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Keine Ansteckungsgefahr: Senior und Arzt Günter Steinebach testete 2019 „Garmi“: Der Assistenzroboter aus Garmisch-Partenkirchen soll einmal das Pflegepersonal entlasten.

Künstliche Intelligenz kann helfen

Corona-Krise: Roboter können sich nicht anstecken

Corona-Krise: Professor Sami Haddadin erklärt, warum Assistenzroboter gerade in Corona-Zeiten hilfreicher denn je sein könnten. Er präsentiert zudem ein weiteres Forschungsprojekt.

Garmisch-Partenkirchen –Auf einmal scheinen Dinge einen Sinn zu machen, die bisher von vielen als unvorstellbar, unzumutbar oder als Science Fiction betrachtet wurden. Ein Roboter, der aus sicherer Entfernung infektiöse Rachenabstriche nimmt. Oder den Blutdruck misst. Oder an die Tabletten erinnert, wenn die menschlichen „Kollegen“, aus welchen Gründen auch immer, ausfallen. Ein Assistenzroboter, der bei all dem nicht Gefahr läuft, angesteckt zu werden. In Zeiten wie diesen, inmitten einer Pandemie, mit der niemand gerechnet hat, scheinen sich die Blickwinkel darauf zu verändern.

Haddadin gilt als weltweiter Experte und hebt Bedeutung von Robotern in Corona-Zeiten hervor

Ein Roboter als Retter in der Not? Bei Pandemien? Bei Pflegepersonal-Not? Künstliche Intelligenz als die Lösung? Für eine, wenn vielleicht auch nur temporäre Überforderung des menschlichen Systems? Einer der Forscher und Erfinder meint ja. Professor Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence der Technischen Universität München (TUM) und Leiter des Forschungszentrums „Geriatronik“ der TUM in Garmisch-Partenkirchen, hat sein Leben ganz ins Zeichen der Entwicklung künstlicher Intelligenz gestellt. Er gilt mittlerweile als einer der erfahrensten Roboter-Experten weltweit. Dem 40-Jährigen zeigt die Corona-Pandemie, wie abhängig die Gesellschaft derzeit noch von der physischen Präsenz zahlreicher systemrelevanter Menschen an neuralgischen Punkten ist, und wie sehr hier seine Forschungen Abhilfe schaffen könnten. „Der Mensch könnte dann vieles aus der sicheren Distanz durch Roboter als Avatare durchführen lassen“, schreibt Haddadin in einem Gastbeitrag in FAZ.NET. „Wären solche Technologien schon kommerziell verfügbar, wären zum Beispiel flächendeckend automatisierte Corona-Tests längst denkbar.“

TU München arbeitet an weiterem Prototypen: automatisierte mobile Covid-Teststation

Der Professor führt ein weiteres, ganz aktuelles Beispiel für die Bedeutung seiner Forschung an. „Gemeinsam mit dem Unternehmen Franka Emika und dem Klinikum rechts der Isar hat die Technische Universität München in kürzester Zeit einen funktionierenden Prototyp für einen robotergesteuerten Rachenabstrich entwickelt und erprobt“, schildert er. „Diese automatisierte mobile Covid-Teststation hat das Potenzial, medizinisches Personal zu entlasten und vor Infektionen mit dem neuartigen Virus zu schützen.“

Ein weiterer Prototyp eines intelligenten Teleassistenzsystems, der gerade finalisiert wird, könnte in den Krankenzimmern Routineaufgaben mit hohem Ansteckungsrisiko, wie zum Beispiel das Abhorchen oder das Messen von Blutdruck, Temperatur oder Blutsättigung, von den Ärzten oder dem Pflegepersonal übernehmen.

Roboter „Garmi“ aus Garmisch-Partenkirchen könnte Pflegekräfte im Alltag entlasten

Und jetzt zu „Garmi“, eine der Maschinen, die im Forschungszentrum „Geriatronik“ in Garmisch-Partenkirchen entwickelt werden. Ein solcher „für Senioren maßgeschneiderter Assistenzroboter“ soll laut Haddadin nicht nur ältere Menschen in ihrem Alltag entlasten und ihnen so lange wie möglich ein Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Ein weiterer, gerade in Corona-Zeiten nicht unwichtiger Aspekt: „Das zweite zentrale Ziel der Geriatronik ist die Entlastung von Pflegekräften im Alltag“, schreibt Haddadin. „Durch Unterstützung in körperlich belastenden Situationen soll die allgemeine Arbeitssituation im Pflegebereich verbessert werden. Das Personal hätte mehr Kapazitäten für Zuwendung und komplexe Fälle.“

Diese Technologie der künstlichen Intelligenz ist also nach Ansicht Haddadins sowohl geeignet für eine sichere telemedizinische Diagnostik im Isolationsfall als auch als pflegerisches Unterstützungswerkzeug aus der Ferne für eine sichere Therpie im Quarantänefall.

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Warum sich in Deutschland in Richtung dieser Technologie aktuell nicht mehr tut? Wieder in Hinblick auf die Corona-Krise meint Haddadin: „Mit Hochdruck muss an Maßnahmen und Technologien gearbeitet werden, um beim nächsten Mal gewappnet zu sein – und die Versorgung der Gesellschaft auch in künftigen Krisensituationen sicherzustellen. Digitale Helfer werden nicht nur jetzt in der Corona-Krise gebaucht. Menschen sind nicht entbehrlich. Und genau darum muss ihre unnötige physische Präsenz vor Ort durch technologische Hilfsmittel entbehrlich gemacht werden.“

Michaela Sperer

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