörmann ein Grundstück direkt an der Loisach, etwa 7500 Quadratmeter groß. „Diese Fläche habe ich der Gemeinde für die Zwischennutzung als Lagerstätte bereits angeboten“, sagt Wörmann. Die Ablehnung aus dem Rathaus kam prompt: Es handelt sich um einen als Auwald deklarierten und damit geschützten Bereich. Ein Totschlagargument, wie es Schliederer bezeichnet. Ärgerlich sei nach seiner Ansicht nur, dass sich niemand intensiver mit dem Thema befasst und die Mühe einer sorgfältigen Prüfung auf sich nimmt.

Schliederer: „Dieser Auwald ist eigentlich gar keiner mehr, da er schon seit gut 20 Jahren nicht mehr überschwemmt worden ist.“ Ein wichtiges Charakteristikum für ein solches Schutzareal. Provisorische Ufererhöhungen verhindern den Überlauf der Loisach in diesem Bereich, um die Burgrainer vor Hochwasser zu schützen. Schliederer hat sich schlau gemacht und im Bayerischen Naturschutzgesetz unter Paragraph 30 eine Möglichkeit gefunden, wie Gemeinden Schutzgebiete aufheben können. Ausnahmen seien zu beantragen, wie Dr. Oliver Konopik vom Bayerischen Umweltministerium Schliederers Anfrage bestätigt. Auch eine passende Ersatzfläche hat der ehemalige Kommunalpolitiker bereits ausgemacht: „Nordwestlich vom Weidlegraben gibt es einen aktiven Auwald, der aber als solcher nicht deklariert ist.“ Von der Größe in etwa gleich dem Wörmann-Grundstück.

Wörmann versteht die Gemeinde nicht

Wörmann versteht nicht, warum man seinen Lösungsvorschlag einfach ausschlägt, ohne eine Prüfung durch die Verwaltung zu veranlassen. „Ich stelle mir nur gerade vor, wie die vielen Lkw über die B 23 zum Brünnl fahren, die Straße verschmutzen und den Verkehr behindern“, sagt er und schüttelt den Kopf. Ganz zu schweigen von der Beeinträchtigung der Menschen, die Am Brünnl wohnen und die nächsten sechs Jahre davon betroffen wären. „Und wahrscheinlich noch viel länger, wenn der Wanktunnel kommt“, ergänzt er.

Bei der „Auwald“-Variante würden die schweren Kipplader entlang der Loisach fahren. Hierfür müsste jedoch zunächst ein Wirtschaftsweg von etwa 400 Metern Länge angelegt werden. Später könnte dieser als Fahrradstrecke zwischen Burgrain und Garmisch-Partenkirchen und als Weg für das Wasserwirtschaftsamt genutzt werden, erläutert Schliederer. Auch wären in diesem Zuge die Hochwasserschutzmaßnahmen durch einen Dammbau am Loisach-Ufer gleich mit zu erledigen. Die Kosten hierfür sehen Wörmann und Schliederer als gering an im Vergleich zu einer hohen Lärmschutzwand, die Am Brünnl notwendig wäre. Auch der entstehende Lärm durch das Ab- und Aufladen der Kipper würde auf Wörmanns Grundstück niemanden stören.

Gemeinde Garmisch-Partenkirchen könnte Grundstück kaufen

Im Nachgang der Nutzung als Lagerfläche wären der Unternehmer und seine Partner bereit, das Grundstück an die Gemeinde zu veräußern – für den Sozialen Wohnungsbau zum Beispiel oder für einen Technologiepark.

Die vorgeschlagene Ersatzfläche am Weidlegraben sei ein noch aktiver Auwald, der nach wie vor regelmäßig überschwemmt werde, sagt Schliederer. Auch weise er die charakteristische Bepflanzung auf. Hier müsse die Untere Naturschutzbehörde klären, wem die Flächen gehören und die Schutzbedürftigkeit festlegen. Warum dieser Auwald am Weidlegraben noch nicht als solcher deklariert ist, das versteht weder Schliederer noch Wörmann.

„An erster Stelle muss das Wohl der Menschen stehen, die Variante ,Am Brünnl’ berücksichtigt das nicht“, beklagt Schliederer. Er und Wörmann hoffen, dass sich die Politik diesmal gegen die Verwaltung durchsetzt und eine sinnvolle und praktikable Lösung auf den Weg bringt.

Thomas Karsch

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