Ein Ort des Geschehens: Die junge Amerikanerin hielt sich im Peaches auf
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Ein Ort des Geschehens: Die junge Amerikanerin hielt sich im Peaches auf.

Sie feierte trotz Symptomen

Frau (26) sorgt in Bars für großen Corona-Ausbruch in Garmisch - jetzt droht ihr empfindliche Strafe

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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In Garmisch-Partenkirchen schließen nach einem Corona-Ausbruch alle Gastronomie-Betriebe um 22 Uhr. Zu der Frau, die trotz Symptomen durch mehrere Bars gezogen war, gibt es weitere Informationen.

  • Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen reißt den Grenzwert an Corona-Neuinfektionen deutlich.
  • Für den Ort erlässt das Landratsamt daher Einschränkungen.
  • Besonders betroffen ist die Gastronomie. Ab sofort ist um 22 Uhr Schluss.
  • Eine junge Frau hatte wohl ihr Corona-Testergebnis nicht abgewartet - und trotz Symptomen gefeiert.

Update, 15. September, 14.07 Uhr: Aktuell läuft eine Pressekonferenz zum Infektionsgeschehen in Garmisch-Partenkirchen durch die Corona-Superspreaderin. Wir tickern live.

Update vom 15. September, 12 Uhr: Der Fall einer infizierten Amerikanerin, die das Coronavirus wissentlich in Garmisch-Partenkirchen verbreitet hat, treibt immer kuriosere Blüten: Die junge Frau arbeitet im Edelweiss Lodge & Resort, einem nur US-Bürgern zugänglichen Hotel der US-Streitkräfte. Doch noch zwei weitere Hotels in Garmisch-Partenkirchen tragen das Wort „Edelweiß“ im Namen - und erleben jetzt eine gigantische Stornierungswelle.

Update, 14. September, 10.33 Uhr: Wir haben hier die aktuelle Corona-Lage in Garmisch-Partenkirchen inklusiver neuer Infos zur „Superspreaderin" für Sie zusammengefasst.

Update, 19.18 Uhr: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Konsequenzen für die mutmaßliche Verursacherin. „Sollte sich bestätigen, dass die Frau bewusst, trotz eindeutiger Corona-Symptome die Quarantäne ignoriert hat, muss sie mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen“, sagte Herrmann gegenüber dem Münchner Merkur. „Gegen so eine Rücksichtslosigkeit sollte ein klares Signal und ein mahnendes Beispiel gesetzt werden, dass jeder mit empfindlichen Sanktionen rechnen muss, der in dieser besonderen Situation der Pandemie gegen die Regeln verstößt und andere vorsätzlich in Gefahr bringt.“

Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Innenminister Herrmann fordert Konsequenzen

Das Landratsamt geht davon aus, dass der Ausbruch auf eine sogenannte Superspreaderin zurückzuführen ist. Die 26-Jährige soll durch verschiedene Kneipen in der Marktgemeinde am Fuße der Zugspitze gezogen sein und dabei mehrere Menschen angesteckt haben. Nach Angaben der Behörde hat sie auf der Kneipentour schon Symptome gehabt und auf die Ergebnisse ihres Corona-Tests gewartet. In Bayern kann bei Verstößen gegen Quarantäne-Auflagen ein Bußgeld von 2000 Euro verhängt werden.

Update, 13. September, 12.23 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen ist noch unklar, mit welchen Konsequenzen die mutmaßliche Verursacherin rechnen muss. „Das muss geprüft werden. Dazu kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden“, sagte der Sprecher des zuständigen Landratsamtes, Stephan Scharf, am heutigen Sonntag (13. September).

Das Landratsamt geht davon aus, dass der Ausbruch auf eine sogenannte Superspreaderin zurückzuführen ist. Nach Behördenangaben wartete die junge Frau ihr Testergebnis nicht ab (siehe Erstmeldung vom 11. September). In Bayern kann bei Verstößen gegen Quarantäne-Auflagen ein Bußgeld von 2000 Euro verhängt werden.

Mit Corona infiziert: Junge Frau legt Nachtleben in GAP lahm - Testaufruf an bestimmte Personengruppe

Update, 13. September, 11.25 Uhr: Bislang ließen sich nicht alle Kontaktpersonen der mit dem Corona infizierten jungen Frau, die durch mehrere Bars zog, nachverfolgen (siehe Update vom 13. September, 11 Uhr).

Die Gesundheitsbehörde forderte nun diejenigen Personen, die an oder vor diesem Abend in örtlichen Bars unterwegs waren, auf, sich bei der Hotline des Gesundheitsamtes (08821/ 751-500) zu melden und sich testen zu lassen. Der Aufruf richtet sich vor allem an junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren, die sich angesteckt haben könnten.

Corona in Garmisch-Partenkirchen: Frau (26) feierte in mehreren Bars und steckte dabei wohl zahlreiche Menschen an

Update, 13. September, 11 Uhr: Der heftige Corona-Ausbruch im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen geht nach Behördenangaben wohl zu einem großen Teil auf das Konto einer feierfreudigen jungen Frau. Davon ist zumindest das zuständige Landratsamt überzeugt. Die 26-Jährige soll an verschiedenen Tagen durch mehrere Kneipen in der Marktgemeinde am Fuße der Zugspitze gezogen sein und dabei zahlreiche Menschen angesteckt haben. Nach Angaben der Behörde soll sie auf ihrer Kneipentour schon Symptome gehabt und nicht auf die Ergebnisse ihres Corona-Tests gewartet haben.

„Die Dame hat Symptome gehabt, war bei uns bei der Teststation und wurde aufgrund der Symptome aufgefordert, in Quarantäne zu bleiben. Das hat sie aber nicht getan“, sagt der Sprecher des Landratsamtes, Stephan Scharf, am Samstag (12. September). Die 26-Jährige sei kurz zuvor aus einem Urlaub in Griechenland zurückgekehrt. Ob sie sich auf der Reise angesteckt hat oder danach in Garmisch-Partenkirchen, das sei aber unklar. „Wo sie sich angesteckt hat, wissen wir nicht“, sagt Scharf. Seine vorherigen Angaben, wonach es sich um eine aus den USA eingereiste Touristin handle, korrigierte er. Es habe ein „Übermittlungsproblem“ innerhalb der Behörde gegeben. Die Frau sei zwar US-Amerikanerin, wohne aber in der Gemeinde und sei keine Urlauberin.

Coronavirus in Garmisch-Partenkirchen: Immer wieder warten Menschen Testergebnis nicht ab

„Fälle, in denen die Leute das Testergebnis nicht abwarten, gibt es ja öfter“, sagt Scharf. „Und die Nationalität ist ja im Grunde auch wurscht. Aber wir wollten, dass möglichst viele Menschen sich melden, die sich daran erinnern, in den letzten Tagen in einer Kneipe Kontakt zu der Frau gehabt zu haben.“

Weil sich bislang nicht alle Kontaktpersonen nachverfolgen ließen, fordert die Gesundheitsbehörde diejenigen, die an oder vor diesem Abend in örtlichen Bars unterwegs waren, auf, sich bei der Hotline des Gesundheitsamtes (08821/ 751-500) zu melden und sich testen zu lassen. Der Aufruf richtet sich vor allem an junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren, die sich angesteckt haben könnten, sind aufgerufen, sich testen zu lassen.

Garmisch-Partenkirchen: Zahl der Neuinfektionen stieg bis Samstag auf 37

In einer Unterkunft, in der die Frau arbeitet, wurden nach Angaben Scharfs bislang 24 Menschen positiv getestet. Insgesamt belief sich die Zahl der Neuinfektionen bis Samstag auf 37. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 54 und damit über der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen. „Die müssen sich natürlich nicht alle bei ihr angesteckt haben“, betont Scharf. 453 Positiv-Fälle seien seit Beginn der Corona-Krise im Landkreis nachgewiesen worden.

„Aus medizinischer Sicht ist mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Infektionen im Landkreis zu rechnen“, teilt das Landratsamt mit und verhängt in der rund 26 000 Einwohner zählenden Marktgemeinde am Freitag Beschränkungen für das öffentliche Leben. „Wir wollen das Nachtleben, das der Auslöser war, runterfahren.“

Privatveranstaltungen: Nur noch maximal 50 Personen in geschlossenen Räumen erlaubt

Alle Gaststätten müssen dort um 22 Uhr schließen. Nur noch maximal fünf Personen dürfen sich im öffentlichen Raum gemeinsam treffen - das gilt auch für alle Gastronomiebetriebe. Für Privatveranstaltungen wird die Teilnehmerzahl auf höchstens 50 Personen in geschlossenen Räumen oder bis zu 100 Personen unter freiem Himmel beschränkt.

Wegen der hohen Infektionszahlen wurde die für diesen Samstag geplante Veranstaltung „Ausbremst is“ von den Organisatoren abgesagt. Auch die Kundgebung von Landwirten aus Protest gegen die Ausbreitung von Wölfen in Bayern an diesem Sonntag fällt coronabedingt aus.

Erstmeldung vom Freitag, 11. September:

Garmisch-Partenkirchen – Gehofft haben stets alle, dass es nicht so weit kommen wird. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) war noch vor zehn Tagen bei der Eröffnung der Corona-Teststation in Garmisch-Partenkirchen stolz darauf gewesen, dass der Landkreis mit sehr guten Zahlen im oberbayerischen Vergleich glänzt. Keine zwei Wochen später hat sich das Blatt gewendet: Nun herrscht erhöhte Alarmbereitschaft in der Region. Der Corona-Krisenstab kam am Freitagnachmittag im Landratsamt zusammen, um die Lage zu besprechen und die Sanktionen zu beschließen. Auslöser dafür ist ein Ausbruchsgeschehen im Garmisch-Partenkirchner Nachtleben und speziell unter Angestellten des US-Hotels Edelweiß Lodge Resort. Allein am Freitag wurden im Landkreis 33 neue Positiv-Fälle registriert, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt somit bei 54 – damit über dem Grenzwert für den Landkreis. Das Resultat des Krisengipfels: Das Landratsamt hat eine Allgemeinverfügung, die zunächst nur für den Markt Garmisch-Partenkirchen gilt. Sie trat am Freitagabend in Kraft.

Ab sofort: Gastronomen in Garmisch-Partenkirchen müssen um 22 Uhr schließen

Die neuen Regelungen für den Gemeindebereich mit allen Ortsteilen: Von Freitagabend, 22 Uhr, darf die gesamte Gastronomie in Garmisch-Partenkirchen nur noch bis 22 Uhr geöffnet sein. Private Veranstaltungen werden limitiert – auf 50 Personen in geschlossenen Räumen und 100 Personen im Freien. In Restaurants und Bars dürfen maximal fünf Gäste an einem Tisch sitzen. Gleiches gilt für Ansammlungen im öffentlichen Raum. Laut der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaats Bayern sind eigentlich zehn Personen erlaubt. Diese Vorschriften gelten vorerst für eine Woche. Doch Veranstaltungen am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen sind nicht betroffen. Die Demo „Ausbremst is’“ am Samstag, 12. September, sowie die Kundgebung des Bayerischen Bauernverbandes am Sonntag können unter Auflagen stattfinden. Laut Landratsamt fallen diese unter das Versammlungsrecht. Aber: Beide Demonstration wurden kurzfristig am Samstag abgesagt.

„Wir müssen das Nachtleben herunterfahren“, sagt Stephan Scharf, der Sprecher der Kreisbehörde. „Denn dort passiert momentan einfach zu viel.“ An Themen wie einer generellen Schließung von Schulen - zwei Klassen befinden sich mittlerweile in Quarantäne - gehen die Verantwortlichen bislang noch nicht heran. „Wir müssen die Fallzahlen im Auge behalten, auch wie sich die Situation an den Schulen konkret entwickelt“, betont Scharf.

Videografik: So wird eine Corona-Infektion festgestellt

Garmisch-Partenkirchen: Damit die Regeln eingehalten werden: Polizei informiert

Um die neuen Regeln zu überwachen, bekommt das Landratsamt Amtshilfe von der Polizei. „Die Beamten werden verstärkt Streife fahren und auch dabei behilflich sein, die Gastronomie zu informieren“, betont Scharf.

Viel Arbeit haben aktuell die Ermittlungsteams des Gesundheitsamtes. Mitarbeiter der Behörde waren noch am Freitagabend im US-Hotel an der Zugspitzstraße, um Daten zu sammeln. Als Auslöserin der sprunghaft gestiegenen Fallzahl gilt unter anderem eine 26-jährige Amerikanerin, die rund um das vergangene Wochenende sehr stark am Nachtleben teilgenommen hat. In verschiedenen Bars war sie unterwegs – offenbar nicht wissend, dass sie Corona-positiv ist. Dieses Ergebnis ergab ein Abstrich, dessen Befund Mitte dieser Woche eintraf. „Wir gehen derzeit davon aus, dass sie zahlreiche Personen angesteckt hat“, sagt Scharf sehr deutlich.

GAP: Kontaktpersonen gesucht und zum Test aufgefordert: Wer war in in diesen Lokalen unterwegs?

Um diese Annahme zu verifizieren, liegt der Fokus bei der Ermittlungen von möglichen Kontaktpersonen auf zwei Nachtlokalen: das Peaches am Marienplatz im Ortsteil Garmisch sowie das Irish Pub am Rathausplatz in Partenkirchen. Infizierte Personen haben sich dort an den Abenden des Donnerstag, 3. September, und Dienstag, 8. September (jeweils Peaches), sowie am Samstag, 5. September (Irish Pub), aufgehalten. „Bisher haben sich nicht alle Kontaktpersonen nachvollziehen lassen“, betont Scharf. „Daher sind wir auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen.“

Betroffene sollen sich schnellstmöglich auf den Covid-19-Erreger testen lassen. Dafür steht die Station am Alpspitz-Wellenbad zur Verfügung. Das Bayerische Rote Kreuz wird die Einrichtung personell deutlich aufstocken. „Wir werden in den kommenden Tagen das Gesundheitsamt dabei unterstützen, so viele Abstriche wie nötig zu machen, um möglichst alle potenziellen Infektionsträger zu identifizieren“, betont Klemens Reindl, der Kreisgeschäftsführer des BRK. Dazu werden die Öffnungszeiten um zwei Stunden täglich erweitert. Abstriche sind möglich in der Zeit von 15 bis 20 Uhr. „Speziell alle 18- bis 35-Jährige, die in den vergangenen Tagen Nachtlokale im Ort aufgesucht haben, werden besonders aufgefordert, sich testen lassen“, betont Scharf. Eine Online-Anmeldung unter www.lra-gap.de oder per Telefon unter 0 88 21/751 900 ist erwünscht. „Es wird aber niemand abgewiesen, der sich nicht vorher meldet.“

Erhöhte Corona-Fallzahlen in Garmisch-Partenkirchen: Kein Grund zur Panik, aber Gefahr nicht unterschätzen

Die Marschroute zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ist nun klar formuliert: „So viel und so schnell testen, wie es nur geht“, sagt Jörg Jovy, Pressesprecher der BRK-Kreisverbands. Das Rote Kreuz wird zur zusätzlichen Information der Bevölkerung in der Region auch die Internetseiteseite www.coronagap.de wieder in Betrieb nehmen. „Wir haben bemerkt, dass Information in dieser Pandemie das A und O darstellt“, sagt Jovy.

Reindl, der in der ersten Welle einer der Köpfe des Krisenstabs im Landkreis war, hält trotz der erhöhten Fallzahlen nichts von Panikmache: „Ich bin zuversichtlich, dass wir das Infektionsgeschehen in den Griff bekommen werden, auch ohne einen landkreisweiten Lockdown.“ Die Hilfskräfte seien durch die Erfahrungen aus dem Frühjahr wesentlich besser auf die Situation vorberietet. Aber: „SARS-CoV-2 ist ein hochansteckender Erreger, der nicht unterschätzt werden darf. Vielleicht ist man in den letzten Wochen an der einen oder anderen Stelle zu leichtfertig im Umgang mit dem Virus geworden.“

Bestürzt reagierte Peter Messerschmitt, Senior-Chef des Peaches: „Das ist furchtbar“, sagt der Kult-Gastronom. Am Donnerstag stand das Gesundheitsamt vor der Tür – und klärte die Belegschaft auf. „Wir haben ein Hygienekonzept, das auch strikt eingehalten wird.“ Die betroffenen Mitarbeiter schickte er sofort in Quarantäne. Die Bars veröffentliche auf Facebook einen Anruf an Gäste der beiden Abende, sich umgehend testen zu lassen.

Die Regeln für Garmisch-Partenkirchen im Überblick

  • Alle Gastronomie-Betriebe müssen ab Freitag, 11. September, ab 22 Uhr schließen.
  • Private Veranstaltungen sind beschränkt auf: 50 Teilnehmer in geschlossenen Räumlichkeiten oder 100 Personen unter freiem Himmel.
  • Kontaktbeschränkung: Maximal fünf Personen dürfen an einem Tisch sitzen oder sich im öffentlichen Raum gemeinsam aufhalten.
  • Diese Regeln gelten für eine Woche bis 18. September und nur für die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen.

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