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Cool Cowboy: Thomas Dreßen nach seinem Sensationssieg in Lake Louise. 

Ski-Weltcup der Herren

Vorfreude auf die Klassiker - aber Dreßens Knie zwickt

Thomas Dreßen freut sich auf die Herren-Abfahrt an der Kandahar. Doch ein Knie zwickt.

Garmisch-Partenkirchen – Natürlich freut er sich aufs Heimrennen. Am 1. Februar steht die Herren-Abfahrt auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen an. Dass es noch ein Kampf für den Ausrichter werden könnte, die Strecke am Kreuzeck Weltcup-würdig in Schuss zu bekommen, kriegt Thomas Dreßen freilich nicht so wirklich mit. Sein Fokus liegt auf anderen Dingen. Auf der Saison, auf dem Training, vor allem aber auf seinem Knie.

Bei allen großen Ritten, die er in diesem Winter bereits hingelegt hat, im Gelenk zwickt’s immer wieder mal. In Bormio wurd’s dem Mittenwalder zu viel. Das erste Rennen absolvierte er noch, das nachgeholte von Val d’Isère. Das zweite ließ er sausen. Wieder war das Knie angeschwollen. Wie zwei Wochen zuvor in Gröden. „Da hab’ ich mir aber noch nicht viel dabei gedacht.“ Ein zweites Mal die Stelvio mit einem dicken Knie meistern – das Gefühl taugte dem 26-Jährigen dann doch nicht. „Solche Verhältnisse wie in Bormio, hart und schlagig, noch dazu richtig dunkel, die gab es davor noch gar nicht.“ Dreßen hatte für Rennen Nummer eins schon in einen weniger aggressiven Gang geschalten. „Ich hab’ mir gesagt, ich mache nur das, was ich kann.“ Reichte immer noch für Platz neun. „Eh gut“, urteilt Dreßen. Dann aber beendete er das letzte Rennwochenende im alten Jahr vorzeitig.

Er machte sich auf den Weg nach München. Ab in die Klinik. „Ich wollte wissen, warum das Knie anschwillt.“ Also wieder Kernspin. Das Ergebnis – zweigeteilt. „Die Kreuzbänder und der Meniskus, also die operierten Sachen, sind super.“ Das Problem liegt an anderer Stelle. „Der Knorpel hinter der Kniescheibe ist leicht lädiert“, sagt Dreßen. Konkreter: „Da ist ein kleiner Riss.“ Der strapaziert das Gelenk bei zu großer Reibung immer wieder. „Wir haben das damals schon gewusst, da war es aber kein Problem – jetzt ist es eines“, sagt Dreßen ehrlich. „Der Riss ist etwas größer geworden.“

Nur, was heißt das jetzt für den Rennfahrer? Eine Pause droht ihm erst einmal nicht. Das Knie wurde punktiert, also die Flüssigkeit herausgezogen, zum Aufbau gab’s eine Spritze. „Ich habe alles im Griff“, merkt Dreßen an. Auf Fußball, Laufen oder Streck-sprünge im Trockentraining verzichtet er. Das Kuriose ist, dass ihn der Knorpelschaden in der Skisposition nicht behindert. „Daher lassen wir erst einmal alles so, wie es ist. Ich fahre die Saison zu Ende.“

Verständlich, dass der Sportler es so sieht. Eine Pause ist das Letzte, nach dem sich Dreßen sehnt. „Bitte nicht“, verdeutlicht er eindringlich. Lange genug war er nach seinem Sturz 2018 in Beaver Creek ausgefallen. Er will auf die Piste. Und schließlich feierte er auf den Tag genau ein Jahr nach dem Sturz am 30. November 2019 ein Mega-Comeback: Dreßen gewann die Abfahrt in Lake Louise.

Ein Coup, der auch für ihn vollkommen überraschend kam: „Das hätte ich mir nie zugetraut“, räumt er ein. Denn im Kopf sei es für ihn gar nicht so einfach gewesen, wieder auf die Rennstrecke zu gehen. „Das hatte nichts mit trauen zu zu tun. Ich vergleiche das immer mit einem Fahranfänger, dem du einen Supersportwagen gibst, ihn auf die Rennstrecke schickst und sagst: ,Fahr’ los, hab’ Spaß‘.“ Dreßen war zwar Ski gefahren zuvor in der Vorbereitung in Nordamerika. „Aber Wellen, Sprünge und das alles hintereinander sind doch etwas anderes.“ Eine leichte Erkältung kam ihm im Nachhinein vielleicht zugute. „Sie hat mir die Nervosität genommen.“ Die Erwartungen waren automatisch nicht so hoch. Die Resultate dafür umso besser.

Die Rückkehr nach Beaver Creek, an den Ort des Sturzes, fiel Dreßen nicht schwer. „Natürlich hab’ ich dran gedacht, aber nicht nach dem Motto: Jetzt bin ich da, wo es mich zerlegt hat.“ Im Gegenteil: Er ging die Aufarbeitung positiv an. „Bei der Besichtigung hab’ ich mir wirklich gedacht, wie konntest du da stürzen, das war schon saublöd.“

Nun liegt der Fokus auf dem Klassiker-Januar. Jedes Wochenende eine der Top-Abfahrten in Wengen, Kitzbühel und eben Garmisch-Partenkirchen. Damit er durchhält, „haben wir einen Plan ausgearbeitet“, sagt Dreßen. Training, Rennen, Behandlungen – alles ist abgestimmt. Damit es heuer klappt mit dem Heimspiel.

Christian Fellner

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