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Wachstum ohne Ende: Die Zahl der Kraftfahrzeuge nimmt weiter zu, wie diese Grafik veranschaulicht. 

Hausgemachtes Verkehrsproblem

Jedes Jahr 1000 Kfz mehr im Landkreis

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Die Tourismusregion zwischen Staffelsee und Karwendel ächzt unter dem latent wachsenden Verkehr. Schuld an der Blechlawine sind aber nicht nur Urlauber und Durchreisende, sondern auch die Einheimischen, wie die jüngste Statistik schonungslos offenlegt. Noch nie hat es so viele Fahrzeuge mit GAP-Kennzeichen gegeben. Und die Zahl wächst weiter und weiter.

Landkreis – Die Verkehrsprobleme im Landkreis sind zu einem gewissen Teil hausgemacht. Das geht deutlich aus einer Statistik des Landratsamts hervor. Demnach ist die Zahl der Kfz mit GAP-Kennzeichen binnen 19 Jahren um knapp 20 000 angewachsen – von 56 642 auf 76 551, eine Steigerung von 35 Prozent. Mit anderen Worten: Jedes Jahr 1000 Kfz mehr im Landkreis. Besorgniserregend findet das der Mittenwalder Polizeichef Thomas Holzer. „Das ist eine Entwicklung, die ein Ende finden wird.“ Oder besser gesagt: finden muss. „Denn mehr Straßen haben wir nicht.“ Ähnlich wie in einem überfüllten Hühnerstall führt die permanente Suche nach einem geeigneten Platz zu sozialem Stress. Holzer weiß ein Lied davon zu singen – beispielsweise bei Einsätzen am Walchensee. „Die Situation dort ist absolut grenzwertig.“ Der groteske Kampf um Stellflächen führt sogar soweit, dass etwa beim Parken in Halteverbotsbereichen ganz gezielt Geldstrafen in Kauf genommen werden. „So ist das überall.“ Und in vielen Fällen sind es Autofahrer aus der Region.

Die rasant gestiegene Menge an Kraftfahrzeugen in der Region lässt sich nicht weg diskutieren und ist in jeder zugeparkten Wohnstraße sichtbar. Doch woher rührt diese Kfz-Explosion im Landkreis? Bestimmt nicht an der Bevölkerungsentwicklung. Die Einwohnerzahl hat sich seit der Jahrtausendwende nur minimal von 86 500 auf 88 000 erhöht. Vielmehr ist es laut Holzer das „Freizeitverhalten und der Wohlstand“. Einheimische können sich schon in jungen Jahren Autos leisten – oder Motorräder. Dieses haben sich seit 2000 (3934) mit heute 7492 nahezu verdoppelt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Sparte Zugmaschinen, die um gut tausend angewachsen ist. In diese Kategorie fallen auch Traktoren. Dieser Trend verwundert ein wenig, hören doch immer mehr Bauern mit der Landwirtschaft auf.

Der überbordende Verkehr steht auch in Garmisch-Partenkirchen ganz oben auf der Agenda. Doch wie der geplatzte Rückbau der Bahnhofstraße zu einer fahrrad-freundlichen Verbindungsstrecke zeigt, hat das große politische Umdenken noch nicht eingesetzt. Sehr zum Bedauern von Gemeinderat Dr. Stephan Thiel, der 2020 für die Grünen ins Bürgermeister-Rennen geht. Er findet, dass die innerörtlichen Blechlawinen zu „60 bis 70 Prozent“ hausgemacht sind.

Die jüngsten Zahlen scheinen ihm Recht zu geben. Thiel wünscht sich eine „Bewusstseinsänderung“ – weg von der vermeintlich gemütlichen Kurzfahrt mit dem Pkw hin zum Radl oder öffentlichen Verkehrsmittel. „Doch dazu braucht’s wohl noch mehr Leidensdruck.“ Und politischen Willen. „Da fehlt aber oft der Mumm.“ Der Umwandlung von auto-geplagten Orten in fahrrad-freundliche Zentren „stehen meist die Köpfe im Weg“.

Auch Polizeichef Holzer glaubt nur ein Umdenken der Menschen vor Ort kann die angespannte Situation entschärfen. Falls das nicht passieren sollte, glaubt der Experte, wird der Kampf um die besten Plätze auch auf Bezahl-Parkflächen weitergehen. Dann wird’s für Urlauber richtig schwer.

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