Ein Innenraum, der für die damalige Zeit keine Wünsche offenließ.

Prototyp jahrelang verschollen

BMW-Modell Garmisch existiert wieder

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Der Ortsteil Garmisch als Vorreiter in der Automobilindustrie? Zumindest für seinen Namen trifft das durchaus zu. Der BMW Garmisch diente 1970 als Vorläufer des 5er BMW. Der Coupé-Prototyp verschwand jedoch spurlos. Jetzt tauchte sein Nachbau wieder auf.

Garmisch-Partenkirchen/Cernobbio – Das Foto ist verblichen. Es zeigt ein goldfarbenes Auto. Abgestellt vor einer beigefarbenen Sandsteinwand. Vor einigen Jahren sieht Adrian van Hooydonkdas Bild zum ersten Mal, seitdem geht es dem Niederländer nicht mehr aus dem Kopf. Die Form, die Wirkung, die Linienführung – sie faszinieren ihn. Als Designchef von BMW hat er dafür ein Auge. Er sieht sofort: Dieses Auto ist aus seinem Haus, aus der Vergangenheit. Nur: Was ist damit passiert? In Serie ging es jedenfalls nie.

Karosserie von zeitlosen Eleganz.

Van Hooydonk recherchierte. Das Auto heißt BMW Garmisch. 1970 wurde er in Genf erstmals präsentiert. Danach verschwand er spurlos. Jetzt gibt es ihn wieder. Dafür hat sich der oberste BMW-Designer eingesetzt. So schildert es die „Corriere d’Eleganza“, ein Spezial-Magazin im DIN-A3-Format. Über Autos und Motorräder. Nicht irgendwelche Autos und Motorräder, sondern solche, die beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See präsentiert werden, einer exklusiven Veranstaltung für geladene Gäste, der „Schönheitswettbewerb für alte Autos“, sagt Peter Dietrich aus Garmisch-Partenkirchen. Er war dort, brachte die Corriere d’Eleganza mit. Und dazu die Geschichte zum BMW Garmisch.

Dietrich ist ein Autonarr, jahrelang war er in der Automobilindustrie tätig, Oldtimer sind seine Leidenschaft. Der 56-Jährige kennt sich aus. Noch nie aber hatte er bislang davon gehört, dass BMW ein Modell mit dem Namen „Garmisch“ produziert hat. Die Gründe waren 1970 andere als heute.

Damals hatte Marcello Gandini, einer der einflussreichsten Automobildesigner aller Zeiten, den Prototypen des Mittelklasse-Coupés entworfen. Auf dem Genfer Autosalon wurden derartige Fahrzeuge als Grundlage für mögliche neue Serienmodelle präsentiert, um die Reaktionen der Presse darauf zu testen. Den Namen für sein Werk hatte sich Gandini gut überlegt. Er sollte die italienische Hautevolee sowie die bayerischen Manager überzeugen: „Skifahren war zu dieser Zeit in Italien äußerst populär“, wird der heute 80-jährige Gandini in der „Corriere d’Eleganza“ zitiert. „Der Name Garmisch beschwor Träume von Wintersport und alpiner Eleganz.“

Das Gesamtpaket gefiel offenbar. Das Urteil der Fachjournalisten damals: „Sie fanden’s toll“, sagt Dietrich. Mit seinen Design-Elementen wurde der BMW Garmisch ihm zufolge Vorreiter des BMW 5er. Etwa die „unverkennbare Front“ sowie die gesamte Linienführung hat man übernommen.

Das Original aber verschwand. Keiner weiß, wo, wann, durch wen, warum. Damit verschwand auch ein Teil der BMW-Firmengeschichte. Bis jetzt.

 Der Garmisch gilt als Prototyp der 5er-Serie.

Chefdesigner van Hooydonk ließ der Gedanke, das Garmisch-Coupé nachzubauen, nicht mehr los. Im Sommer 2018 besuchte er Gandini in seinem Haus in Turin, um mehr über das Modell zu erfahren und ihn zu überzeugen. Eine BMW-Garmisch-Rückkehr ohne Gandini – keine Option. Der niederländische Automobildesigner erzählte dem italienischen Kollegen von seiner Idee. Gandini soll sie für „ein wenig verrückt“ gehalten haben, „aber sie gefiel ihm“.

In München begann das Garmisch-Team mit der Recherche und dem Wiederaufbau. Als Quellen für jedes Karosserieteil und die Innenausstattung dienten Gandinis Erinnerung und eine Handvoll alter Fotografien, zum Teil in Schwarz-Weiß. Originaldokumente existierten keine mehr.

Zunächst wurde das Auto am Computer in 3D nachgebaut. Daraus entstand ein Modell im Maßstab 1:1. Schließlich haben Karosseriekonstrukteure in Turin mit Sinn für Kunst das Auto von Hand gebaut – genau wie das Original vor fast 50 Jahren. Auch die Farbe rekonstruierten die Experten: ein helles Champagnergold-Metallic im Stil der italienischen Mode dieser Zeit, wie sie der Autor in der Corriere d’Eleganza beschreibt. Wie viel BMW in die Rekonstruktion des Wagens investiert hat, war nicht in Erfahrung zu bringen. Wohl aber, was mit dem BMW Garmisch passiert: Dietrich zufolge wird das Auto künftig im BMW-Museum zu sehen sein.

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