AfD-Politiker abgewählt: Rechtsausschuss-Vorsitzender Brandner muss gehen

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Rund 200 Künstler setzen ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt.

Vor den Landtagswahlen in Brandenburg

Cover-Version für Vielfalt: „Künstler mit Herz“ wollen Wahlerfolg der AfD verhindern

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Es gibt sie in Bayern und jetzt auch in Brandenburg: die Initiative „Künstler mit Herz“. Ideengeberin und Schauspielerin Angela Hundsdorfer kreierte mit 200 Mitwirkenden ein AfD-kritisches Musikvideo – mit klarer Botschaft.

Garmisch-Partenkirchen/Berlin– Der Schock sitzt noch tief bei Angela Hundsdorfer. Die Ergebnisse der Alternative für Deutschland, kurz AfD, bei der Europawahl im Land Brandenburg haben sie erschüttert. 19,9 Prozent holte die Partei. Laut aktuellen Umfragen knackt sie bei den Landtagswahlen an diesem Sonntag die 20-Prozent-Marke. Hundsdorfer glaubt nicht an die prognostizierten Rekord-Resultate. „Ich befürchte aber, dass die AfD in vielen Landkreisen stärkste Partei wird“, sagt sie. „Leider.“

Die gebürtige Garmisch-Partenkirchnerin, die in Berlin lebt, hat ihren Teil dazu beigetragen, die Entwicklung vielleicht etwas einzubremsen. Die 45-Jährige gehört der Initiative „Künstler mit Herz Bayern“ an, die vor den Landtagswahlen im Freistaat 2018 mit dem Lied „Mia ned“ ein Zeichen gegen den Rechtsruck setzten. Das virale Video stieß damals auf eine riesige Resonanz (wir berichteten). Hundsdorfers zündende Idee: Man könnte das für Brandenburg adaptieren. Ein Anruf beim Garmisch-Partenkirchner Schauspieler-Kollegen Harald Helfrich, einem der Köpfe des Vorgänger-Pendants, und das Cover war gebongt.

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Zeigt Flagge: Angela Hundsdorfer.

In dem Clip zu „Wir nich!“ schlendert eine junge Frau in Latzhose durch die Straßen und singt Strophen wie „Wähl’ du doch eine Partei, die das Land nicht spalten will, die Menschlichkeit bewahrt und Vielfalt hat als Ziel“. Neben Anja Neumann, 29, aus Eberswalde wirken rund 200 Künstler bei dem Projekt mit. Alle haben sich ihre Teilnahme gut überlegt. In kleinen Orten, sagt Hundsdorfer, „gibt es die Angst, sein Gesicht zu zeigen, wenn man gegen die AfD ist“.

Hass-Botschaften halten sich im Rahmen

Während der Aufnahmen lernte sie viele Menschen kennen. Zum Beispiel einen Mann, Mitte 50, der seinen Stammtisch-Brüdern vom Dreh erzählte. Zwei ließen durchblicken, die umstrittene Partei zu wählen, die anderen seien still geworden. Hundsdorfer erfuhr auch von einer Familie, in der die AfD zum Streitthema geworden war. „Man hat nicht mehr miteinander gesprochen“, sagt sie. Erst durch das Video kam es wieder zu Diskussionen.

Mit der Resonanz des Videos ist die Initiatorin, die unter anderem in Neuruppin arbeitet, sehr zufrieden. Über 58.000 Klicks hat es seit der Veröffentlichung Mitte August bei YouTube erreicht, auf der „Künstler-mit-Herz“-Facebook-Seite nähern sich die Interaktionen der Millionen-Marke. Wie Helfrich kommentierte Liedermacher Roland Hefter, der „Mia ned“ gesungen hatte, das Video: „Tränen in den Augen, es hat mich echt berührt.“ Es gibt aber auch Hass-Botschaften, räumt die Schauspielerin und Regisseurin ein. Die würden sich aber im Rahmen halten.

Mehr zum Thema: Umfrage zur Brandenburg-Wahl: CDU droht Debakel - SPD und AfD gleich auf

Mit dem Dreh allein war es aber nicht getan. Ende Juni, zu Beginn der Berliner Sommerferien, startete Hundsdorfer, frühere Mitwirkende beim Kultursommer, mit der Organisation, stellte ein Kernteam von sieben Helfern zusammen. Dann begann das Netzwerken. Der Text zu „Wir nich!“ entstand im Kollektiv. Sängerin Neumann schrieb viel, Hundsdorfer und Kollegen steuerten in einem „zweiwöchigen Prozess“ einzelne Strophen bei. Sie wurden auf die Situation und Stimmung in Brandenburg zugeschnitten. Anders als in der bayerischen Version flogen die Themen Kirche und Frauenrechte raus, dafür geht’s um Kohle und darum, dass sich viele Ostdeutsche abgehängt fühlen.

In dem Projekt steckt Herzblut und Überzeugung. „Das war wahnsinnig viel Arbeit“, sagt Hundsdorfer. Sie weiß, dass man zwischen der AfD, deren Politikern sowie den Inhalten und den Bürgern, die reelle Sorgen plagen und sich bei der Partei gut aufgehoben fühlen, differenzieren muss. Die „Künstler mit Herz“ wollen auch nicht gegen die AfD hetzen, sondern für Toleranz, eine offene Welt mit buntem Miteinander werben. „Es ist wichtig zu zeigen, dass Brandenburg nicht nur ein brauner Sumpf ist.“

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