+
Der neue Vorstand der AV-Sektion Garmisch-Partenkirchen: (v.v.l.) Martin Willibald, Sebastian Buchwieser, Johanna Grill, Christine Sontheim, Jörg Pflugmacher und Udo Knittel; (h.,v.l.) Gerald Walter, Bernhard Hofmann, Bernhard Ostler, Toni Bräckle, Peter Anzenberger junior, Angelika Warmuth, Antonius Huber und Rudi Müller. 

Alpenverein - Sektionschef beklagt: Berge nur noch Event-Arena

Garmisch-Partenkirchen:  DAV-Vorsitzender fordert mehr Respekt von Alpinisten

Menschenmassen in den Bergen bringen Probleme. Das hebt Udo Knittel, Vorsitzender der DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen, hervor. Er kritisiert die Kommerzialisierung und fordert Respekt.

Garmisch-Partenkirchen –Udo Knittel sieht für die Zukunft große gesellschaftliche Veränderungen voraus, die auch vor den Alpinisten nicht Halt machen. „Leider geraten die traditionellen Belange mit den Vorzügen einer AV-Mitgliedschaft in Vergessenheit. Die zunehmenden Menschenmassen, die sich im Alpenraum bewegen, sehen die Berge inzwischen als eine Event-Arena und erwarten entsprechenden Komfort“, mahnte Knittel bei der Jahresversammlung in der Aule-Alm. Diese nicht gerade förderliche Kommerzialisierung steht im Widerspruch zu den Ideen der Gründerväter. „Man sollte den Bergen wieder mit mehr Respekt begegnen“, forderte der Vorsitzende in Hinblick auf das 150-jährige Bestehen des Deutschen Alpenvereins – und erinnerte dabei an die Pionierleistungen des Dachverbandes, den Bau von Schutzhütten in den Ostalpen und die Schaffung eines riesigen Bergwegenetzes zu damaliger Zeit. Auch auf die aktuelle DAV-Politik ging der Vorsitzende ein. Der Umgang mit der e-Mobilität mit Bikes im Gebirge beispielsweise kam dabei ebenso zur Sprache wie die Reform des Hütten-Reservierungssystems und die Digitalisierungsoffensive mit Mitglieder-Kostenbeteiligung.

Sorgen bereitet das Wankhaus über Garmisch-Partenkirchen

Das Jahr 2018 war aber nicht nur allgemein, sondern auch für die Sektion Garmisch-Partenkirchen selbst ein bewegtes Jahr. Sorgen bereitet Knittel dabei das Wankhaus mit seiner recht maroden Bausubstanz. Ein Gutachten dazu zeigt ein düsteres Bild auf. „Wir stehen vor der Entscheidung, für etwa drei Millionen Euro umzubauen oder uns einen Neubau für etwa das Doppelte zu leisten“, erläuterte er. Weitaus erfreulicher sieht es bei den anderen Immobilien der Sektion aus. „Die Stuibenhütte erstrahlt in neuem Schindel-Kleid.“ Allerdings hält die Höllentalklamm bei Extrem-Regen und Felsstürzen die Verantwortlichen nach wie vor auf Trab. „Die Klamm wird uns in Zukunft sowohl geologisch als auch bei den statischen Erfordernissen an Brücken und Geländer fordern“, betonte Knittel. Auch auf den Bereich Naturschutz ging Knittel ein. „Die Sektion leistete ihren Beitrag mit Aktionen zum Klimafrühling und zum Artenschutz.“

Neue Angebote der DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen

Beim Bergsport steht mit Ausbildungs- und Tourenangeboten mit der neuen Bergtourengruppe eine Erweiterung an. Auch die traditionelle Bergfahrtengruppe, die Sepp Winter Jahrzehnte begleitet hatte, wird mit einem Angebot für Senioren belebt.

Weiterer Punkt waren die Mitgliedsbeiträge. Eine Anpassung aufgrund der Digitalisierungsoffensive des DAV um fünf Euro (für ein A-Mitglied bedeutet das eine Erhöhung von 55 auf 60 Euro) ging mit nur wenigen Gegenstimmen durch. Der Antrag eines Mitglieds, eine weitere Beitragserhöhung vorzunehmen, wurde mit großer Mehrheit abgeschmettert. „Dies braucht es momentan nicht“, erklärte Knittel.

Lesen Sie auch:  Der Alpenverein feiert sein 150-jähriges Jubiläum

Eine kurze Diskussion flammte auf, als es um die „Organisationsgebühr“ ging, die bei Gruppenfahrten erhoben wird. Diese wurde von den Vorstandsmitgliedern vehement verteidigt. „Die Fachübungsleiter haben die Verantwortung, organisieren und werden davon auch für die Unkosten bezahlt. Dies empfinden wir als gerechtfertigt“, sagte Knittel, der zudem anmerkte, dass die Sektions-Jugend von dieser Abgabe befreit ist.

Einstimmiger Vertrauensbeweis für Vorstand der DAV-Sektion

Ohne Probleme leiteten im Anschluss Hermann Glatz und Hans Ettl die Neuwahlen. Udo Knittel führt auch künftig die Alpenvereins-Sektion Garmisch-Partenkirchen als Vorsitzender an. Auch Stellvertreter Martin Willibald, Schatzmeister Antonius Huber und Schriftführer Rudi Müller bekamen von den 78 Wahlberechtigten bei der Neuwahl den einstimmigen Vertrauensbeweis. Änderungen ergaben sich beim Wegereferenten. Diese Aufgabe nimmt anstelle von Florian Klumpp künftig Johannes Zerhoch zusammen mit Christian Hillmaier wahr. Auch Christine Sontheim gehört nunmehr als Leiterin der Bergsportgruppe dem Beirat an und übernimmt zusammen mit Gabi Bauer und Siv Gössner diese Aufgabe. Sie lösen damit Jens Appel ab. Bernhard Ostler ist in Zukunft anstelle von Hans Hofmann Referent für die Höllentaleingangshütte/Höllentalklamm. Hofmann wurde für sein unermüdliches 49-jähriges Engagement besonders gewürdigt.

Klaus Munz

Das könnte Sie auch interessieren: Die Themenseite zum Deutschen Alpenverein

Neuwahlen

Erster Vorsitzender: Udo Knittel; Zweiter Vorsitzender: Martin Willibald; Schatzmeister: Antonius Huber; Schriftführer: Rudi Müller; Vertreterin der Sektionsjugend: Johanna Grill (für Sebastian Buchwieser); Rechnungsprüfer: Peter Schwarz und Ludwig Hillmaier; Referent Boulderhalle: Pirmin Steiner; Referent Höllentalklamm/Eingangshütte: Bernhard Ostler; Referent Kreuzeckhaus: Bernhard Hofmann; Referent Meilerhütte: Gerald Walter; Referenten Oberreintal/Stuibenhütte: Peter Anzenberger junior und Toni Bräckle; Referent Wankhaus: Peter Anzenberger senior; Felsbetreuer: Sebastian Buchwieser; Naturschutzreferentin: Angelika Warmuth; Wegereferenten: Christian Hillmaier und Johannes Zerhoch (für Florian Klumpp); Ausbildungsreferent: Jörg Pflugmacher; Leiterin Bergsportgruppe: Christine Sontheim; Leiterin Bergtourengruppe: Petra Clauß. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bär in Bayern gesichtet: Wildtierkamera knipst „scheues“ Tier 
Ein Braunbär ist an der Grenze zu Bayern in eine Fotofalle getappt. Jetzt wurde das Tier auch im Freistaat geknipst.
Bär in Bayern gesichtet: Wildtierkamera knipst „scheues“ Tier 
Gefahrenstelle: Voraussetzung für Gehweg fehlt noch
Für viele ist sie eine der gefährlichsten Stellen im Ort: die Bundesstraße 23 im Bereich des Campingplatzes an der Griesener Straße. Schon lange will Grain-au dort einen …
Gefahrenstelle: Voraussetzung für Gehweg fehlt noch
Vier Tote sind genug: Gemeinde Krün drängt auf Entschärfung der B2
Die Bundesstraße 2 bei Krün soll auf Höhe Barmsee und Tennsee entschärft werden. Geplant ist unter anderem Fußgänger-Unterführung.
Vier Tote sind genug: Gemeinde Krün drängt auf Entschärfung der B2
Murnauer Bataillon vor Großeinsatz am Hindukusch
Den Kräften der Werdenfelser Kaserne steht ein großer Auslandseinsatz bevor. Insgesamt 117 Soldaten, ein Drittel des Murnauer Bataillons, werden von November an …
Murnauer Bataillon vor Großeinsatz am Hindukusch

Kommentare