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Peter Lingg ist Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses.

Anteil der Beschäftigten ohne deutschen Pass steigt

IHK will Zuwanderung erleichtern

Personallücken in Unternehmen sind keine Seltenheit. Deshalb werden Ausländer laut IHK immer wichtigere Stützen des Arbeitsmarkts im Landkreis.

Garmisch-Partenkirchen – Ausländer werden zu einer immer wichtigeren Stütze für den Arbeitsmarkt im Landkreis. Der Anteil der Beschäftigten ohne deutschen Pass ist in den vergangenen fünf Jahren von 11,1 auf 14,8 Prozent gestiegen. Insgesamt gehen über 4100 Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen nach, so die aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur. Weil der Fachkräftemangel steigt und die Zahl der offenen Stellen wächst, fordert die IHK für München und Oberbayern jetzt eine Reform des Zuwanderungsgesetzes. „Das derzeitige Reglement geht an den Bedürfnissen unserer Wirtschaft vorbei. Trotz Vollbeschäftigung gibt es große Personallücken in den Unternehmen. Deswegen sind Zuwanderer – insbesondere in einer so stark touristisch geprägten Region wie der unseren – mittlerweile ein wichtiges Fachkräftepotenzial“, sagt Peter Lingg, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Garmisch-Partenkirchen.

Lingg betont, dass der Stellenaufbau im Landkreis bereits zu 31 Prozent von ausländischen Fachkräften getragen werde. Bayernweit stammen die meisten Neuankömmlinge derzeit aus EU-Ländern, vor allem aus Rumänien, Kroatien, Polen und Ungarn. EU-Angehörige genießen in Deutschland freies Aufenthaltsrecht zur Arbeitsaufnahme. Die IHK kritisiert, dass die Zuwanderung aus Drittstaaten dagegen kaum eine Rolle spiele, weil sie zu unübersichtlich und realitätsfern geregelt sei. „Ein Beispiel sind die viel zu stark eingeschränkten und damit weitgehend nutzlosen Listen von Berufen, in denen ein Engpass herrscht“, sagt Lingg. „Wie andere Industrieländer brauchen wir eine gesteuerte Zuwanderung, die wirksam auf Engpässe am Arbeitsmarkt reagiert.“

Neben generellen Erleichterungen für Zuwanderer mit einem konkreten Jobangebot in Deutschland schlägt die IHK als zweite Schiene ihres neuen Zuwanderungsmodells, das das ifo Institut München entwickelt hat, ein Punktesystem vor. Wie etwa in Kanada könnten Einwanderer eine zunächst befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bekommen, wenn sie anhand von Kriterien wie Alter, Bildungsgrad, Qualifikationen, Sprachkenntnissen und Integrationsfähigkeit eine Mindest-Punktezahl erreichen.

Lingg unterstreicht, dass die Zuwanderung nur eines von mehreren Instrumenten zur Linderung des Fachkräftemangels sei. „Mit der ‚Rente mit 63‘ hat die Politik der Wirtschaft allerdings einen Bärendienst geleistet und die Anstrengungen der Betriebe zur Beschäftigung Älterer konterkariert. Der Fachkräftemangel hat sich dadurch noch einmal massiv und zum demografisch ungünstigsten Zeitpunkt verschlimmert.“

Die Wirtschaft warte auch weiter auf eine flächendeckende und bedarfsgerechte Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, damit Familien Erziehung und Beruf besser unter einen Hut bringen und die Erwerbstätigkeit von Eltern zunimmt. „Stattdessen werden laufend neue Rechtsansprüche zur einseitigen Arbeitszeitverkürzung durch Arbeitnehmer diskutiert, wodurch ebenfalls wertvolles Fachkräftepotenzial verloren geht“, meint Lingg.

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