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Männer bei der Arbeit: das Dach des Olympia-Eisstadions in Garmisch-Partenkirchen wird von den Schneemassen befreit.

Schwerlast auf den Dächern

Alarmierende Wetterprognose: Deshalb hat der Landrat den Katastrophenfall ausgerufen

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Erst der große Schnee, nun ist viel Regen prognostiziert: Um gegen alle Gefahren und mögliche Dacheinstürze gerüstet zu sein, hat sich Landrat Anton Speer zum maximalen Schritt entschlossen. Dadurch wird er in die Lage versetzt, zusätzliches Personal und Gerät anzufordern. Die Bundeswehr ist schon im Einsatz.

Landkreis – Für ein paar Stunden zauberte am Freitag die Sonne ein Winterwunderland in den Landkreis. Doch das schöne Bild täuschte. Es war nur eine kleine Verschnaufpause und die Ruhe vor dem nächsten Sturm nach den massiven Schneefällen der vergangenen Tage. Eine weitere Unwetterlage zieht bereits herauf: Massive Tiefausläufer bringen der Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge ab der Nacht zum Sonntag kräftigen Schneefall in den Alpenraum. Im Tagesverlauf könnte die Schneefallgrenze auf 1200 Meter ansteigen, darunter dürfte es regnen. Insgesamt könnte in höheren Lagen stellenweise mehr als ein Meter Neuschnee hinzukommen. „Das mag man sich nicht ausmalen, was da noch alles passieren kann“, sagt ein Experte des DWD. Die Schneedecke werde durch den Regen zwar niedriger, aber die Gefahr wegen der Schneemassen auf den Dächern ansteigen. „Wenn es da rein regnet, wird das Gewicht noch mal erheblich zunehmen.“ Dieses Szenario hatte Statiker Wolfgang Schwind aus Mittenwald bereits vor Tagen im Tagblatt-Interview prognostiziert. „Der schlimmste Fall wäre ein Wetterumschwung. Wenn es regnet, erhöht sich das Schneegewicht.“

Die Aussichten auf Regen haben die Behörden alarmiert. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) hat Freitagvormittag den Katastrophenfall ausgerufen. Er möchte für alle Eventualitäten gerüstet sein und keine unliebsamen Überraschungen erleben. Speer sieht Gefahr im Verzug. Grund sei nicht die Verkehrssituation, die man im Griff habe – „Straßen und Rettungswege sind frei. Für die Bürgerinnen und Bürger bestehen derzeit keine direkten Beeinträchtigungen“ –, sondern der Regen, der für Sonntag erwartet wird. Dadurch besteht Gefahr für die Dächer, die schon jetzt stark belastet sind. „Wir müssen Vorsorge treffen. Wir wollen kein zweites Bad Reichenhall erleben“, sagt Speer. Zur Erinnerung: Am 2. Januar 2006 war das Eisstadion der Gemeinde unter den Schneemassen, die auf dem Dach lagen, zusammengebrochen und hatte 15 Todesopfer gefordert.

Das Feuerwehrhaus in Oberammgau wird geräumt.

„Die Feststellung des Katastrophenfalls ermöglicht dem Landratsamt, zusätzliches Personal und Gerät anzufordern“, erklärt Stephan Scharf, der Sprecher der Behörde. Die Bundeswehr sowie das THW und andere Hilfsdienste wie die gesamten Feuerwehren des Landkreises sind laut Einsatzleiter Klemens Reindl alarmiert und waren teilweise bereits tätig oder sollen im Fall des Falles eingreifen. „150 Soldaten aus Mittenwald unterstützen uns“, sagt Reindl. Sie sollen in drei Gruppen auf Krün, wo der Edeka-Markt und das Kurhaus Gefahren-Schwerpunkte sind, Oberammergau – dort wird das Passionstheater geräumt – und Oberau verteilt werden. In dieser Kommune sind das Gebäude des C&C-Supermarkts sowie die Firma Langmatz betroffen.

Flachdächer sind das Problem

Klemens Reindl, der BRK-Geschäftsführer war schon Einsatzleiter während des G7-Gipfels 2015, gilt als sehr erfahren. Er warnt die Bevölkerung davor, abseits der Pisten Ski zu fahren. „Die Lawinengefahr wird zunehmen“, sagt er. Gefährlich nennt er auch Spaziergänge im Wald. Bäume und Äste können unter der Schneelast brechen.

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Das Problem, das den Landrat dazu bewogen hat, den K-Fall zu verkünden, stellen weniger die Sattel-, sondern vielmehr die Flachdächer dar. Auch der Chef der Garmisch-Partenkirchner Gemeindewerke, Wotan Lichtmeß, hat sich zum Handeln entschlossen. Er ließ am Freitag das Dach des Olympia-Eisstadions vom Schnee räumen. Unter Führung von Günther Rösch, dem Technischen Leiter, befanden sich bis zu 60 Männer und Frauen der Werke, darunter auch Beschäftigte, die sonst nur im Büro arbeiten, im Einsatz. Aus 2006, als das Eisstadion schon einmal vom Schnee befreit werden musste, hat Lichtmeß, zu der Zeit neu Vorstand der Gemeindewerke, gelernt. „Damals habe ich zu lange gezögert. Ich habe mir geschworen, dass mir das nicht noch einmal passiert.“ Das Spiel des SC Riessersee gegen den TSV Peißenberg fand wie geplant statt.

Die Halle 2 und die Curlinghalle hat Lichtmeß allerdings bis Montag sperren lassen, weil eine Räumung nicht möglich war. Der Grund: Auf dem Dach der Halle 2 steht eine Photovoltaikanlage, die Lichtmeß zufolge „sehr empfindlich ist“. Er wisse, dass deshalb wieder gemault werden wird, „doch Sicherheit geht für mich vor“.
Zur Info:
Das Landratsamt hat unter der Nummer 0 88 21/ 75 16 00 ein Bürgertelefon eingerichtet. Zudem gibt es aktuelle Informationen auf der Internetseite des Landkreises Garmisch-Partenkirchen www.lra-gap.de

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