+
Als „Alterspräsident“ eröffnete Alois Schwarzmüller die Konstituierende Sitzung des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats.

Nur drei Monate im Amt

Die Gesundheit: Schwarzmüller zieht sich aus Gemeinderat zurück

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
    schließen

Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen wird Ende des Monats um einen wichtigen Kommunalpolitiker ärmer sein. SPD-Mann Alois Schwarzmüller zieht sich nach nur drei Monaten zurück. Die Gesundheit lässt ihm keine andere Möglichkeit.

Garmisch-Partenkirchen – Die Entscheidung ist ihm nicht leichtgefallen. Das hört man aus jedem Wort, es ist spürbar, wie sie ihn schmerzt. Alois Schwarzmüller (78) ist keiner, der ohne gewichtigen Grund hinschmeißt. Schwarzmüller, der Grandseigneur der Garmisch-Partenkirchner SPD, hat sich entschlossen, sein Mandat als Gemeinderat zurückzugeben. „Die Sitzung am 30. Juli ist meine letzte.“ Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) hat er in einem Brief bereits informiert und sie um einen Termin gebeten. „Ich will ihr meine Gründe in einem persönlichen Gespräch nennen.“

Die sind ausschließlich gesundheitlicher Natur. In den vergangenen Monaten hat sich Schwarzmüllers Gehör extrem verschlechtert, Besuche beim Ohrenarzt und Versuchen mit verschiedenen Hörgeräten brachten keine Besserung. „Ich kann den Sitzungen im Gemeinderat und in den Ausschüssen kaum folgen“, sagt er. Das Kongresshaus und den Olympiasaal nennt er „unangenehm“, selbst die Fraktionssitzungen, die in kleinen Räumen stattfanden, erwiesen sich als problematisch. Seine Kollegen im Gemeinderat, sagt er, hätten sich gewundert, weil er zu vielen Themen geschwiegen habe. „Politik besteht aus Rede und Gegenrede“, sagt er. Er habe sich bei den Treffen gefühlt wie „der steinerne Mann Mit weniger als halber Kraft werde ich meinen eigenen Anforderungen und Erwartungen nicht gerecht.“

Ihm ist es nicht mehr möglich gewesen, zu tun, was er gedachte zu tun, als er sich im November 2019 entschlossen hatte, noch einmal in der Kommunalpolitik mitzumischen. „Zu dem Zeitpunkt war mein Gehör noch nicht so schlecht.“ Einsetzen wollte er sich für Kultur, ganz besonders fürs Richard-Strauss-Festival und Michael Ende, und für das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum in Burgrain und auf dem Abrams-Gelände. „Ich wäre gerne bei der Realisierung dabei gewesen“, sagt er.

Der Mann, der bei der Bürgermeisterwahl 1996 Amtsinhaber Toni Neidlinger von der CSU in die Stichwahl zwang und nur um wenige Stimmen unterlag, wird den Sozialdemokraten fehlen, die sich im Gemeinderat im Umbruch befinden. Die Fraktion ist von fünf auf drei Sitze geschrumpft, altgediente Genossen sind ausgeschieden, mit Dr. Sigrid Meierhofer hat man die Macht im Rathaus nach sechs Jahren abgeben müssen. Fraktionschef Michael Simon und Kathrin Rotter-Heinle sind Neulinge und hätten Schwarzmüllers Unterstützung gut gebrauchen können. Der pensionierte Gymnasiallehrer sieht die Lage nicht so dramatisch. Beide nennt er „Talente, die das können“.

Jacqueline Steinberg.

Mit dieser Ansicht befindet er sich in guter Gesellschaft. Auch Ulrike Bittner-Wolff, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, hält große Stücke auf Simon („sehr begabt“) und Rotter-Heinle, bedauert aber gleichzeitig Schwarzmüllers Rückzug. „Der trifft uns sehr. Ich hätte ihn mit seiner Erfahrung gerne weiter im Gemeinderat gesehen.“ Seinen Beweggrund kann sie nachvollziehen. Vor allem, weil die SPD vor ungefähr einem Jahr einen ähnlichen Fall verkraften musste. Alfred Heinle, damals 83 und als Gründer und langjähriger Vorsitzender der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE) das soziale Gewissen Garmisch-Partenkirchens, schied ebenfalls vorzeitig aus dem Gemeinderat aus, weil ihn sein Gehör im Stich ließ. Für Heinle fand sich mit Angela Nieting eine Frau. Eine Frau ersetzt nach derzeitigem Stand der Dinge auch Schwarzmüller. Jacqueline Steinberg, die bei der Kommunalwahl am 15. März das beste Ergebnis nach Simon, Rotter-Heinle und Schwarzmüller erzielt hatte, beerbet Schwarzmüller. Steinberg ist in der Kommunalpolitik nicht ganz unbeleckt. Sie blickt auf eine mehrmonatige Erfahrung zurück, da sie ab April 2019 den Sitz von Harald Helfrich übernommen hatte.

Auch interessant

Kommentare