Schulstandort, Tankstelle oder Klinikgelände? Entwicklungsgedanken gibt es viele für das PX-Areal. 
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Schulstandort, Tankstelle oder Klinikgelände? Entwicklungsgedanken gibt es viele für das PX-Areal. 

Größere Debatte im Bauausschuss

PX-Areal in Garmisch-Partenkirchen: Neuer Bebauungsplan soll kommen

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Für das PX-Areal in Garmisch-Partenkirchen will die Gemeinde einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Das Thema beschäftigte den neuen Bauausschuss.

Garmisch-Partenkirchen – Der Bebauungsplan Nummer 111 in Garmisch-Partenkirchen birgt Zündstoff. Ende 2020 läuft er aus. Und genau darin besteht das Problem. Denn besagter Plan betrifft das ehemalige PX-Areal zwischen Bahnhof-, Wetterstein und Schachenstraße im Ortsteil Partenkirchen, auf dem aktuell noch die Interims-Containerschule der Erzdiözese für St. Irmengard steht. Ein Großteil des 1,8 Hektar umfassenden Geländes, auf dem einst die US-Amerikaner ihr großes Einkaufszentrum betrieben, ist bisher als Sondergebiet Tourismus ausgewiesen, somit ein möglicher Hotelstandort, der Rest des Areals für Wohnraum angedacht. So sieht es der Plan vor, der 2016 aufgestellt worden war. Noch ist aber auch eine Verlängerung der Nutzung als Schulgelände für die Zugspitz-Realschule eine Option. Dazu muss der Landkreis als Träger der weiterführenden Schulen allerdings noch Stellung beziehen.

Gemeinde schob 2016 Riegel vor

Der Haken in allen Planungen: Das Gelände gehört der Georg Jos. Kaes GmbH aus Mauerstetten im Allgäu, die die V-Märkte betreibt und einen solchen oder zumindest eine Tankstelle samt Waschanlage und Reifenservicestation am Standort gegenüber des Werdenfels-Gymnasiums realisieren möchte. Dem wiederum hat die Marktgemeinde mit besagtem Bebauungsplan 111 damals einen Riegel vorgeschoben und die Bauvoranfrage abgelehnt. Eine gemeinsame Linie gab es bisher nur in der Frage, ob das Areal als Interims-Schulort genützt werden darf. Eine verfahrene Situation, die nun wieder akut wird. Denn: Der Markt wird einen neuen Bebauungsplan aufstellen, der die Inhalte des seit 2016 bestehenden Konstrukts im Wesentlichen fortschreibt, damit wiederum den Interessen der Eigentümer widerspricht.

Neuer Plan soll aufgestellt werden

Die Ausgangssituation schilderte Markus Gehrle-Neff, stellvertretender Bauamtschef, kurz. „Wir wollen nicht den alten Plan weiterführen, sondern einen neuen aufstellen, weil sich die Art der Nutzung erweitert hat“, klärte er die Mitglieder des neuen Bauausschusses auf. Neben einer Absichtserklärung eines Hotelbetreibers, der auf Geheiß von Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) geheim blieb, hat auch das Klinikum Garmisch-Partenkirchen ein Auge auf das Gelände geworfen, könnte sich vorstellen, dort eine lang ersehnte Rehaklinik speziell für die Patienten von endogap zu errichten. „Dazu gibt es bereits eine Bauvoranfrage“, stellte Gehrle-Neff klar.

Keine leichte Aufgabe

Um die Interessen der Gemeinde zu sichern, müsse aber ein neuer Bebauungsplan her. Das Verfahren einzuleiten, dieser Herausforderung sollten sich die Bauausschuss-Frischlinge stellen. Keine leichte Aufgabe, wie sich schnell herausstellte. Ein solcher Brocken für die erste Sitzung, da gab es das eine oder andere Mal Stirnrunzeln – bei den Bauamtsexperten auf der einen, aber freilich auch bei den neuen Kommunalpolitikern auf der anderen Seite. Gebetsmühlenartig mussten Bürgermeisterin Koch, Gehrle-Neff und Bauamtsleiter Jörg Hahn erklären, dass der neue Bebauungsplan nur ein Instrument sei, um künftige Nutzungen zu lenken und Interessen der Gemeinde zu wahren. Diese müssten nun festgelegt, aber keinesfalls gleich umgesetzt werden. Bei Hannes Biehler (CSU) hatten beispielsweise die Alarmglocken geschrillt, als die Rede von einem neuen Hotel war. „Brauchen wir denn noch ein neues? Wir haben doch in letzter Zeit so viele dazubekommen.“ Auch Daniel Schimmer (Freie Wähler), der als Zuschauer die öffentliche Sitzung verfolgte, sah sich als Ortschef des Hotel- und Gaststättenverbands veranlasst, in die Diskussion einzugreifen. Koch gestattete es. „Vor der Wahl hieß es doch immer, dass es einen Stopp bei Hotels geben soll, warum soll denn jetzt die Grundlage geschaffen werden, dass wir noch ein Haus mit 200 Betten bekommen?“ Er sei fast sprachlos.

Keine besseren Alternativen

Hahn beruhigte die Gemüter besonnen, erklärte einmal mehr das Prozedere. „Die Fragen sind sicher berechtigt“, kommentierte er. „Aber so eine Planung hat Auswirkungen auf 20 oder 40 Jahre. Das muss man bedenken. Bei touristischen Bereichen ist es wichtig, dass man sie sichert.“ Die Verwaltung könne den Mitgliedern des Gremiums für das Areal derzeit keine besseren Alternativen liefern. „Soll daraus eine Flaniermeile werden, wo doch die die meisten Verkaufsflächen jetzt schon von der Bahnhofstraße in Richtung der Ortszentren ziehen“, fragte Hahn in die Runde. „Wir sind nicht glücklich, aber die beiden möglichen Nutzungen sind das Vernünftigste, das wir Ihnen anbieten können.“

Nein zu Tankstelle samt Reifencenter

Dass der Markt weiterhin eine Tankstelle samt Reifencenter an der Bahnhofstraße ablehnt, erneuerte Koch ganz offen. „Es besteht kein Interesse an dieser Nutzung.“ Davon wich Koch auch nicht ab, als Martin Kurschatke (Freie Wähler) diese Variante nochmals ins Spiel brachte. Er wollte wissen, ob die Rathaus-Verwaltung der Kaes-Gruppe nicht ein anderes Grundstück für einen Verbrauchermarkt zur Verfügung stellen könne. Koch zuckte mit den Schultern, fragte ihn, ob er die Ausmaße der großen V-Märkte wie in Schongau kenne. „Sollte Dir ein Grundstück einfallen, dann sag es uns.“ Allerdings bügelte sie das Thema nicht sofort nieder. Über mögliche Gewerbeflächen am Partenkirchner Unterfeld „sollten wir uns vielleicht in einem der nächsten Bauausschüsse mal in Ruhe Gedanken machen“.

Maximal drei Geschosse

Bei der Premiere galt es nun aber, da zu späterer Stunde alle die Notwendigkeit für einen neuerlichen Bebauungsplan erkannt hatten, die Modalitäten für die mögliche künftige Bebauung noch ein wenig genauer zu fixieren. Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander), Biehler und Kurschatke waren die Speerspitzen in der Forderung, speziell den Umfang des Baukörpers zu verringern. „Mir geht es nur darum, ein A-Ja-Hotel II zu verhindern“, betonte Hofer. Vier Vollgeschosse waren in der alten Version zugestanden worden. Gehrle-Neff regte die Diskussionslust der Anwesenden nochmals an: „Es liegt an Ihnen.“ Nun feilschten sie: Drei Geschosse und eine Maximalhöhe des Gebäudes – so lautete schließlich der Kompromiss. Hofer wollte unter elf Meter, bekam er nicht. Also stimmte er letztlich als Einziger gegen die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens.

Lange Debatte

Die Vertreter des Bauamts dürften trotz einer langen Debatte erleichtert gewesen sein: Denn letztlich hatte ihre Drohung, dass sich die Gemeinde ohne ein neues Lenkungsinstrument doch mit der Planung der Kaes-Gruppe auseinandersetzen müsste und am Ende vielleicht Gerichte entscheiden müssten, ob eine Tankstelle verträglich ist oder nicht, doch Wirkung zeigte. Nummer 111 wird Ende des Jahres also Geschichte sein, der Nachfolger-Plan erhält die Nummer 122.

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