+
Sanierungsfall: die Schule am Gröben in Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen will bis 2023 rund 32 Millionen Euro investieren

Marode Gebäude, fehlende digitale Ausstattung: Schulen sind Sanierungsfälle

  • schließen

An den Garmisch-Partenkirchner Grund- und Mittelschulen liegt vieles im Argen: marode Gebäude, fehlende digitale Ausstattung. Das ganze Ausmaß der Misere machte Schulamtsdirektorin Gisela Ehrl der Politik deutlich. Die will jetzt gegensteuern und bis 2023 rund 32 Millionen Euro investieren. Eine Summe, die sich schnell als zu knapp bemessen herausstellen könnte.

Garmisch-Partenkirchen – Man muss nicht gleich in den Ruhrpott nach Gelsenkirchen oder Duisburg fahren, um Schulen zu sehen, an denen der Putz von der Fassade bröckelt, in denen Kinder nicht gerne lernen, weil es an wichtigen, manchmal elementaren Dingen fehlt. Das erlebt man auch vor der eigenen Haustür, allerdings nicht in diesen Dimensionen wie teilweise im Westen der Republik. In Garmisch-Partenkirchen gibt’s Bildungseinrichtungen, vorzüglich Grund- und Mittelschulen, die sich nicht in dem Zustand befinden, in dem sie sein sollten – von der Ausstattung und den Gebäuden her. Publik gemacht hatte die Mängel CSB-Gemeinderätin Ursula Kössel im vergangenen Jahr in einem Brandbrief an Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), der auch den anderen Fraktionen zuging und den Medien.

Ein Dauerbrenner

Seitdem ist das Thema ein Dauerbrenner. Kössel wies auf Missstände in der Gröbenschule, der Schütteschule, der Schule an der Burgstraße, der Krankenhausschule und der Schule in Burgrain hin. Sie sprach in ihrem Schreiben von „teilweise lebensbedrohlichen Zuständen“, für die sie die Rathauschefin verantwortlich machte (wir berichteten). Die herrschen zwar nicht, kein Kind muss um seine körperliche Unversehrtheit fürchten, dass vieles im Argen liegt, daran ließ Schulamtsdirektorin Gisela Ehrl bei ihrem Vortrag im Gemeinderat und im Tagblatt-Gespräch keinen Zweifel. „Von den Schulen im Landkreis sind die Garmisch-Partenkirchner am schlechtesten ausgestattet“, erklärte sie.

Gemeinde zuständig

Ehrl bezieht das vor allem auf digitale Endgeräte wie Tablets, mit denen die Schüler im Unterricht arbeiten sollen, aber auch auf den Zustand der Gebäude. Zudem fehlt der Anschluss für schnelles Internet. Dass der Markt in der Verantwortung steht, für sie unstreitig. „Garmisch-Partenkirchen ist der Sachaufwandsträger.“ Im Klartext: Die Gemeinde ist für alle Dinge, ausgenommen die Personalkosten, zuständig. „Das ist eine Pflichtaufgabe“, sagt Ehrl.

Kössel-Schreiben weckt Aufmerksamkeit

Der Politik in Garmisch-Partenkirchen scheinen die Probleme, die an den Schulen nicht erst seit Kurzem, sondern wohl seit Jahren herrschen, nicht bewusst gewesen zu sein oder sie hatte die Augen vor den Realitäten verschlossen. Erst das Kössel-Schreiben weckte die nötige Aufmerksamkeit und sensibilisierte. FDP-Mann Martin Schröter stattete der Gröbenschule einen Besuch ab, CSB-Fraktionschef Florian Hilleprandt inspizierte die Krankenhausschule, die sein Enkel besucht und um den er sich sorgt. Er beklagt ganz besonders die schlecht schließenden Fenster. Die Kinder würden deshalb im Winter frieren und in Jacken im Unterricht sitzen. Er verlangt umgehend Abhilfe. Allerdings dürfen moderne Fenster nicht eingebaut werden, da es sich bei der Krankenhausschule um ein Baudenkmal handelt. Dem Bauamt zufolge können sie nur saniert werden, was mit einem hohen Mehraufwand verbunden ist.

Umdenken hat eingesetzt

Ein Umdenken hat bei Politik und Verwaltung in den vergangenen Monaten eingesetzt. Das Investitionsprogramm bis 2023 weist 32 Millionen Euro für die Sanierung und Ausstattung vorzüglich der Schütte- und der Gröbenschule aus. Bedacht werden sollen auch die Grundschulen an der Burg- und Krankenhausstraße, die aus allen Nähten platzen. Während den Erweiterungsmöglichkeiten an der Burgstraße enge Grenzen gesetzt sind, verfügt die Krankenhausschule über Flächen, auf denen sie wachsen kann. Bürgermeisterin Meierhofer schließt einen Neubau oder eine Containerlösung nicht aus. Sie will die beiden kleinen Schulen unbedingt erhalten und rennt bei Ehrl damit offene Türen ein. Bis zur vierten Klasse soll den Kindern ein Gehweg von maximal zwei Kilometern zugemutet werden. „Kurze Beine, kurze Wege“, sagt Ehrl, die bei Gesprächen, die die Schulen betreffen, mit am Tisch sitzt.

Reichen 32 Millionen Euro?

In der kommenden Wahlperiode könnte der Gemeinderat schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass die 32 Millionen Euro, die im Haushaltsplan stehen, nicht reichen, um alle Projekte umzusetzen, man damit bald an die finanziellen Grenzen stoßen dürfte. Alois Maderspacher (CSU), der auf eine erneute Kandidatur bei der Kommunalwahl am 15. März verzichtet, meinte, Ehrl habe im Gemeinderat die Situation zu wenig dramatisch geschildert. „Sie hat uns geschont.“ Ehrls Antwort: „Ich habe eine Loyalitätspflicht.“ Maderspacher brachte im Bauausschuss eine interessante, womöglich sogar ketzerische Idee ins Spiel, wie der Markt Garmisch-Partenkirchen mehr Geld in die Schulen pumpen könnte. „Vielleicht sollten wir auf das Kongresshaus verzichten, wenn wir damit den Kindern helfen können.“

Auch interessant:  Kreisräte kämpfen fürs Schulamt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lawinenschutz in Mittenwald: Mit jedem Jahr wird’s teurer
Seit 17 Jahren wird in puncto Lawinenschutz an der Landesgrenze diskutiert. Bis heute ist beim Thema Marchklamm nichts passiert.
Lawinenschutz in Mittenwald: Mit jedem Jahr wird’s teurer
Vierjährige von Geländewagen erfasst - Mädchen hat unfassbares Glück
Sie sah ihre Schwester und lief über die Straße. Die Kollision mit dem Auto in Garmisch-Partenkirchen überlebt die Vierjährige wie durch ein Wunder.
Vierjährige von Geländewagen erfasst - Mädchen hat unfassbares Glück
Murnauer Nordumfahrung in der Anfangsplanung - doch ist sie überhaupt sinnvoll?
Murnau steuert auf einen Verkehrskollaps zu. Als Heilsbringer wird der seit vielen Jahren ersehnte Bau einer Nordumfahrung gehandelt. Doch die Planungen dazu stehen erst …
Murnauer Nordumfahrung in der Anfangsplanung - doch ist sie überhaupt sinnvoll?
„No Racism“: Täter besprüht Schulcontainer und Tonnenhaus mit Schriftzügen 
Seine Botschaft ist angekommen. Doch der Sprayer hat mit seinen Schriftzügen an  Schulen in Garmisch-Partenkirchen vor allem Schäden hinterlassen. 
„No Racism“: Täter besprüht Schulcontainer und Tonnenhaus mit Schriftzügen 

Kommentare