Ein Polizeiauto steht auf überfluteter Straße, Feuerwehrmänner helfen.
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Es stieg schnell und massiv: Das Wasser hat den Polizeibeamten auf der B2 überrascht, die Feuerwehr kam und half.

Nach starken Regenfällen im Landkreis

Die gute Nachricht nach dem Unwetter: Kaum Schäden in der Partnachklamm

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Überflutete Straßen, zerstörte Wanderwege, Muren. Dennoch das Fazit: Die Lage nach den starken Regenfällen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen blieb recht entspannt. Einmal mehr zeigte sich, wie lokal unterschiedlich sie sich auswirken können. Das Glück für alle: Dass der Regen Dienstagmittag nachließ.

Update 5. August, 12.45 Uhr: Der erste Weg führte Rudolf Achtner am Mittwoch in die Partnachklamm. Um zu sehen, welche Schäden die massiven Regenfälle vom Dienstag dort verursacht haben. Die große Erleichterung: nur minimale. „Nichts, was nicht mit 500 Euro zu beheben wäre", sagt der Abteilungsleiter des Marktes Garmisch-Partenkirchen, der für die Klamm zuständig ist. Deshalb sperrt er auch am Donnerstag wieder auf.

Auch die beliebten Rundwege - beispielsweise durch die Klamm nach Vordergraseck oder zur Partnachalm und über den Hohen Weg zurück - sind ab sofort wieder begehbar. Gesperrt bleibt jedoch der Hohe Weg im weiteren Verlauf ab der Partnachalm Richtung Reintal. Weder Autos noch Radfahrer oder Fußgänger können ihn passieren. Denn der Hangverbau wurde in diesem Bereich unterspült, die Straße zum Teil weggerissen. Die Arbeiten dort werden umfangreich ausfallen. Für Radfahrer, die sich zur Bockhütte im Reintal aufmachen, bedeutet das: Für sie kommt nur der Weg über den Hausberg in Frage. Wegen eines Murenabgangs ebenso unpassierbar ist der Weg vom Südausgang der Klamm Richtung Bockhütte. Fußgänger aber können ihn nutzen. „Sie stehen halt bis zu den Knöcheln im Baaz", sagt Achtner.

Bericht von Mittwoch, 5. August: Landkreis – Noch einmal kontrollieren. Zu 100 Prozent sicher gehen, dass niemand auf der Bundesstraße unterwegs war, die man dringend für den Verkehr sperren musste. Das war dem Beamten wichtig. Schließlich stand sie schon unter Wasser. Jederzeit konnte es weiter steigen. Also fuhr der Murnauer Polizist in seinem Streifenwagen los – und das Wasser kam. Am Dienstagmorgen trat die Loisach zwischen Ohlstadt und Murnau über die Ufer, überflutete endgültig die B2 – samt Polizeiauto und Fahrer. Einen Meter hoch stand die kalte Brühe.

Polizeiauto in den Fluten: Beamter hat alles richtig gemacht

Keinen Mucks mehr machte das Auto. Dem Beamten blieb nichts anders übrig, als einen Notruf abzusetzen. Bis zur Hüfte reichte das Wasser, als die Einsatzkräfte der Ohlstädter Feuerwehr eintrafen. Es stieg noch immer. Schließlich zog ein Traktor samt Seilwinde das Auto heraus. Ob man es reparieren kann, weiß Jürgen Kettl nicht. Das wird ein Gutachter in den nächsten Tagen klären. Viel wichtiger ist dem stellvertretender Dienststellenleiter der Inspektion Murnau ein anderer Punkt: „Das war keine Unachtsamkeit oder Schusseligkeit.“ Der Kollege habe alles richtig gemacht.

Dennoch: ein abgesoffenes Polizeiauto auf dem Hinterhof – es schreit nach Witzen in Dauerschleife. Doch dafür ist es kurz nach dem Unfall zu früh. „Zum Lachen ist uns nicht zumute“, sagte Kettl gestern. Zumal die Beamten vor Ort auf zu viele verantwortungslose Verkehrsteilnehmer trafen, die Sperrungen ignorierten. „Unvernünftig ohne Ende.“ Zudem schockierte Kettl, wie schnell und massiv das Wasser nach den Regenfällen anstieg. Eine Sperrung der Staatsstraße 2062 bei Achrain – Routine. Sie war auch gestern dicht. Dass man aber zwischen Eschenlohe und Ohlstadt wegen einer überfluteten Straße nicht mehr durchkommt, das „ist außergewöhnlich“, sagt der Ohlstädter. Sein Heimatort war nur über die Autobahn erreichbar. „Lokal war das echt extrem.“

Weggespült wurde ein Teil des Hohen Weges in Gamrisch-Partenkirchen. Erst 2019 war er hier neu verbaut worden.

Partnachklamm gesperrt, Murenabgänge im Wandergebiet, Wege unterspült

Das unterschreibt Rudolf Achtner. Er denkt an das Ausmaß des Hochwassers vor sieben Wochen in Hammersbach und in der Höllentalklamm. Wege und Brücken wurden weggeschwemmt, der K-Fall ausgerufen. In Partenkirchen – nichts. „Und jetzt trifft’s uns da hinten voll.“ Achtner spricht von der Partnachklamm, für die der Abteilungsleiter beim Markt Garmisch-Partenkirchen zuständig ist. Seit Dienstagfrüh ist sie gesperrt. Zwangsläufig. Man kam gar nicht hin. Achtner, Bauhofmitarbeiter und Feuerwehr müssen erst die Wege zur und rund um die Klamm reparieren beziehungsweise freiräumen. Die Wildenauer Straße wurde überflutet. Der Hohe Weg, über den zum Teil auch das Hornschlittenrennen führt, ebenfalls. Zudem massiv beschädigt. In einem Bereich hat ihn eine Mure zugeschoben, an einer anderen Stelle wurde er auf 10 bis 15 Metern unterspült, ein Drittel der Straße fehlt. Dabei hatte sie erst 2019 genau an dieser Stelle einen neuen Verbau bekommen.

Weitere Muren gingen im Gebiet rund um Partnachklamm, -alm und Graseck ab, die Wege bleiben vorerst gesperrt. Wanderer sollen das Gebiet meiden. Wie es in der Klamm selbst aussieht – Achtner weiß es nicht. „Das wär ein Selbstmordkommando, da jetzt durchzugehen“, sagte er gestern. Heute will er sich ein Bild machen. Er hofft das Beste und befürchtet das Schlimmste.

Eschenlohe: Meldestufe 3 an der Loisach, doch alles bleibt ruhig

Hoffen und vor allem beobachten: das Motto des Dienstags für Feuerwehren, Polizei, und alle, die im Landkreis mit Überschwemmungen oder möglichen Überschwemmungen zu tun haben. Einer von ihnen: Anton Kölbl, der Hochwasser-Bürgermeister von Eschenlohe. Kaum einer kennt die Loisach, ihre Zuflüsse und ihr Verhalten bei starken Regenfällen so gut wie er. „In Wartestellung“ befand er sich am Vormittag. Ein paar Stunden später erreichte der Fluss einen Wasserstand von 293 Zentimeter – Meldestufe 3 von 4. Kölbl blieb ruhig. Alles wie erwartet. „Was unterging, ging planmäßig unter.“ Wie manche Straßen im Gewerbegebiet. Zudem Felder und Wiesen. Wie im gesamten Landkreis glichen sie einer Seenlandschaft. Zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen fuhren keine Züge mehr, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Die gute Nachricht: Ab Mittag ließ der Regen nach, das Wasser ging zurück. Genau wie prognostiziert. Genau wie von Horst Hofmann erhofft. „Gott sei Dank hört’s dann auf“, sagte der Experte vom Wasserwirtschaftsamt am Vormittag. „Sonst könnte es vielfach kritisch werden.“ Flächendeckend. Den ganzen Tag war er im Landkreis unterwegs, fuhr neuralgische Punkte ab. Solche, an denen man in jüngere Zeit Hochwasserverbauungen realisiert hatte. Und solche, an denen man sie realisieren will. Auch, um zu sehen, ob die Maßnahmen wirken, wo Schwachstellen liegen, ob Pläne eventuell nachgebessert werden müssen. Dazu gehört die Obere Ammer in Graswang, wo ein Hochwasserschutz gebaut werden soll.

Massiv stieg die Ammer auch im Bereich des Kofelfriedhofs an der B23 in Oberammergau an.

Die Ammer tritt zum Teil über die Ufer, Feuerwehreinsatz in Unterammergau

Die Ammer führte am Dienstag ordentlich Wasser, trat zum Teil über die Ufer. So wurde die Armen-Seelen-Straße von Oberammergau nach Graswang wegen Überflutung gesperrt, ebenfalls die B 23 zwischen Ettal und Oberammergau. In Unterammergau sorgte das Wasser für einen Feuerwehreinsatz. Am Hotel Hieronymus konnte eine Wiese oberhalb der Anlage die Regenmenge nicht mehr schlucken, Wasser floss in das Restaurant und in den Keller. Die Feuerwehr rückte mit Pumpen an.

Alles in allem aber beurteilt Hofmann die Situation als „relativ entspannt“. Was an Regentagen wie diesen hilft: „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren enorm viel gemacht.“ Fast 100 Millionen Euro investierte der Freistaat zwischen 1999 und 2019 in den Hochwasserschutz im Landkreis.

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