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Soll eine Flutlichtanlage bekommen: das Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. 

Gute Nachrichten fürs Neujahrsspringen

Zusage vom Freistaat: Flutlichtanlage im Skistadion wird gefördert 

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Das Bayerische Innenministerium bezuschusst die Flutlichtanlage im Skistadion Garmisch-Partenkirchen mit bis zu 70 Prozent. Lange hat man dafür mit Blick auf das Neujahrsskispringen gekämpft. Als Bürgermeisterin setzte sich Dr. Sigrid Meierhofer für das Projekt ein. Umsetzen müssen es andere.

Garmisch-Partenkirchen – Dr. Sigrid Meierhofer ist weg. Seit 1. Mai ist sie nicht mehr Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen. Über Abschiedsgeschenke freut man sich da. Logisch. Über die Goldene Ehrennadel etwa. Über den Titel Altbürgermeisterin. Über die warmen Worte und bunten Blumen. Vor allem aber hat sie kurz vor ihrem letzten Arbeitstag noch ein Geschenk verteilt. Kein kleines. 1,4 Millionen Euro ist es wert. Der neue Gemeinderat und die neue Chefin müssen es nur annehmen. Und Geld oben drauf legen. Dann bekommt das Skistadion eine Flutlichtanlage.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat den Brief an Meierhofer persönlich unterschrieben, der die positiven Nachrichten verkündet. Sein Haus stellt im Nachtragshaushalt 2019/20 Mittel für das Projekt bereit. Besagte 1,4 Millionen Euro beziehungsweise maximal 70 Prozent der förderfähigen Gesamtausgaben.

Michael Maurer vernimmt’s – und schweigt am Telefon. Den Präsidenten des SC Partenkirchen, Ausrichter des Neujahrsskispringens, beschäftigt das Thema seit Jahren. Er braucht die Anlage, um das sportliche Großereignis mit jährlich etwa 20 000 Zuschauern vor Ort und einem Millionenpublikum am Fernseher auch umzusetzen, wenn es wetterbedingt zu Verzögerungen kommt und der zweite Durchgang erst in der Dämmerung beginnt. Nach langem Stillstand in der Causa Flutlicht kommt nun endlich diese ersehnte Zusage von Bayerns Regierung – und Maurer verschlägt es die Sprache. Denn er hört davon im Tagblatt-Gespräch zum ersten Mal. Meierhofer hatte ihn nicht unterrichtet.

Kurz vor der Gemeinderatssitzung war der Brief auf ihrem Schreibtisch gelandet. Also informierte sie unter dem Punkt „Bekanntmachungen“ unmittelbar – „der Brief war quasi noch warm“ – die Öffentlichkeit. Sie sieht darin kein Problem. „Herr Maurer bezahlt auch nichts.“

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Dass die beiden nicht die besten Freunde sind, ist kein Geheimnis. Zuletzt behauptete Maurer – kurz vor der Wahl – für die Sanierung des Skistadions fehle die Genehmigung. Sogar das Wort „Schwarzbau“ fiel. Doch die Regierung nahm ihm den Wind aus den Segeln. Alles rechtens, entschied sie. Es war nicht Maurers erste Kritik an der Ex-Bürgermeisterin, wohl aber eine der heftigsten. Egal jetzt. Im Mittelpunkt steht erst einmal die Nachricht selbst. Und die ist, sagt Maurer, als er die Sprache wiederfindet, „natürlich sehr sehr erfreulich“.

Bund sagt im April 2019 Beteiligung ab

Und: Sie kommt „nicht von ungefähr“, betont Meierhofer. Damit weist sie auf ihren persönlichen Einsatz für die Anlage hin. Der begann verstärkt mit einer wenig erfreulichen Botschaft aus Berlin vor gut einem Jahr. Sie beerdigte die Variante, die ursprünglich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, damals Finanzminister, beim Neujahrsspringen 2018 ins Spiel gebracht hatte: die Ein-Drittel-Lösung. Etwa ein Drittel der Kosten – man ging zu dem Zeitpunkt von einer Million Euro aus – übernimmt der Freistaat, ein weiteres Drittel der Bund, den Rest der Markt. Doch der Bund sprang ab. Meierhofer hakte nach eigener Aussage nach. Es blieb beim Nein. Also verfasste die Bürgermeisterin das nächste Schreiben. An Joachim Herrmann. Einen CSU-Politiker. Von dem sie, die SPD-Bürgermeisterin, viel hält. Man habe sich kennen und schätzen gelernt.

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Ohne Bundesmittel, das machte sie dem Minister klar, könne sich die Kommune keine Flutlichtanlage leisten. Sie brauche Hilfe. Um das Neujahrsskispringen zu sichern. Und für weitere Veranstaltungen. Denn wenn, „dann machen wir es gescheit“. Es soll eine Anlage entstehen, die das gesamte Stadion, nicht nur den Schanzenbereich optimal beleuchtet. Dies war, sagt Meierhofer, Voraussetzung für finanzielle Mittel.

Baubeginn unklar

In die Rubrik „gescheit“ fällt für Meierhofer auch der Umweltgedanke. Die neue Anlage wird mit LED ausgestattet. Sie sei deutlich teurer, der Energieverbrauch dafür viel geringer. Die höheren Ausgaben lassen sich über eine geringere Stromrechnung hereinholen.

Die Vorkehrungen sind getroffen: Im Zuge der Stadion-Sanierung wurden unter anderem schon die Fundamente für die Masten der Flutlichtanlage gesetzt.

Mit der LED-Technologie sowie allgemeinen Kostensteigerungen erklären sich die zwei Millionen Euro, die man für die Anlage kalkuliert. Doppelt so viel wie ursprünglich. Zum 1. Januar 2019 stand bereits ein Betrag von 1,5 Millionen Euro im Raum. Der Freistaat bleibe bei der Zusage, versicherte Herrmann bei seinem Besuch. Vermutlich auch der Bund, davon ging der Innenminister aus. Es kam anders.

Alles vergessen. Maurer, der einen Teil des Erfolgs für sich in Anspruch nimmt – „wir haben das ja vorangetrieben“ –, ist die „bayerische Lösung“ ohnehin lieber.

Wie lange es dauert, bis die Flutlichtanlage gebaut wird? Meierhofer wagt keine Prognose. Zu viele Unsicherheiten. Etwa, wie die Ausschreibung läuft. Und zunächst, wie der Gemeinderat reagiert. Er muss sich für den Bau und für Ausgaben in Höhe von etwa 600 000 Euro aussprechen. Die technischen, unterirdischen Vorkehrungen wurden im Zuge der Stadionsanierung getroffen. Alles andere „liegt nicht mehr in meiner Hand“. Meierhofer sagt nur, was sie als Bürgermeisterin tun würde: Gas geben. Das Angebot nutzen. „Es ist großartig.“ Ein schönes Geschenk zum Schluss.

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