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Mann am Gong: JUZ-Mitarbeiter Ben gibt den Takt vor.

Kommunalpolitik erfrischend anders

Politik-Speed-Dating: Jugend löchert im Drei-Minuten-Takt die Bürgermeister-Kandidaten

Das erste Politik-Speed-Dating im JUZ Garmisch-Partenkirchen hat am Samstag Kandidaten und Schüler zusammengebracht. Die Fragen drehten sich um Müllvermeidung, günstige Bustickets oder auch um eine stehende Surfwelle an der Loisach.

Es gongt. Ein Gymnasiast, schick angezogen, zückt seinen Spickzettel und setzt sich. Ihm gegenüber Bürgermeisterkandidat Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander): „Servus, i bin der Toni.“ Ein fester Händedruck, dann geht die Fragerei los. Jeweils drei Minuten haben die Schüler, um die Kandidaten zu löchern, bevor erneut der Gong ertönt – und die jugendlichen Neugierigen einen Tisch weiter rücken, wo der nächste Kandidat Rede und Antwort stehen muss. Direkter kann man Kommunalpolitik nicht erleben.

Ruhig erklärt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) einem Skateboardfreund, dass ihre Partei einen weiteren Skatepark sowie eine stehende Surfwelle an der Loisach befürworte, die aber in der Haushaltssitzung leider „rausgeflogen“ sei. Was die Gemeinde denn für den Naturschutz tue, hakt er noch nach. Nun, zuerst mal den Verbrauch verringern. „Wir müssen das allen Generationen bewusst machen. Aber ihr seid ja schon mal auf einem guten Weg“, verabschiedet Meierhofer den jungen Sportler. „Kundschaft!“, ruft am Tisch daneben Meierhofers Herausfordererin Lilian Edenhofer (Freie Wähler). Die Schülerin vor ihr besucht die FOS am Irmengard. Sie holt Luft und fragt: „Wie kriegt man mehr Schüler in die Politik?“ Das bringt Edenhofer nicht aus der Fassung. Ihre Partei fordere schon lange Lebenskunde als Schulfach. „Da würden dann die ganz normalen Dinge des Lebens unterrichtet“, erläutert sie. Das Mädchen ist zufrieden.

Letzte Runde

Top vorbereitet sind aber auch die knapp zwanzig Schüler, die dem Angebot gefolgt sind. Viele haben ganze Notizhefte mit Fragen dabei, manche schreiben fleißig mit. „In zwei Jahren sind wir diejenigen, die wählen“, schmettert ein Mädchen der CSU entgegen. Deren Bürgermeisterkandidatin Elisabeth Koch erläutert gerade einem jungen Mann, weshalb die Gemeinde leider keine Lasertag-Arena bauen kann: „Das ist Sache der Privatwirtschaft.“ Auch Maxi (16) und Franzi (13) lassen nicht locker. Sie entlocken Thomas Glatt und Robert Krinninger (beide wollen für Garmisch+Partenkirchen miteinander in den Gemeinderat) das Bekenntnis, dass die Einheimischen-Ermäßigung mit 50 Cent oder einem Euro oftmals „lächerlich“ sei. „Entweder man macht das gescheit oder gar nicht“, sagt Glatt. Maxi hakt nach: „Und warum geht das dann drüben bei den Österreichern?“ Die hätten eben ganz andere gesetzliche Voraussetzungen, sagt Krinninger. Da gongt es. „Letzte Runde!“, ruft Jugendzentrums-Mitarbeiter Harry Helfrich.

Wiederholung geplant

„Ich wohne seit 56 Jahren in Garmisch-Partenkirchen. Wenn einer eine gute Idee hat, höre ich mir die natürlich an, ganz egal, von welcher Partei sie kommt“, sagt Gemeinderatskandidat Heiner Zann von der AfD. „Es ist so wichtig, dass man auch Eure Stimme hört. Ihr müsst teilnehmen!“, beschwören eine Trennwand weiter Alexandra Roos-Teitscheid (Grün-Unabhängige Fraktion) und Karina Winkler (Grüne) die Jugendlichen. „Wir wollen überhaupt, dass es wieder schöner wird“, sagen Franziska Louisot und Claudia Zolk vom CSB. Seien es ermäßigte Schülertickets für den Nahverkehr, bessere Radwege oder einfach nur die Umstellung auf heimisches Leitungswasser statt Plastikflaschen: Ausnahmslos alle Kandidaten versprechen ihren zukünftigen Wählern: „Das nehmen wir als Anregung mit.“

Organisiert wurde das Speed-Dating von Jugendbeirats-Sprecherin Seda Erginyavuz und Tabea Hiens (Fridays for Future) in Kooperation mit dem JUZ. Es soll wiederholt werden. „Wir können uns das Format gut noch mal im Herbst vorstellen, wenn die neue Regierung 100 Tage im Amt ist“, sagt JUZ-Leiter Wolfgang Sailer. „Da dürfen die Politiker dann zeigen, welche Themen sie nach der Wahl tatsächlich anpacken.“

Eva Klaehn

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