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Das nächste Großprojekt: Am 7. Februar geht’s los mit dem Bau des Kramertunnels.

Ehrgeiziges Ziel: Bis 2030 alle Tunnel für Verkehr freigeben

Gerüchte um Wanktunnel entkräftet

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Von wegen Verzögerung: Uwe Fritsch, Chef des Staatlichen Bauamts in Weilheim, widerlegt die Gerüchte aus dem Garmisch-Partenkirchner Rathaus. Seit Mitte Januar beschäftigt sein Amt sogar einen neuen Ingenieur, der sich nur mit der Planung der Umfahrung des Ortsteils Partenkirchen befasst.

Garmisch-Partenkirchen – Natürlich hat Uwe Fritsch den Artikel gelesen. Im Zeitalter des Internets dauert es nicht sonderlich lange, bis sich solche Nachrichten verbreiten. Der Chef des Staatlichen Bauamts Weilheim also studierte die Aussagen von Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zur Baufreigabe des Auerbergtunnels. Er las von den Gerüchten, die die Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin gehört haben will: Der Tunnel vom Ende der A95 bis Oberau Nord werde das Projekt Wanktunnel verzögern. Er las – und wunderte sich. „Sehr sogar“, betont Fritsch. „Ich weiß nicht, wo so etwas herkommt. Aus unserem Haus ganz sicher nicht.“ Denn die Lage gestaltet sich ganz anders, als sie Meierhofer darstellte. „Die Freigabe für den Auerbergtunnel hat mit den Planungen für den Wanktunnel überhaupt nichts zu tun.“

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Die Entwicklung gehe derzeit sogar in eine andere Richtung: Das Amt verstärkt den Fokus auf die Umgehung des Ortsteils Partenkirchen deutlich. „Wir haben seit Mitte Januar einen Ingenieur dazubekommen, der sich in Vollzeit um den Wanktunnel kümmert.“ Daher könne und müsse er den gestreuten Gerüchten „ganz entschieden“ entgegentreten. Fritsch nennt ein Ziel, das über all den noch zu realisierenden Vorhaben steht: „Wir möchten in diesem Jahrzehnt, also bis 2030, alle Tunnel für den Verkehr freigeben. Das ist ehrgeizig, aber machbar.“

Fehlende Kapazitäten sorgen nicht für Verzögerung

Auch das Argument, das Staatliche Bauamt in Weilheim sei mit dem neuen Tunnelprojekt aus Kapazitätsgründen überfordert, geht ins Leere. Denn den Auerbergtunnel werden die Weilheimer gar nicht planen. „Natürlich ist das ein zusätzliches Projekt, aber wir stehen nicht alleine da“, betont Fritsch. Die Betreuung übernimmt die Landesbaudirektion. „Das ist die Zentralstelle in München.“ Die Kollegen dort werden die europaweiten Ausschreibungen vorbereiten und später auch für die gesamte Abwicklung verantwortlich zeichnen. „Sie betreuen derzeit noch den Tunnel Bertoldshofen, der aber kurz vor der Fertigstellung steht, dann wird dieses Team gleich mit dem Auerberg weitermachen.“ Im Allgäu entsteht eine Umfahrung für den kleinen Ort östlich von Marktoberdorf mit einem 600 Meter langen Tunnel.

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Das Amt in Weilheim kann sich über mangelnde Arbeit derzeit wahrlich nicht beschweren. Neben den 270 Millionen Euro teuren Röhren durch den Kramer, für die der Anschlag am 7. Februar unmittelbar bevorsteht, sind noch die Einschleifung der B 23 bei Oberau, das Megaprojekt Tunnel Starnberg sowie die Nordumfahrung von Bad Tölz zu bewerkstelligen. „Zu viel Arbeit haben wir eigentlich immer“, sagt Fritsch und lacht, „aber es stimmt nicht, dass sich deswegen der Wanktunnel verzögert. Die Kapazitäten werden nun einfach aufgeteilt.“

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Planung ist in vollem Gang

2018 stieg das Amt wieder in die Planungen für die 4,9 Kilometer lange Umfahrung von Partenkirchen samt 3,5 Kilometer langem Tunnel durch den Wank ein. Die Crux ist laut Fritsch, dass die vorhandenen Unterlagen komplett überholt werden müssen. „Sie stammen noch aus der Zeit, als in Garmisch-Partenkirchen die WM- und Olympia-Entscheidungen anstanden. Da sind jetzt doch einige Jahre ins Land gegangen.“ Ein großer Teil der Pläne müsse überarbeitet werden. „Denn es ist ja auch nicht üblich, dass solche Dinge erst einmal ein paar Jahre liegen.“

Im Fall Wank war es nicht zu verhindern. Die Überprüfung der naturschutzrechtlichen Belange ist mittlerweile abgeschlossen. „Die Daten befinden sich auf dem neuesten Stand, dazu braucht man aber eine ganze Vegetationsperiode.“ Nun geht es an die straßenbauliche Planung, werden die Anbindungen südlich und nördlich der Umfahrung überplant.

Dass eine lange Zeitspanne zwischen einer Eröffnung des Auerberg- und des Wanktunnels ungünstig für die Marktgemeinde wäre, das ist auch den Straßenbau-Experten nicht entgangen: „Wir wollen keinen langen Übergang“, sagt Fritsch. „Der ist aber auch nicht geplant.“

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