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Zankapfel der Parteien: die Garmisch-Partenkirchner Bahnhofstraße.

Gegenwind für die Bürgermeisterin

Fahrradgerechte Bahnhofstraße: Feuerwehr-Kommandant lässt kein gutes Haar an den Plänen

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Die Christsozialen halten den fahrradgerechten Umbau der Bahnhofstraße für falsch. Das Geld solle besser für das Ausbessern der Straßenschäden im Ort verwendet werden. Unterstützung haben sie jetzt von Klaus Straub, dem Ersten Kommandanten der Feuerwehr Partenkirchen erhalten. 

Garmisch-Partenkirchen – Als Mann des offenen Worts gilt Klaus Straub. Der Erste Kommandant der Feuerwehr Partenkirchen nimmt, wenn es nötig ist, kein Blatt vor den Mund. Und seine Meinung hat Gewicht. „Es gehört zu meinen Aufgaben, auf vorhandene Missstände hinzuweisen. Und vieles treibt uns Rettungskräfte um“, mahnte Straub im Rahmen der Jahresversammlung. Damit meinte er den innerörtlichen Verkehr und die vielen Baustellen – wie etwa den Dauerbrenner Kohlstattstraße – , die im Ernstfall große Hindernisse darstellen können. „Eine Frechheit“, schimpfte Straub.

Ganz massiv ging er auf die geplante fahrradfreundliche Umgestaltung der Bahnhofstraße ein. Von der hält Straub gar nichts. Er nannte sie „eine Sternstunde der Straßenplanung, die wir live erleben können. Dass diese Straße eine Hauptverkehrsachse durch den Ort bildet, ist bei manchen offenbar nicht angekommen“. Mit der Reihenfolge, in der das Projekt umgesetzt werden soll, hat er erhebliche Probleme. „Bevor ich den Verkehr innerorts beruhige, muss ich den Durchgangsverkehr aus dem Ort bringen.“ Anschließend könne man sich Gedanken zur Beruhigung machen. „Aber nicht umgekehrt“, wetterte er.

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Bürgermeisterin reagiert auf die Kritik

Straub legte den Finger in eine Wunde, die schmerzt. Vor allem Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), der der Umbau der Bahnhofstraße eine Herzensangelegenheit ist. Straubs Worte ließ Meierhofer nicht unbeantwortet. Meierhofer, die sich während dem Referat eifrig Notizen gemacht hatte, führte die Verkehrsmessungen, die ein Planungsbüro vorgenommen hatte, in der Bahnhofstraße an. „Zwei Drittel des Verkehrs ist selbst verursacht. Wir müssen den Individualverkehr im Ort dringend reduzieren“, entgegnete die Rathauschefin.

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In dieser Angelegenheit weht ihr weiter heftiger Gegenwind ins Gesicht. Die CSU-Fraktion, erklärter Gegner des 1,6-Millionen-Euro-Vorhabens, lässt nicht locker. Für die Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 15. Mai, die zwar turnusgemäß stattfindet, aber wohl nur die Bahnhofstraße zum Thema haben wird, hat sie einen Antrag formuliert, der Meierhofer wenn nicht schlaflose Nächte denn doch einiges Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Elisabeth Koch, die Frontfrau der Christsozialen, fordert, das Geld, das für den fahrradgerechten Umbau im Haushalt eingeplant ist, „für die Beseitigung von Schäden im gemeindlichen Straßen- und Wegenetz“ zu verwenden. Die Begründung Kochs lässt an Klarheit keine Wünsche offen: Angesichts der teilweise desolaten Zustände der Straßen und Wege im Markt Garmisch-Partenkirchen sei es vordringlicher, schreibt die Rechtsanwältin, diese Schäden zu beseitigen, und notwendiger als die Schaffung eines ungefähr 580 Meter langen Fahrradwegs zulasten des fließenden Verkehrs. Zudem treffe der Umbau der Bahnhofstraße auf großen Widerstand in der Bevölkerung.

Fragen-Katalog an Meierhofer und die Verwaltung

Die Duldsamkeit der Garmisch-Partenkirchner sieht Koch auf eine harte Probe gestellt, da gleichzeitig der Ausbau der B2 zwischen der Aral-Tankstelle entlang der Hauptstraße über eine Länge von 800 Metern bis zum Rathausplatz begonnen hat. Nun auch noch zeitgleich mit dem Umbau der Bahnhofstraße zu starten, stößt ihrer Meinung nach „an die Grenzen der Belastbarkeit des gesamten Orts. Wir haben einfach zu viele Baustellen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes“.

Damit nicht genug der Breitseiten gegen die Bürgermeisterin. Meierhofer sieht, sollte das Projekt Bahnhofstraße den Gemeinderat nicht passieren, die Fördergelder des Bundesumweltministeriums flöten gehen. Mit diesem Szenario hatte sie versucht, die „bockigen“ Kommunalpolitiker von CSU, Freien Wählern und Bayernpartei auf ihre Linie zu bringen. Koch will nun „konkrete und beleghaft nachgewiesene Mitteilungen der Förderbehörde sehen“, die sich auf eine Rückerstattung beziehen. Und sie fordert Einsicht in Stellungnahmen, der am geplanten Umbau beteiligten Behörden und Institutionen, wie Landratsamt, Polizei, Staatliches Bauamt und Ordnungsamt. Ein ordentlicher Fragen-Katalog, der die Bürgermeisterin und die Verwaltung eine Zeit lang beschäftigen dürfte.

Klaus Munz

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