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Zu unsicher: Betreuer ziehen sich aus Obdachlosenheim zurück

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Kein einladender Anblick: die Obdachlosenunterkunft in den Loisachauen.
Kein einladender Anblick: die Obdachlosenunterkunft in den Loisachauen. © cf

Der Sozialdienst katholischer Frauen hat sich aus der Obdachlosenunterkunft in den Loisachauen in Garmisch-Partenkirchen zurückgezogen. Nun soll sich ein Sicherheitsdienst um das alte Haus kümmern.

Garmisch-Partenkirchen – Es war nur eine Randerscheinung im Hauptausschuss: Wolfgang Berger gab bekannt, dass in der gemeindlichen Obdachlosenunterkunft Loisachauen derzeit sechs Bewohner leben. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der seit Jahren das Haus betreute, habe sich inzwischen zurückgezogen, berichtete der Leiter des Ordnungsamts. Geplant ist nun, dass sich ein Sicherheitsdienst um das alte Haus in den Loisachauen kümmern soll. „Wir haben einzelne Personen, die da Probleme machen“, fuhr Berger fort.

In der Obdachlosenunterkunft, die sich mitten in einem Industriegebiet befindet, sah der Sozialdienst katholischer Frauen Garmisch-Partenkirchen in den vergangenen Jahren nach dem Rechten. „Der SkF geht dort nicht mehr rein“, verkündete der Ordnungsamtsleiter, ohne weitere Hintergründe zu nennen. Nur noch ein Sicherheitsdienst könne dort weiterhelfen, murmelte Berger abschließend.

Eine Nachfrage des Tagblatts beim SkF erbrachte Konkreteres. „Aufgrund der Situation da unten gehen wir da schon länger nicht mehr hin, das ist für unsere Damen zu unsicher“, erklärt German Kögl, der Geschäftsführer des SkF. Seit Herbst 2019 besucht der Sozialdienst die Unterkunft in den Loisachauen nicht mehr. Die Mitarbeiterinnen würden sich in dem heruntergekommenen Obdachlosenheim nicht wohl fühlen, darüber hinaus gebe es dort noch nicht mal ein Büro, in dem sie Daten erfassen oder Unterlagen sichten könnten, betont Kögl.

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Dessen Aussagen bestätigt Martina Hack. „Wenn man da hinkommt, weiß man nicht, wer drin ist“, sagt die Mitarbeiterin, die beim SkF für die Wohnungslosenhilfe zuständig ist. Die Lage sei für die Damen zuletzt „schwierig“ gewesen, weil sich in der Unterkunft auch kranke sowie drogen- und alkoholabhängige Bewohner aufhielten. Es gehe um die Gesundheit der Mitarbeiter, die bei Besuchen gefährdet sei. „Hausmeister gibt es auch keinen“, sagt Hack, zudem kümmere sich das Ordnungsamt nur unzureichend um das Haus in den Loisachauen.

Gespräch zwischen Gemeinde und Skf geplant

Dass der Hausmeister verstorben ist, bestätigte Wolfgang Bauer (CSU), der Zweite Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und Vorsitzende des Hauptausschusses. Die Gemeinde habe im Dezember Sicherheitsdienste angeschrieben. Geplant ist, dass die Security „gewisse Aufgaben“ in der Unterkunft übernehme, sagt Bauer, ohne konkret zu werden. Zu diesem Zweck ist für 3. Januar ein Gespräch zwischen der Gemeindeverwaltung und dem SkF vereinbart. „Wenn sich Rückmeldungen von Sicherheitsdiensten ergeben haben, wird nach einer Lösung für die Loisachauen gesucht“, betont Bauer.

Auch wenn der SkF die Unterkunft nicht mehr besucht, könnten sich dessen Bewohner weiter an die SkF-Beratungsstelle an der Parkstraße wenden, versichert Hack. „Wir fühlen uns den Menschen verpflichtet, aber eine Vor-Ort-Beratung machen wir nicht mehr.“ Die SkF-Geschäftsstelle bietet neben einer Tee- und Wärmestube auch Möglichkeiten zum Duschen und Waschen. Hack weiß von einer Dame, die ehrenamtlich regelmäßig die Unterkunft in den Loisachauen besucht. Ebenso mache das Stefan von Drachenfels, Diakon im Pfarrverband Partenkirchen-Farchant-Oberau, berichtet Hack. Darüber hinaus berichtet Michael Kurth, einer der Bewohner der Unterkunft, davon, dass es einen neuen Hausmeister gebe. Dieser lebt im Obdachlosenheim und schaue täglich ab 17 Uhr nach dem Rechten, sagt Kurth.

Seit Jahren gibt es den Auftrag des Hauptausschusses an die Verwaltung, ein ortsnäheres Objekt für Obdachlose in Garmisch-Partenkirchen zu finden. „Aber das gestaltet sich nicht so leicht“, sagt Bauer. Die Suche nach einem geeigneten Gebäude laufe nach wie vor weiter.

Alexander Kraus

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