Endlich wird die Strecke befahrbar gemacht: Eine Schneefräse arbeitet sich an der Bundesstraße entlang.
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Endlich wird die Strecke befahrbar gemacht: Eine Schneefräse arbeitet sich an der Bundesstraße entlang.

Bürger sind stinksauer

Ortsteil von Garmisch-Partenkirchen tagelang von Außenwelt abgeschnitten - „So etwas habe ich noch nie erlebt“

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Zweimal hintereinander, insgesamt sechs Tage lang, ist der Garmisch-Partenkirchener Ortsteil Griesen mit seinen 70 Einwohnern von der Außenwelt abgeschnitten gewesen.

Garmisch-Partenkirchen – Der Arzttermin Dienstagfrüh? Gestrichen. Auch der Einkauf muss warten. Für wie lange? „Wir wissen es nicht.“ Wolfgang Hagen ist frustriert. Im Namen seiner Mitbürger aus Griesen hat er unserer Zeitung geschrieben. Tagelang war der Ortsteil wegen des massiven Neuschnees von der Außenwelt abgeschnitten. Zuerst Donnerstag bis Freitag, 14. bis 15. Januar. Dann gleich wieder von Sonntag bis Mittwoch. Im Endeffekt hatten die 70 Einwohner nur über den Samstag kurz Zeit, um Einkäufe in Grainau oder Garmisch-Partenkirchen zu erledigen. Sich einzudecken für mögliche weitere Tage in der Isolation.

Schneemassen in Garmisch-Partenkirchen: Polizei riegelt Landesgrenze nach Österreich ab

Denn wegen der Schutzmaßnahmen zu Corona ist es den Griesenern zurzeit nicht erlaubt, über die Grenze nach Österreich zu fahren. Als den Bürgern das Benzin für die Schneefräsen ausging, versuchte ein Anlieger zur Tankstelle auf Tiroler Seite in sechs Kilometern Entfernung zu gelangen. Keine Chance. Die Polizei hat ihn an der Grenze wieder zurückgeschickt. Aber ins Landesinnere konnten sie auch nicht: Äste und Bäume sind aufgrund der Schneemassen auf die Bundesstraße 23 gestürzt. Eine prekäre Situation.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Anwohnerin Anette Kraus. Seit 20 Jahren wohnt sie im abgeschiedenen Ortsteil. „Wir sind schon einiges gewöhnt.“ Aber dass kurz hintereinander sechs Tage lang dicht ist, war auch für sie neu. Sogar der Strom musste für eine Stunde abgestellt werden. Da die Gehwege nicht geräumt werden, war selbst das Gassigehen mit dem Hund eine Herausforderung.

Schneemassen in Garmisch-Partenkirchen: B23 wurde zur lebensgefährlichen Strecke

Dass das für die Strecke verantwortliche Straßenbauamt Weilheim für das Wetter nichts kann, wissen die Griesener natürlich. „Es war wetterbedingt eine sehr ungünstige Konstellation“, erklärt Michael Meister, Pressesprecher der Behörde. Es sind innerhalb kürzester Zeit bis zu 80 Zentimeter Neuschnee vom Himmel gefallen. Dann ist es gleich wärmer geworden, dadurch erschwerte sich der Schnee. Bäume und Äste brachen. Die B23 wurde zur lebensgefährlichen Strecke. „Darauf kann man sich nicht direkt vorbereiten“, sagt Meister.

Das Amt tut jährlich sein Bestes, um trotzdem gewappnet zu sein. Jeden Sommer sichten sie den Rand der Strecke gemeinsam mit den Staatsforsten. Schneiden alte, schwache Bäume um. Holzen gründlich aus, um eben im Winter gefährliche Situationen zu verhindern. Doch stellt Meister klar: „Wir können trotzdem nicht jeden Baum einzeln scannen. Wenn witterungsmäßig dann alles auf einmal kommt, wie in den vergangenen Tagen, wird es immer wieder Mal nötig sein, die Strecke zu sperren.“

Schneemassen in Garmisch-Partenkirchen: Den Bürgern stößt die fehlende Kommunikation auf

Das kann Hagen sogar noch irgendwie nachvollziehen. Doch was ihm aufstößt, ist die fehlende Kommunikation. „Wir sind von der Außenwelt abgeschnitten, ohne von irgendwem darüber informiert worden zu sein.“ Und „niemand fühlt sich verantwortlich, uns davon zu informieren“. Hier will das Straßenbauamt nachbessern. „Wir werden intern eine Lösung erarbeiten, wie wir künftig am besten mit den Menschen aus Griesen in Kontakt treten können“, sagt Meister. Das wäre theoretisch per E-Mail oder Aushang möglich. Hierzu möchte sich das Amt in engeren Kontakt mit der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen begeben. Egal wie die Lösung letztlich aussieht: Im kommenden Winter soll es besser werden.

Auch der Feuerwehr bereitete die angespannte Schneelage große Probleme. Sie mussten Hydranten freischaufeln.

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