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Endlich Geselle: Abdullah Mohamad präsentiert stolz seinen Gesellenbrief, Chef Stefan Maier freut sich mit ihm. 

Beispiel für gelungene Integration

Endlich Geselle! Syrer meistert Abschlussprüfung - und spricht sogar ein bisschen Bairisch

Er hat seine Chance genutzt: Abdullah Mohamad ist nach seiner Flucht aus Syrien in Garmisch-Partenkirchen gelandet. Dort baute er sich mit Fleiß ein neues Leben auf. Vor allem beruflich läuft‘s bestens.

Garmisch-Partenkirchen – Das Auto hat ihn fasziniert und angetrieben: Abdullah Mohamad aus Syrien hat es geschafft. Der 24-Jährige hält jetzt den Gesellenbrief als Kfz-Mechatroniker in den Händen – eine Auszeichnung, mit der er die Ausbildung beim Garmisch-Partenkirchner Betrieb Auto Maier an der Unterfeldstraße erfolgreich abgeschlossen hat. „Es macht mir Spaß, den Fehler zu suchen und dann auch zu finden“, sagt Mohamad. Auch wenn sich in der Fahrzeugdiagnose inzwischen vieles über Computersysteme steuern lässt, kann die Technik nicht alle Handgriffe ersetzen. Und genau diese sitzen bei Mohamad. „Er versteht sein Handwerk, das habe ich schon beim Probearbeiten in der ersten Woche gesehen. Da hatte ich bereits ein sehr gutes Gefühl, und deswegen hat er auch einen Ausbildungsvertrag bekommen“, sagt Stefan Maier vom gleichnamigen Betrieb.

Im Oktober 2015 bekam Mohamad, der seine Heimatstadt Afrin wegen des Bürgerkriegs verlassen musste, eine Chance bei Auto Maier. Dreieinhalb Jahre sind seitdem vergangen. Dreieinhalb Jahre, in denen er mit Deutsch eine ihm zuvor völlig unbekannte Sprache erlernte. Dreieinhalb Jahre, in denen er sein Wissen über die Autoreparatur vertiefte.

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Syrer bleibt beim Garmisch-Partenkirchner Kfz-Betrieb

Was Mohamad nun mit der bestandenen Gesellenprüfung erreicht hat, ist keinesfalls selbstverständlich: Von knapp 30 Prüflingen seines Ausbildungsjahrgangs aus der Staatlichen Berufsschule Garmisch-Partenkirchen und der Alfons-Brandl-Schule Herzogsägmühle in Peiting haben acht den Abschluss nicht geschafft. „Es war nicht einfach“, sagt der Syrer. Aber Mohamad hat den Gesellenstatus erhalten und für seinen vorbildlichen Einsatz bei seinem Ausbildungsbetrieb auch einen Anschlussvertrag bekommen. „Er ist fleißig und hilft uns weiter“, sagt Maier.

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In den Betrieb hat sich Mohamad super integriert, sogar ein paar Brocken in bairischer Mundart gehen ihm inzwischen locker über die Lippen. „Habe die Ehre“, sagt er und lächelt. Kollegen haben ihn bereits mit zu Bergtouren genommen. Diese waren zwar ziemlich anstrengend – im Vergleich zum Weg, den Mohamad hinter sich hat, aber ein Klacks. Aus Afrin, dem umkämpften und zwischenzeitlich auch von der türkischen Armee besetzten Gebiet im Nordwesten Syriens, etwa 60 Kilometer von Aleppo gelegen, musste er fliehen: über den Libanon, die Türkei, Griechenland und Italien landete er schließlich in Deutschland. Von der Gemeinschaftsunterkunft in München ging es für ihn nach Bad Kohlgrub und von dort aus nach Garmisch-Partenkirchen.

Seine bewegende Geschichte und die tragischen Beweggründe für seine Flucht sind auf der Homepage „Deutschland kann das“ von der Bundesregierung ausführlich dokumentiert. Mohamad möchte nicht über Details aus seiner Vergangenheit, sondern über die positiven Entwicklungen seiner erfolgreichen Berufsausbildung sprechen. Was den Syrer ganz besonders auszeichnet: Er will sich selbst immer weiter verbessern. Der frisch gebackene Geselle hat noch längst nicht ausgelernt. 

 NICO SCHWARZE

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