+
Soll eine Flutlichtanlage bekommen. Das Skistadion mit seiner Schanze. 

Kosten von einer Million Euro

Flutlicht-Anlage fürs Skistadion: Bund zahlt nicht - Ist das Neujahrsspringen gefährdet?

  • schließen

Die Flutlichtanlage für das Olympiaskistadion in Garmisch-Partenkirchen liegt auf Eis. Erst einmal. Der Bund beteiligt sich nicht an dem 1,5-Millionen-Euro Projekt. 

Garmisch-Partenkirchen – Es ist noch nicht einmal eineinhalb Jahre her. Am 1. Januar 2018 saß der damalige Finanzminister und heutige Ministerpräsident Markus Söder im VIP-Zelt des Neujahrsskispringens – mit bestem Blick auf die Schanze – und hielt Hof. Um sich geschart hatte Söder, der den blauen Pullover des SC Partenkirchen trug, die Landtagsabgeordneten Harald Kühn und Martin Bachhuber, Bezirkstagsmitglied Thomas Schwarzenberger (alle CSU), Landrat Anton Speer (Freie Wähler), Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und SCP-Präsident Michael Maurer sowie die lokale Journaille. Dem Tagblatt-Reporter diktierte Söder in den Block, was die, die mit ihm am Tisch saßen, kurz zuvor erfahren hatten. Söder, der zum ersten Mal das Neujahrsspringen live erlebte, gab die Zusage, die Flutlichtanlage, die der Internationale-Ski- Verband FIS für das Skistadion angeregt hat, finanziell zu fördern. „30 Prozent sind als Zuschuss drin, auch 35 Prozent dürften kein Problem darstellen“, sagte Söder und zauberte mit diesem Versprechen ein Lächeln auf das Gesicht von Meierhofer und Maurer, die den Vorschlag der FIS befürworten, um die Anlage besser vermarkten zu können.

Bei geschätzten Kosten von einer Million Euro wären das damals rund 350 000 Euro gewesen. Söder hoffte, dass sich auch der Bund mit einer erklecklichen Summe, er sprach ebenfalls von einem Drittel, beteiligen würde, um die Belastungen für den Markt so klein wie möglich zu halten. Der Finanzbedarf hat sich mittlerweile auf rund 1,5 Millionen Euro summiert – wie bei öffentlichen Bauten so üblich. Während Freistaat und Gemeinde zu ihren Zusagen stehen – Garmisch-Partenkirchen hat 500 000 Euro im Haushalt dafür vorgesehen –, hat der Bund vor Kurzem in einem Schreiben an Bürgermeisterin Meierhofer, die sofort Maurer ins Benehmen setzte, mitgeteilt, dass er sich nicht am Bau beteiligen wird. Damit fließen auch keine Zuschüsse. Das Projekt liegt auf Eis, womöglich muss es komplett beerdigt werden.

Mehr zum Thema: Flutlichtanlage im Skistadion: SCP will nicht mitzahlen

Bekommt Oberstdorf das ganze Geld?

Meierhofer wollte sich auf Tagblatt-Anfrage „nicht äußern“. Maurer schon. „Wir müssen schauen, wie wir damit zurechtkommen“, sagt er und stellt klar: „Der SCP kann den Fehlbetrag nicht stemmen.“ Zur Erinnerung: Der Skiclub hatte sich schon am Bau der Schanze finanziell beteiligt. Maurer zufolge hat eine Stellungnahme des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), dessen Präsident Alfons Hörmann ist, dafür gesorgt, dass das Innenministerium – dort ist der Sport angesiedelt – den Geldhahn geschlossen hält. Der Arm von Söder ist offenbar nicht lang genug, um bis nach Berlin zu Ex-Parteichef Horst Seehofer zu reichen. Laut DOSB hat es  einen negativen Bescheid nicht gegeben. Ein Statement, das erst mit großer Verzögerung zu erfahren war.  DOSB-Pressesprecherin Ulrike Spitz: „Da es sich nicht um einen Bundesstützpunkt handelt, hat der DOSB keine Stellungnahme abgegeben.“

Prompte Antwort kam hingegen vom Deutschen Skiverband (DSV). „Wir haben aus sportfachlicher Sicht ein positives Votum abgegeben“, sagt DSV-Pressesprecher Ralph Eder. „Wir befürworten die Flutlichtanlage, weil Garmisch-Partenkirchen für uns ein wichtiger Trainingsstützpunkt ist.“

Die Spekulationen, warum Garmisch-Partenkirchen, vom Bund kein Geld erhält, treiben Blüten. Sie besagen, das ganze Geld fließe nach Oberstdorf, weil man alle Finanzmittel des Bundes für die Nordische Ski-WM brauche. Zudem besitze auch Hörmann eine besondere Nähe zu Oberstdorf. Er war lange Zeit Skigau-Chef des Allgäus, ehe er erst zum Präsidenten des Bayerischen und später des Deutschen Skiverbands aufstieg. „Unser Problem ist, dass wir kein Olympia-Stützpunkt sind“, sagt Maurer. Das bestätigt auch Eder. „Der Bund fördert nur Bundesstützpunkte.“ Und er sieht sich aufgerufen, mit der Mär aufzuräumen, Oberstdorf schöpfe Geld ab, das auch nach Garmisch-Partenkirchen hätte fließen können. „Der Bund hat für die Ski-WM 2021 einen extra Finanztopf aufgemacht.“

Lesen Sie auch: Olympia-Skistadion: Innenminister Herrmann macht Flutlicht zu seinem Thema

Der Skisport in Garmisch-Partenkirchen habe Unterstützung verdient, meinte Söder bei seinem Besuch 2018. „Wir fördern Oberstdorf großzügig für die nordische Ski-Weltmeisterschaft. Da wäre es ungerecht, wenn wir Garmisch-Partenkirchen hinten runterfallen lassen würden. Das geht nicht.“

Meierhofer wollte im Rahmen der Stadion-Sanierung – der Innenbereich wird im Mai, Juni zur Baustelle – das Flutlicht installieren. Die drei Fundamente für die Masten wurden bereits beim Bau der Schanze 2007 betoniert. Maurer zufolge soll im Zuge der anstehenden Arbeiten zumindest die Übergabe-Station für das Flutlicht errichtetet werden. Der SCP-Präsident sieht das Neujahrsspringen auch ohne Flutlichtanlage „nicht gefährdet“. Seinen Funktionärskollegen aus Innsbruck, Bischofshofen und Oberstdorf will er im Rahmen der Frühjahrstagung der Vierschanzentournee sagen, „wie es momentan aussieht. Für uns geht mit Sicherheit nicht die Welt unter“. Aber es geht erst mal auch kein Licht an.

Das könnte Sie auch interessieren: 

Neujahrsspringen: FIS übt sanften Druck aus

SCP braucht Geld für Flutlichtanlage - und blitzt (vorerst) beim Landkreis ab

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Sicht und zu tiefer Schnee: Männer geraten auf Weg zur Zugspitze in Not
Im Schneetreiben haben sich vier Männer am Sonntag von der Knorrhütte auf den Weg zur Zugspitze gemacht. Im tiefen Schnee kamen sie nicht weiter. Die Bergwacht fand sie …
Keine Sicht und zu tiefer Schnee: Männer geraten auf Weg zur Zugspitze in Not
Mit den „Girls“ in den Wahlkampf: Claudia Zolk und Daniela Bittner führen CSB-Liste an
Zehn Kandidaten. Mehr ließen sich nicht finden. Damit geht die CSB in Garmisch-Partenkirchen in den Wahlkampf. An der Spitze steht Frauenpower: die beiden Gemeinderäte …
Mit den „Girls“ in den Wahlkampf: Claudia Zolk und Daniela Bittner führen CSB-Liste an
Gewaltiger Föhnsturm: Bahnstrecke zum Teil bis Montag gesperrt - Folgen für Bergretter
Ein gewaltiger Föhnsturm hat in der Nacht zum Freitag im Landkreis Garmisch-Partenkirchen für Verwüstung gesorgt. Bäume blockierten Straßen und Gleise. Alle Infos im …
Gewaltiger Föhnsturm: Bahnstrecke zum Teil bis Montag gesperrt - Folgen für Bergretter
Nach Föhnsturm: Dramatische Folgen - Bäume versperren Bergwacht den Rettungsweg 
Ein Föhnsturm hat am Freitag im Landkreis gewütet und unzählige Bäume zu Fall gebracht. Sie blockierten einen Rettungsweg für die Bergretter der Garmisch-Partenkirchner …
Nach Föhnsturm: Dramatische Folgen - Bäume versperren Bergwacht den Rettungsweg 

Kommentare