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Strahlemann: Peter Fischer darf zum dritten Mal versuchen, eine Ski-WM nach Garmisch-Partenkirchen zu holen.

Vergabe im Mai 2020

Garmisch-Partenkirchen bewirbt sich für Ski-WM 2025: So geht‘s jetzt weiter

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Im Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen herrschte seltene Einmütigkeit: Mit 27:1 votierten die Kommunalpolitiker für eine Bewerbung für eine Alpine Ski-Weltmeisterschaft 2025. Die große Zustimmung überraschte. Sie ist ein starkes Signal an die Konkurrenten und die FIS.

Garmisch-Partenkirchen – Als die Entscheidung pro Bewerbung für die Alpine Ski-WM 2025 in Garmisch-Partenkirchen gefallen war – äußerst deutlich und eindrucksvoll –, erhoben sich die beiden Männer, braun gebrannt und sportlich modisch gekleidet, von ihren Stühlen, lächelten sich an und klatschten Beifall. Hubert Schwarz und Wolfgang Maier gehören zum innersten Kreis der Führungsmannschaft des Deutschen Skiverbands (DSV). Schwarz ist Sprecher des Vorstands und gleichzeitig für die Finanzen verantwortlich, Maier lenkt seit vielen, vielen Jahren in verschiedenen Positionen die sportlichen Geschicke der Alpinen. „Dass wir zwei unserer wichtigsten Männer geschickt haben, macht deutlich, wie viel uns an der Bewerbung Garmisch-Partenkirchens gelegen ist und zeigt den Stellenwert, den der Ort bei uns genießt“, sagt DSV-Pressesprecher Ralph Eder. Dass sich die Kommunalpolitiker fast einhellig dafür ausgesprochen haben, in den Prozess einzusteigen, überraschte die beiden Funktionäre. „Mit dieser großen Zustimmung hatten wir nicht gerechnet“, sagt Maier. „Das ist ein deutliches Signal“, urteilt auch Eder.

Gesamtkosten für Bewerbung: 450.000 Euro

Ga und Pa waren die Maskottchen der Ski-WM 2011. Sie freuen sich auf die Weltmeisterschaft 2025

In den kommenden Wochen beginnt für DSV, Kommune und SC Garmisch die Arbeit. Alle drei besitzen Erfahrungswerte aus den zwei vorangegangenen Bewerbungen. 2004 ging man in Miami (USA), als man für 2009 antrat, mit fliegenden Fahnen unter, der Versuch 2006 in Vilamoura (Portugal) für 2011 war von Erfolg gekrönt. „Wir sind mittlerweile erfahren, was Bewerbungen angeht“, sagt Fischer. „Wir wissen, was zu tun ist. Das ist unser Vorteil.“ Bis zum 1. Mai 2019 muss sich der DSV beim Internationalen Skiverband FIS schriftlich beworben und die Einschreibegebühr von 400 000 Schweizer Franken, nach derzeitigem Kurs 346 000 Euro, hinterlegt haben. Die Gesamtkosten der Bewerbung belaufen sich auf 450 000 Euro, von denen der DSV, der Markt und der Skiclub je ein Drittel tragen. „Für uns ist das viel Geld“, sagt Fischer. Dennoch stellten sich die Vereinsgremien einstimmig hinter das Vorhaben.

Wie stehen die Chancen?

Es herrscht Einigkeit zwischen den drei Protagonisten, dass Fischer erneut als Kopf die Bewerbung führt. Der Skiclub-Vorsitzende zeigt sich kämpferisch, wenn er die Erfolgsaussichten betrachtet. Kenner, die wissen, wie das FIS-Council tickt, gehen davon aus, dass Garmisch-Partenkirchen im ersten Anlauf scheitern und ein zweiter für 2027 nötig werden wird. Fischer sieht das nicht so: „Ich habe keine Angst vor dem Wettbewerb. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, weil wir eine Nummer im Weltcup sind.“ Er nennt Saalbach-Hinterglemm (Österreich) und Crans Montana (Schweiz), die ebenfalls schon ihren Hut in den Ring geworfen haben, starke Kandidaten. Gerüchte besagen, auch ein norwegischer Ort habe Ambitionen. „Wir fürchten niemand, und es wird nie leichter“, sagt Fischer. Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Skiverbands, macht schon auf siegessicher. „Ich weiß, wer im Council auf Seiten Österreichs steht und wer nicht.“ Für Deutschland gehört Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, dem höchsten FIS-Gremium an. Dessen Einfluss sollte man nicht unterschätzen. Die Funktionäre entscheiden über die Vergabe beim 52. FIS-Kongress, der vom 24. bis 30. Mai 2020 in Marrakesch (Marokko) tagt.

Der Zeitplan, bis die heiße Phase der Bewerbung beginnt, steht. Im kommenden Jahr müssen die Fragen, die das Bidbook stellt, abgearbeitet werden. Bereits im Frühjahr 2019 kommt zum ersten Mal eine Inspektionsgruppe des Internationalen Skiverbands nach Garmisch-Partenkirchen. Bei der FIS-Herbstkonferenz im selben Jahr in Zürich steht eine erste kleine Präsentation auf dem Programm. „Schon da müssen wir überzeugen“, sagt Fischer.

Überzeugungsarbeit musste er bei Garmisch-Partenkirchens politischer Kaste eigentlich nur bei Teilen der SPD und den Grünen leisten. Mit Dr. Stephan Thiel und Mitgliedern der Öko-Partei hatte sich der Vorsitzende des Skiclubs Garmisch noch am Montag getroffen und versucht, Bedenken auszuräumen. Die Argumente, die Fischer vorbrachte, der sich mit Leib und Seele für eine erneute Bewerbung einsetzte, müssen nachvollziehbar und stichhaltig gewesen sein. Thiel erklärte, er habe eine kritische Haltung gegenüber Großveranstaltungen und schreie nicht „hurra. Verstehen Sie meine Zustimmung als Vorschuss auf die Zukunft“.

„Wenn nicht wir, wer sonst.“

Bei den anderen Parteien, die im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat vertreten sind, rannte Fischer mit seinem Wunsch offene Türen ein. Sie sahen viele Chancen und nur wenig Risiken. Die Freien Wähler, die vor Monaten mit ihrem Antrag, das Thema Ski-WM zu behandeln, den Anstoß geliefert hatten, sehen laut Fraktionschef Florian Möckl einen „Impuls für den Wanktunnel“. Für die CSU brachte es Frontfrau Elisabeth Koch auf den Punkt. Garmisch-Partenkirchen könne WM und sei deshalb der geeignete Kandidat: „Wenn nicht wir, wer sonst.“ Als Pfund mit dem man wuchern kann, bezeichnete CSB-Mann Florian Hilleprandt die Tatsache, dass „keine wesentlichen Investitionen“ nötig seien. Auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hatte Fischer auf seiner Seite.

Lediglich Christoph Elschenbroich (parteifrei) scherte aus den geschlossenen Reihen aus und votierte als einziger dagegen. „Ende gut, alles schlecht“, meinte er. Er hielt es für „undemokratisch“, dass man darauf verzichtete, die Bürger per Ratsbegehren zu befragen, wie sie zu einer Ski-WM 2025 in Garmisch-Partenkirchen stehen. Mit seiner Kontra-Meinung stand er ziemlich isoliert, wie das Abstimmungsergebnis von 27:1 zeigt. „Ich bin froh. Das hat mich brutal gefreut und ist ein großer Vertrauensbeweis – für mich und den Skiclub“, erklärt Fischer.

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