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Mehr als das Gebäude-Gerippe steht nicht mehr. Sogar Bagger fahren durch den Altbestand der Schule.

Entkernt bis aufs Gerippe

(Fast) alles kommt raus: Das passiert auf der Berufschul-Baustelle 

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Er wirkt wie eine Ruine. Ohne Fenster, Türen, dafür mit viel Dreck. Der Altbestand der Berufschule in Garmisch-Partenkirchen wurde in den Rohbau-Zustand versetzt, um ihn von Grund auf zu sanieren. Ein Besuch auf der Baustelle.

Garmisch-Partenkirchen – Am Bau sind Überraschungen unerwünscht. In der Regel würfeln sie den Zeitplan durcheinander und treiben die Kosten in die Höhe. Außer es sind kuriose Überraschungen wie die in der Berufschule Garmisch-Partenkirchen. Im Zuge der Entkernung des Gebäudes „haben wir eine Zigarettenschachtel in einer Decke gefunden“, erzählt Polier Jacky Kapetanovic und schmunzelt. Eine mit 17 Stück für eine Mark.

Die Schachtel stammt aus den 1970er-Jahren, aus der Entstehungszeit der Berufschule. Sie ereilte das gleiche Schicksal, wie vielem in der fast 50 Jahre alten Bildungseinrichtung: Raus damit!

Seit Sommer 2018 läuft das Großprojekt am Holzhof 5. Der Altbau der Schule wird komplett modernisiert. Die Kosten stiegen stetig, liegen derzeit bei 28 Millionen Euro, inklusive der vier Millionen für die Container auf dem Zerhoch-Gelände. Rund acht Millionen hat der Landkreis heuer in seinen Haushalt eingestellt. Von der Regierung von Oberbayern fließen zwei Millionen aus dem „Kommunalinvestitionsprogramm Schulinfrastruktur“ für den Baustellenbereich, also für Türen, Fenster und Fassadenelemente.

Eine spritzige Angelegenheit: Die Fundamente werden mit dem Drüsentrahlverfahren ertüchtigt.

All dies gibt es derzeit nicht. Genausowenig wie Zwischenwände. Die Fenster, sagt Projektleiter Andreas Berndaner, „sind vor zwei Wochen rausgekommen.“ Nur noch ein Beton-Skelett steht. Ein Schul-Bereich zurückgebaut auf sein Gerippe. Wo sich einst unter anderem die Aula befand, kurven Bagger auf Schutt und Matsch herum. Die alten Stützen bleiben, ein paar von deren Fundamenten – vor allem dort, wo später aufgestockt wird – sind zu ertüchtigen. Mittels des so genannten Drüsenstrahlverfahrens. Dabei werden mit Hochdruck Zementschlämme in Hohlräume gespritzt. „Man holt sie so oft wieder raus, bis sie sich verfestigen“, erklärt Kreisbaumeister Alkmar Zenger. Mit den Decken gibt’s für die Arbeiter ebenfalls noch viel zu tun. Sie müssen feuerdämmend sein, brandschutztechnisch tipptopp.

Wie ein Körper ohne Organe

Treppen hoch, nächste Ebenen, ähnliches Bild. Keine Fenster, keine Räume, nur eine kahle offene Fläche. Ein Körper ohne Organe. Der Aufzug im „Auge“, wie Polier Kapetanovic das Loch zwischen der Treppe bezeichnet, ist eher eine Aufgabe für nächstes Jahr.

Auf die „Kies“-Terrasse kommen künftig Stützen, das Gebäude wird dort erweitert, bleibt aber trotzdem ein halbes Geschoss niedriger als der vordere Komplex. Zusätzlich vier bis fünf Klassenzimmer entstehen dort, erläutert Zenger. Insgesamt waren im Altbau etwa 22 Räume, inklusive Küche et cetera, beherbergt. Auch eine neue Fluchttreppe steht auf dem Plan. „Die alte war 20 Zentimeter zu schmal“, sagt der Kreisbaumeister.

Die nächsten Schritte zählt Berndaner auf: unten Bodenplatte rein, dann von oben her abdichten, Rohbau erweitern, parallel dazu Innenausbau. Drei Firmen werkeln in dem Knochengestell. „Wir hatten Glück, dass wir welche bekommen haben“, betont Zenger. Und das obendrein im Kostenrahmen.

Beim Ablauf liegt man gut in der Zeit. Lediglich zwei Wochen hinken die Arbeiten hinterher. Der Plan steht: Ende 2020 sollen die Arbeiten an der Berufschule fertiggestellt sein, um dann in den Ferien – sei es im Winter oder an Ostern – innerhalb von zwei Wochen die Container zu verlassen und in den Gebäude-Abschnitt einzuziehen. Damit mit den Schülern und Lehrern das Herz wieder schlägt.

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