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Im Alpspitz-Wellenbad können auch Reinigungs- und Kassenkräfte sowie Techniker im Ernstfall retten.

Ohne Rettungsschwimmer-Abzeichen geht im Alpspitz-Wellenbad nichts

Lehren aus dem Wellenberg-Prozess

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Wer im Alpspitz-Wellenbad arbeiten will, der muss das Rettungsschwimmer-Abzeichen vorweisen können. Darauf legt Wotan Lichtmeß großen Wert. Der Prozess nach dem tragischen Todesfall im Oberammergauer Wellenberg bestätigt den Werke-Chef in seinem Kurs.

Garmisch-Partenkirchen – Wotan Lichtmeß geht gern in Schwimmbäder. Nicht allein zum Vergnügen, sondern auch aus beruflichem Interesse. Mit wachen Augen schaut er sich dann in den Einrichtungen um, nimmt alles unter die Lupe und speichert im Hinterkopf Ideen ab, die er im Alpspitz-Wellenbad in Garmisch-Partenkirchen umsetzen könnte. Unter diesem Aspekt hat der Vorstand der Gemeindewerke auch den Prozess vor dem Schöffengericht verfolgt. Zwei Bademeister des Oberammergauer Wellenbergs waren angeklagt worden, für den tragischen Ertrinkungstod eines zehnjährigen Buben mitverantwortlich zu sein. Im Raum stand fahrlässige Tötung. Wegen geringer Schuld wurde das Verfahren aber gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Zu beobachten, was Staatsanwaltschaft und Richter in so einem Verfahren auf den Tisch bringen, „ist sinnvoller als jedes Seminar“, meint Lichtmeß. Sein Ergebnis nach dem zweiten Verhandlungstag: „Wir sind im Alpspitz-Wellenbad schon ziemlich gut aufgestellt.“

Allerdings hat er auch Hausaufgaben mitgenommen. Unterwasserkameras, wie in Oberammergau vorhanden, gibt es in Garmisch-Partenkirchen noch nicht. „Eswäre eine Überlegung, welche anzuschaffen.“ Genau wie erhöhte Sitze an den Becken, von denen aus Bademeister einen besseren Blick auf die Wasserfläche haben – „ohne Spiegelung“. Im Gegensatz zum Wellenberg „haben wir schriftliche Dienstanweisungen, aber fast zu viele“. Die gelte es, nun noch einmal zu überarbeiten. Geregelt ist darin nicht nur, wie die Aufsicht ablaufen muss, sondern auch das Handy- und Alkoholverbot für alle Mitarbeiter.

Rettungsschwimmer-Abzeichen als Einstellungskriterium

Und von denen gibt es etliche im Alpspitz-Wellenbad. „Pro Schicht sind zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe, also gelernte Bademeister, und mindestens eine Rettungskraft im Einsatz“, erklärt Lichtmeß. Wie viele tatsächlich benötigt werden, um das 26 000 Quadratmeter große Areal mit seinen sechs Becken zu beaufsichtigen, hängt von mehreren Faktoren ab. „Hochtage im Bad sind immer in Ferien und an Wochenenden, im Winter und wenn’s regnet.“ Dann wird auch mal aufgestockt. Seit Lichtmeß für das Bad zuständig ist, gab es – „zum Glück“ – keinen Todesfall in der Einrichtung. Um bei Unfällen gut gerüstet zu sein, stellt er nur mehr Reinigungskräfte ein, die auch einen Rettungsschwimmer haben. Sechs sind es aktuell. Mitarbeiter mit diesen Voraussetzungen zu finden, sei nicht einfach, räumt Lichtmeß ein. „Und kommt teurer.“ Abstriche macht er in diesem Bereich aber nicht. Sicherheit hat bei ihm absolute Priorität. Deshalb verfügen auch zwei von vier Kollegen an der Kasse sowie die Techniker, die im Wellenbad eingesetzt werden, über das Rettungsschwimmer-Abzeichen. Beim stündlichen Wellenbetrieb etwa stehen die beiden Bademeister an den Stirnseiten des Beckens und beobachten das Treiben. Derweil wird eine Reinigungskraft nach draußen ans 50-Meter-Becken abgezogen.

Wie in Oberammergau, wo früher zwei, jetzt drei bis vier Bademeister ein gut 40 000 Quadratmeter großes Areal mit acht Wasserflächen überwachen, sind die Fachkräfte auch für die Kontrolle der Wasserwerte zuständig. „Während einer das macht, geht der andere rum“, sagt Lichtmeß. Von anderen technischen Aufgaben bleiben sie allerdings verschont und können auch an Wochenenden und Feiertagen auf den Bereitschaftsdienst der Gemeindewerke zurückgreifen. Ein Luxus, der an der besonderen Konstellation in Garmisch-Partenkirchen liegt.

Was aber auf beide Bäder zutrifft, sind die Veränderungen in der Gesellschaft, die auch im Prozess anklangen. „Es gibt immer mehr Mütter, die nur mit ihren Handys beschäftigt sind und nicht auf ihre Kinder achten“, bestätigt Lichtmeß. Mit der Folge: Seine Mitarbeiter müssen häufig Mädchen und Buben retten. Dazu kommt zu seinem Unverständnis, dass wesentlich mehr Kinder als früher überhaupt nicht mehr schwimmen können. „Das kann ich wirklich nicht nachvollziehen.“

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