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Bei Garmisch-Partenkirchen: Braunbär gesichtet! Gefahr für G7-Gipfel?

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Von: Christian Fellner, Andreas Seiler, Josef Hornsteiner, Veronika Mahnkopf

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Zum ersten Mal seit rund zwei Jahren ist im Werdenfelser Land wieder ein Braunbär gesichtet worden. Das Tier tappte bei Mittenwald in eine Fotofalle. Nähere Angaben können noch nicht gemacht werden.

Update vom 3. Mai, 18 Uhr: Die Kelten verehrten ihn als Gottheit, später jagten und verdrängten die Europäer den Bären gnadenlos. Lange Zeit galt dieser im Alpenraum als ausgestorben. Nur langsam kehrt er im Zuge von Ansiedlungs- und Auswilderungsprojekten zurück. Sichtungen haben daher Seltenheitswert. Durch den Landkreis Garmisch-Partenkirchen streifte eines der mächtigen Säugetiere zuletzt nachweislich im Frühjahr 2020. Es erwies sich als Bärlauch-Liebhaber und war völlig harmlos.

Braunbär bei Garmisch-Partenkirchen gesichtet: Nachricht verbreitet sich wie Lauffeuer

Es verwundert nicht: Die Nachricht, dass sich nun Meister Petz hierzulande erneut blicken ließ, schlägt hohe Wellen – und verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Ob es sich um einen neuen Bären handelt oder um den alten Bekannten, ist nicht geklärt. Gemeldet hatte jedenfalls den seltenen Fall das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU). Inzwischen ist auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ein Braunbär aufgetaucht.

Der Braunbär wurde am vergangenen Samstag von einer Wildtierkamera fotografiert, die offenbar ein Berufsjäger aufgestellt hatte. „Bayern ist mit einem Managementplan auf diese Situation vorbereitet“, erklärt die in Augsburg ansässige Fachbehörde in einer Pressemitteilung.

Nach Tagblatt-Informationen entstand die Aufnahme im Bereich zwischen Lautersee und Ferchensee bei Mittenwald. Offiziell bestätigt wird dies allerdings nicht. Man wolle, wie es seitens des Landesamtes heißt, „Nachstellungen“ verhindern. Gemeint sind damit etwa Foto-Touristen – oder im schlimmsten Fall Hobbyjäger. Genauere Angaben zu dem Tier, was Alter und Geschlecht angeht, können nicht gemacht werden. Dazu ist das in der Nacht geschossene Foto zu unscharf.

In Oberbayern: Wildtierkamera fotografiert Braunbär - Tierschutzverein warnt vor Panikmache

Hilfreich wären für eine Analyse genetische Hinterlassenschaften, etwa Kot oder Fell. Über die Herkunft des Braunbären kann ebenfalls nur spekuliert werden. Die nächste Population befindet sich im italienischen Trentino, etwa 120 Kilometer von Bayern entfernt. Das Landesamt schickt dem Vernehmen nach einen Fachmann, der der Causa auf den Grund gehen soll.

Tessy Lödermann, Kreischefin des Tierschutzvereins, ist mit der Sache bereits bestens betraut – und warnt vor Panikmache. „Bären sind in der Regel friedfertige Tiere und meiden den Menschen“, sagt die Dritte Landrätin. Meistens ernährten sich diese vegetarisch, zum Beispiel von Kräutern, Beeren, Pilzen und Früchten.

Bei entsprechender Prägung nehmen sie aber auch Fleisch zu sich. Die Grünen-Politikerin aus Garmisch-Partenkirchen geht im aktuellen Fall von einem Jungbären aus, der sich auf Wanderschaft begeben hat und einen neuen Lebensraum sucht – eine ganz normale Verhaltensweise. Man sollte daher bis zum Beginn des Almsommers Ruhe bewahren, empfiehlt sie. „Bis dahin wissen wir mehr.“

Braunbär bei Garmisch-Partenkirchen: Grünen-Politikerin geht von Jungtier aus

Tritt ein Bär auf den Plan, schrillen bei vielen Landwirten und Almbauern die Alarmglocken. Sie haben leidvolle Erinnerungen an Bruno, der überhaupt nicht artig war und im Landkreis Schafe, eine Ziege sowie einige Hühner riss. 2006 wurde der „Problembär“ bei Bayrischzell erschossen – und muss seitdem als präparierte Attraktion im Münchner Museum „Mensch und Natur“ herhalten. Der Abschuss gilt allerdings als Ultima Ratio.

Hilfreich sind Elektrozäune zur Absicherung oder Gummigeschosse, die die Tiere dazu bringen sollen, sich von Siedlungen fernzuhalten. Auch sollte bei Aufenthalten in der Natur darauf geachtet werden, keine Essensreste und keinen Müll zurückzulassen.

Christian Neuner, Landwirt aus Mittenwald und Vorstandsmitglied im Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern, bleibt gelassen. Dass Bären durch den Voralpenraum ziehen, werde häufiger vorkommen. „Das müssen wir akzeptieren“, sagt er – und fügt hinzu. „Ich habe vor dem Wolf mehr Angst.“

Bedeutung für G7-Gipfel? Braunbär-Sichtung nur wenige Kilometer von Schloss Elmau entfernt

Bemerkenswert: Der Mittenwalder Bären-Nachweis ist sogar mit Blick auf den bevorstehenden G7-Gipfel von Bedeutung. Denn der Veranstaltungsort, Schloss Elmau, liegt nur wenige Kilometer davon entfernt. Ein herumlaufendes Raubtier dürfte nicht zum strengen Sicherheitskonzept passen. Man habe das Thema auf dem Schirm und sei im Austausch mit dem Landesamt für Umwelt, teilt der Planungsstab der Bayerischen Polizei mit. Von Sichtungen vor Ort sei aber nichts bekannt.

Noch mehr aktuelle Nachrichten rund um das Gipfeltreffen 2022 finden Sie auf Merkur.de/G7-Gipfel Elmau

Neben dem Bären in Mittenwald gibt es zudem Hinweise auf einen Beutegreifer im Hinteren Graswangtal im Ammergebirge. Möglicherweise handelt es sich um einen Wolf. Auf einem Foto ist laut Landratsamt ein sogenannter Canidae zu sehen, also ein hundeartiger Vierbeiner. Die Aufnahme wird derzeit von Fachleuten ausgewertet.

Originalmeldung: Garmisch-Partenkirchen - Ein Braunbär ist im Landkreis Garmisch-Partenkirchen in eine Fotofalle getappt. Die Aufnahme der Wildtierkamera stammt vom Wochenende, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt am Dienstag in Augsburg mitteilte. Weitere aktuelle Sichtungen sind demnach noch keine bekannt.

Garmisch-Partenkirchen: Braunbär gesichtet - 2020 war schon mal einer da

Das letzte Mal wurde in Bayern im Frühjahr 2020 ein Braunbär gesichtet. Gleich mehrfach konnten damals im Winterhalbjahr im Gebiet zwischen Reutte im österreichischen Tirol und dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen entsprechende Hinweise bestätigt werden. Auch 2021 war der Braunbär nahe Linderhof unterwegs.

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Braunbär im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gesichtet: Nächste Population lebt im Trentino

Ob es sich am Wochenende nun um dasselbe Tier gehandelt hat, das 2020 in Bayern erfasst wurde, ist noch unklar. Junge Männchen streifen nach Angaben des Landesamtes auf der Suche nach einem Weibchen teils sehr weit umher. Die nächste Braunbären-Population befindet sich rund 120 Kilometer von Bayern entfernt im italienischen Trentino.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen finden Sie auf Merkur.de/Garmisch-Partenkirchen.

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