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Ab 2022 wieder im Weltcup-Zirkus zurück: der Gudiberg in Garmisch-Partenkirchen. 

Neues zum Skisport in Garmisch-Partenkirchen

Der Gudiberg ist zurück: zwei Slalom-Wettbewerbe im Jahr 2022

Damit hat wohl keiner gerechnet: Auf dem Gudiberg werden wieder Weltcup-Rennen ausgetragen. 2022 finden dort zwei Slalom-Wettbewerbe statt. Mit dieser Nachricht überrascht Peter Fischer, Chef des Organisationskomitees, die heimische Skiwelt.

Garmisch-Partenkirchen – Sein endgültiger Durchbruch. Auf ihn sind die Fernsehkameras gerichtet. Er spielt die Hauptrolle in dem gefeierten Sportdrama. Er lässt Favoriten scheitern und erschafft Helden. Die Alpinen Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen – sie sind der große Moment des Gudibergs. Auf dem Zenit seiner Karriere steht er. Dann – der Absturz in die mediale Bedeutungslosigkeit.

Für Trainingseinheiten und Nachtskilauf für jedermann interessieren sich die Fernsehsender nicht. Nur noch zum Komparsen taugt er während des Neujahrsskispringens. Kaum einer hat mehr an ihn geglaubt. Nun aber steht er vor seinem Comeback. Im Casting für 2022 setzte er sich durch. Das verrät Peter Fischer, bekennender Gudiberg-Fan und Chef-Organisator der heimischen Weltcup-Rennen: Die Top-Slalomfahrer kommen zurück nach Partenkirchen. Zwei Tage, zwei Rennen. Auf dem Hang, den die Weltbesten fürchten und respektieren. Weil er so steil und eisig ist wie kaum ein anderer.

Immer wieder hat er sich in der Vergangenheit um einen erneuten Auftritt in der TV-Sportwelt beworben. Immer vergeblich – sieht man einmal vom Starbiathlon 2014 ab. Für die ARD-Show stürzten sich Prominente mit dem Zipfelbob den Hang hinunter – nicht der Anspruch eines Gudibergs, der Christl Cranz und Franz Pfnür 1936 zu Slalom-Olympiasiegern machte, Lea Sölkner und Ingemar Stenmark 1978 zu Weltmeistern, ebenso Marlies Schild und Jean-Baptiste Grange 2011. Ja, er ist wer mit seinen 500 Metern Länge und einem Höhenunterschied von 230 Metern. Und einer Top-Infrastruktur. 6,8 Millionen Euro hat der Markt im Vorfeld der Ski-WM in das Projekt Gudiberg investiert – 5,1 Millionen flossen in Beschneiung, Pistenbau und Funktionsräume, für 1,7 Millionen entstand ein neuer Sessellift.

Dennoch: Die Fernsehanstalten wollten ihn nicht, die Kandahar stiehlt ihm seit Jahren die Show. Erst für die Renn-Wochenenden der Frauen und Männer in Garmisch alles aufzubauen, alles zusammenzupacken und für den Slalom in Partenkirchen wieder alles aufzustellen – das war ihnen zu viel Arbeit für zu wenig Geld. Aus demselben Grund spielt der Hang im Bid Book für die Ski-Weltmeisterschaften 2025 wieder nur eine Nebenrolle. Auf diese Bewerbung hatte er ja gehofft. Doch braucht man ihn nur für Qualifikationsrennen und als Trainingsstrecke – so wie in all den vergangenen Jahren. Er, der große Gudiberg. Degradiert.

Im März 2010 brachte er den bislang letzten Weltcup-Sieger hervor, sein Meisterstück: Felix Neureuther gewann zu Hause. Seitdem sucht man den Hang vergeblich im Weltcup-Kalender. Bis 2023 haben den die Granden des Internationalen Skiverbands in Zürich nun festgezurrt. Garmisch-Partenkirchen bleibt, wie berichtet, mit vier Rennen vertreten: zweimal Damen mit Abfahrt und Super-G, zweimal Herren mit Abfahrt und Riesenslalom. „Alles wie gehabt“, sagt Fischer nach den Gesprächen im Hilton-Hotel. Mit einer – „mündlich fest vereinbarten“ – Ausnahme-Regelung im Olympia-Jahr 2022.

Die Frauen messen sich wie gewohnt zuerst, am 29. und 30. Januar, auf der Kandahar. Das Wochenende danach hält die FIS den Athleten für die Reise nach Peking frei, wo zwischen 4. und 20. Februar 2022 die Olympischen Winterspiele stattfinden. Erst am 26. und 27. Februar bestreiten die Männer ihre Rennen in der Marktgemeinde, am ersten Wochenende der bayerischen Faschingsferien. In dieser touristischen Hochsaison die Piste über Tage für Präparierung, Training und Abfahrt sowie Riesenslalom zu sperren – „das können wir nicht machen“, sagt Fischer. Zu massiv wären die Umsatzeinbußen für die Bayerische Zugspitzbahn.

Deshalb weicht der Skiclub Garmisch an den Partenkirchner Gudiberg aus. Ein Speedrennen fällt aus, dafür bieten die Organisatoren einen Slalom und einen Parallelslalom. Keine Notlösung, betont Fischer. Sondern Action und ein sportliches Spektakel. Mit dem Gudiberg in der Hauptrolle. Ein Comeback, ganz nach seinem Geschmack.

Katharina Bromberger

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